19. November 2014

Liebe auf den ersten Schluck

Ich kam, sah und musste haben. Deswegen jammerte ich. Niemand schenkte mir Gehör. Bis jetzt.

Vorgestern bekam ich eine Mail, dass mein Paket unterwegs sein. Dann noch eine sms, damit ich auch wirklich, wirklich irritiert sein würde, denn ich hatte ja gar nichts bestellt. Und auch keine Vorwarnung bekommen, dass mir jemand etwas schicken würde.

Gestern bekam ich eine Mail, dass man den Liefertermin nicht einhalten könnte und das Paket stattdessen einen Tag früher zustellen würde. Es sei auch schon im Lieferfahrzeug. Ich wurde nervös. Äußerst nervös.

Dann bekam ich eine sms vom geek, dass er etwas hätte, das ich nicht habe. Ich wurde noch nervöser.

Dann kam ich nach Hause und packte ihn aus. Den pinken Becher.

Es dauert drei Sekunden, bis mir eine mögliche gute Fee in den Sinn kam. Dass diese gute Fee diese gute Fee ist, bestätigte sich heute morgen. Vielen herzlichen Dank, liebste Frau Kirsche. Ich bin entzückt, glücklich und kaffeedurstig. Liebe auf den ersten Schluck.


Das Internet ist meine beste Freundin. Sie lässt mich Menschen treffen, denen ich sonst nie begegnet wäre. Oder die ich nie angesprochen hätte. Oder die mich nie angesprochen hätten. Und die sich nun um mich kümmern. Danke Internet.

18. November 2014

Ein Drama in Pink

Jetzt stehe ich ja schon seit einer Woche wieder in Lohn und Brot und muss sagen: es läuft. Die erste Woche hatte ich ja vorsorglich so gestaltet, dass Wulfhild mit einer ansteckenden Krankheit zu Hause bleiben und Papa im Auge behalten konnte. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein, wenn es um das Wohl der Kinder geht. Und heute bin ich schon den zweiten Tag ganztags im Büro und kann sagen: klappt. Das hatte ich das letzte Mal vor drei Jahren, aber es scheint wie Radfahren zu sein. Der Kaffeedurst bleibt.

So langsam wandert auch die über die Jahre optimierte Büroausstattung ins selbige zurück. Als kleine Herausforderung habe ich zwar vertretungsweise einen zusätzlichen Bereich mit einem zusätzliche Schreibtisch in einem zusätzlichen Büro und somit eine zusätzliche Abstellfläche für Kaffeetassen, Kinderfotos und Schnickeldi übernommen, doch darum kümmere ich mich mit und mit. Diese Woche erstmal das, was vor der Elternzeit schon da war.

Enter: die pinke Schüssel.

Die Lieblingsblondine schenkte mir als Wiedereinstiegsversüßung nach der ersten Elternzeit eine pinke Müslischale. Denn Mama muss es sich schließlich nett machen in der Erwachsenenwelt. Diese pinke Müslischale zog vor acht Monaten in die Casa Basmati ein und erfreute fortwährender Nutzung durch die Damen des Hauses. Nun möchte ich sie wieder im Büro nutzen. Für Müsli.

Letzte Woche sah so aus: abends räumte ich die gespülte Schüssel zusammen mit einigen anderen Dingen in meine Lunch-Tasche und stellte diese an die Wohnungstür, damit morgens alles parat steht. Zeit ist Geld und eine gute Organisation erleichtert das Leben.

Kaum entdeckte Wulfhild die pinke Schüssel, erkannte sie umgehend die Notwendigkeit, auch eine Tasche für die Arbeit zu packen. Mit meiner pinken Schüssel. Am ersten Tag ließ ich sie gewähren, denn ich ahnte ja nichts. Ich kann ziemlich naiv sein.

Als ich die pinke Schüssel dann wieder in meine Tasche räumen und das Haus verlassen wollte, wurde aus dem kleinen, süßen Mädchen ein großer, hässlicher Hulk. NICHT DIE PINKE SCHÜSSEL, DIE BRAUCH ICH FÜR DIE ARBEIT! Den Exkurs zu Kinderarbeit und dem daraufhin notwendigen Gespräch mit dem geek spare ich mir hier.

