18. Mai 2013

Es kam nicht nur die Sonne raus

Nein, nicht nur die Sonne. Es gibt auch eine neue Lieblingsfrage von Dombesucher an Domführer.

"Und wie genau öffnet man die Vitrine des Marienschreins, wenn man da für die Heiligtumsfahrt die Reliquien herausnehmen möchte?"

Die Antwort hab ich nach anfänglichem nur gucken noch nicht ganz fertig überlegt. Zur Disposition stehen bisher:

"Die Glasscheiben werden dematerialisiert."

"Gar nicht, die Schreinöffnung wird nur noch virtuell angeboten."

"Mit dem Zeige- und Ringfinger der linken Hand. Ein ziemlich kompliziertes Bewegungsmuster."

Was meint die werte Leserschaft?

17. Mai 2013

Ganz falsch. Nochmal von vorne.

Manchmal weiß man ja schon im Moment der Entscheidung, dass diese falsch ist.

Heute: Bus fahren statt nass werden. Falsch.

An der Haltestelle kommt erstmal lange nichts, was nichts schlimm ist, weil das "lang" ja nur lang ist, weil es regnet. Und die ganzen 4 Minuten habe ich immerhin gekonnt genutzt, um mich genau da hinzustellen, wo jeder normale Fahrer eines Gelenkbusses mit seiner mittleren Tür zum Stehen kommt.

Außer Busdriver from Hell.

Der parkt einfach mal 5 Meter früher, so dass ich ungeschickt um eine abgesperrte Großbaustelle manövrieren muss, bevor ich den Kinderwagen in den Bus bugsieren kann. Immerhin wartet Busdriver from Hell mit dem Schließen der Tür