Ich ließ die Schüssel zuhause, der liebe Friede schien mir wichtiger.

Abends packte ich die pinke Schüssel wieder in meine Lunch-Tasche, stellte sie an die Wohnungstür und registrierte irritiert, dass Wulfhild sofort aus dem hinterletzten Winkel der Wohnung angeschossen kam, um ihre Arbeitstasche zu packen. Mit meiner pinken Schüssel. Am folgenden Morgen kam folgerichtig wieder der große, hässliche Hulk zu Besuch und forderte die Herausgabe der Schüssel. Verängstigt händigte ich diese aus.

Der Rest der Woche: ebenso. Selbst das Packen der Lunch-Tasche deutlich nach der Schlafenszeit des kleinen, süßen Mädchens löste das Dilemma nicht, denn kleine Kinder hören morgens jeden noch so leisesten Wecker der Welt und spurten umgehend Richtung Mama. Und da ist dann ja auch die pinke Schüssel.

Montagmorgen war ich dank Herrn Gandalf schon vor dem Wecker wach. Siegessicher schlich ich mich in die Küche. Öffnete ganz leise die Spülmaschine, um heimlich die pinke Schüssel verschwinden zu lassen. Und ich bin mir sicher: sie hat hinter der Wohnzimmertür gewartet, bis sie mich vorbeischleichen sah. Wie aus dem Nichts steht sie vor mir, grinst mich verschlafen an und verkündet: ACH MEINE PINKE SCHÜSSEL, DIE BRAUCHE ICH HEUTE FÜR DIE ARBEIT!

Heute nacht habe ich die Schüssel gespült, heimlich in ein Handtuch gewickelt und in meine Handtasche gepackt und heute morgen fluchtartig das Haus verlassen. Und beim Hinausgehen höre ich noch aus der Küche:

MAMA, HAST DU AUCH NICHT MEINE PINKE SCHÜSSEL?

16. November 2014

Jetzt mal ehrlich

Stellen Sie sich mal vor, Sie lägen im pinken Reisebett im Souterrain-Wohnzimmer und knötterten lautstark vor sich hin. Der Grund für das Knöttern ist erstmal sekundär, es könnte sein, dass Sie rückwärts gerobbt und an das Ende des Bettchens gestoßen sind. Und nun nicht mehr fortkommen, da Sie nur rückwärts robben können. Oder Sie finden es generell unfair, im Souterrain-Wohnzimmer sein zu müssen, während Ihre Eltern in den Geschossen über Ihnen renovieren. Vielleicht ist auch der Schnuller rausgefallen, was ja an Unverschämtheit kaum zu überbieten ist. Es gibt so viele potentielle Gründe.

Hauptsache aber ist: Sie knöttern so laut Sie können.

Und stellen dann plötzlich fest, dass Ihre große Schwester von ihrem Mittagsschlaf-Matratzenlager aufsteht und zu Ihnen herüberkommt. Sie sagt irgendetwas, aber der Kern der Aussage bleibt verborgen, da Sie nicht verstehen, was sie sagt. Sie scheint es mehrfach zu wiederholen und wird wahrscheinlich deswegen laut, weil sie ebensowenig wie Sie versteht, warum hier die Kommunikation lückenhaft ist. Gestehen wir es Ihnen beiden mal zu, dass Sie verstehen, dass sie schimpft und umgekehrt. Weiter bringt es Sie das trotzdem nicht.

Dann wundern Sie sich plötzlich, warum sie aufhört zu schimpfen und stattdessen einen kleinen Hocker heranschiebt. Und diesen siegessicher erklimmt. Irgendetwas scheint sie zu bezwecken, doch was, das bleibt verborgen.

Stellen Sie sich weiter vor, wie Sie in Bauchlage, vor Staunen nicht mehr knötternd, immer weiter Ihren Kopf nach hinten legen müssen, während Sie Ihre große Schwester dabei beobachten, wie sie versucht, irgendetwas an Ihrem Reisebett zu machen. Sie scheint nach etwas zu angeln, denn sie streckt einen Arm weit nach unten ins Reisebett. Vielleicht ahnen Sie, dass die Schwerkraft gleich siegen wird, vielleicht aber auch nicht. Es ist noch nicht ganz klar, wie viel Sie in dem Bereich bereits verstanden haben.

Und dann siegt auf einmal die Schwerkraft, Ihre große Schwester stürzt ins Reisebett und fängt umgehend an, wie am Spieß zu brüllen. So, als wäre gerade etwas ganz schlimmes passiert.

Dann würden Sie auch schreien wie am Spieß, oder?

10. November 2014

Alles hat ein Ende nur die Wurst nicht

Man muss sich das jetzt so vorstellen, dass hier ein eloquenter Beitrag über meine heutige Rückkehr an den Fußabtreter des Elfenbeinturms und den Beginn der geekschen Elternzeit steht. Darüber, wie verwundert alle Menschen sind, dass ich jetzt auch gerne wieder arbeiten gehe. Und dass ich unglaublich stolz bin, dass der geek der Vater meiner Kinder ist und die Zeit mit ihnen nutzen möchte. Und dass ich mich davor fürchte wie es sein wird, wenn ich bis Ende März sogar Vollzeit arbeite und immer erst nach fünf in das Leben meiner Kinder trete. Und dass ich mir immer wieder sagen muss, dass der geek die Dinge anders, aber nicht schlechter macht. Und dass sich im Büro rein gar nichts geändert hat in den vergangenen Monaten. Und dass mir immer noch keiner einen KeepCup geschenkt hab.

Stattdessen sitze ich ein schluchzendes, krankes Kind tröstend auf der Couch und esse keine Schokolade. Denn das wäre ja wirklich nicht nett, jetzt wo Wulfhild diese Hand-Mund-Fuß Geschichte mit schmerzhaft brennenden Pickelchen im Mund hat. Braucht kein Mensch, übrigens.

9. November 2014

7. Brief an Thorin

Lieber Thorin,

Du bist heute still und heimlich sieben Monate alt geworden und ich muss sagen: der letzte Monat war ganz schön anstrengend. Ja, wegen Dir, guck nicht so.

Am Tag vor Vati Basmatis Geburtstag hast Du Deinen ersten Zahn bekommen! Unten links. Das erklärte dann auch im Nachhinein Deine schlechte Laune und das Schimpfen und Heulen. Dreizehn Tage später hast Du Deinen zweiten Zahn bekommen! Unten rechts. Das erklärte dann auch im Nachhinein Deine schlechte Laune und das Schimpfen und Heulen. Kurz danach hast Du begriffen, dass man sich um die eigenen Achse drehen und somit viel mehr von der Welt erreichen kann. Das erklärte dann auch im Nachhinein Deine schlechte Laune und das Schimpfen und Heulen. Und dann kann man sich ja auch noch mit den Armen nach hinten schieben und noch viel mehr erreichen. Das erklärte dann auch im Nachhinein Deine schlechte Laune und das Schimpfen und Heulen. Und seit ein paar Tagen beobachte ich, wie Du manchmal die Knie unter den Bauch ziehen willst. Du näherst Dich dem Vierfüßlerstand und somit dem Krabbeln. Das kann ja heiter werden. Immerhin bist Du auf dem Arm oder Schoß von Mama glücklich. Immer.


Es gab also eigentlich einen Entwicklungsschub nach dem anderen bzw. ging hier eins ins andere über. Anstrengend, das sag ich Dir. Die Nächte wurden immer schlimmer, so dass Du auch schon mal stündlich wütend knöttern musstest, weil der Schnuller herausgefallen war. Zum Glück blieb es bei einer Nachtmahlzeit, stündliches Stillen hätte mir gar nicht gefallen. Abends einschlafen war einen Katastrophe, denn man muss nach so aufregenden Tagen ja erstmal runterkommen. Das ist schwer, ich weiß, aber ein bisschen hast Du Dich schon angestellt.


Kurz bevor ich verzweifelt aufgeben und jämmerlich im Jammertal versacken wollte, probierten wir etwas neues aus. Du gehst um 19 Uhr ins Bett, ca. eine Stunde als vorher. Wir legen Dich ziemlich wach hin und Du schläfst dann einfach ein. Manchmal musst Du noch ein bisschen erzählen, manchmal brauchst Du eine Hand auf dem Bauch zur Beruhigung, aber Du findest eigentlich ziemlich gut selber in den Schlaf. Ich bin überrascht. Sehr angenehm überrascht. Denn auch Deine große Schwester geht viel besser ins Bett. Wenn Du nämlich fast schon schläfst, gucken wir noch eine Folge Peppa Wutz, lesen eine Geschichte und dann schleichen wir ganz still ins Kinderzimmer und sagen Gute Nacht. Das war es. Viel einfacher, als ich mir das vorgestellt hatte.

Jetzt muss ich mir nur noch etwas für den Schnuller überlegen. Denn ich weiß nicht, ob ich es aushalte bis Du groß genug bist, den nachts wiederzufinden und Dir in den Mund zu stecken, wenn er mal verloren geht. Das geschieht zwar nicht mehr stündlich, aber alle zwei oder drei Stunden schon. Da muss dann entweder ich oder Papa aufstehen und Dir helfen. Das zehrt an unser aller Nerven.


Es gab den ersten Brei. Ich hatte zufällig in einem Buch gelesen, dass Kinder dann körperlich für Beikost bereit sind, wenn sie sich selbständig drehen können. Und das hattest Du ja schon mit viereinhalb Monaten gelernt. Also standen alle Zeichen auf Brei. Und da ich ja ab morgen wieder ins Büro gehe, musste eine sinnvolle Alternative zur Muttermilch her. Ganz klassisch wählte ich Möhre und wurde schon wieder angenehm von Dir überrascht. Es klappt viel besser als damals bei Deiner Schwester. Du warst nach zwei Wochen bei fast ganzen Portionen angelangt, isst sehr manierlich und bekommst inzwischen auch den Nachmittagsbrei. Und es schmeckt gut. Mit dem Abendbrei lassen wir uns vielleicht noch ein bisschen Zeit. Oder hilft der beim Durchschlafen? Dann vielleicht doch schon morgen.


Du bist immer noch sehr gelassen, was das Abhängen am neuen Haus angeht. Das hilft natürlich sehr beim Renovieren, was Papa aber bisher meistens ohne unsere Hilfe tut. An den Wochenenden verbringen wir dann aber auch ganze Tage dort und Du musst viel im Kinderwagen liegen und Löcher in die Luft starren. Das nimmst Du ganz stoisch ruhig, machst ein Nickerchen hier und da und guckst uns halt zu. Wir sind Dir unendlich dankbar dafür.


Du bist übrigens immer noch das dicke Kind. Denn so groß wie Du jetzt war Deine große Schwester mit 11 Monaten. Ich bin gespannt, wann Du sie überholst. Lange wird es nicht mehr dauern.

Und gestern waren wir beim ersten Sankt Martinszug. Du hattest keinen Bock gehabt, Dir eine Laterne zu basteln, also hast Du nur im Wagen gelegen, der Musik gelauscht, Deine Schwester angehimmelt und bist am Feuer eingeschlafen. Ganz entspannt, so lob ich mir das.


Möpperchen, ich bin sehr gespannt auf den nächsten Monat. Nicht nur auf die Umstellung, dass Papa Dich jetzt tagsüber betreut und ich Dich erst ab Nachmittags erlebe, sondern auch auf das, was bei Dir passiert. Ich tippe auf Vorwärtsrobben, Krabbeln und noch mehr Zähne. Und Schimpfen, Schimpfen, Schimpfen. Und dann, wenn man Dich auf den Arm nimmt: Strahlen.

Du bist meine Sonne.

In Liebe,
Mama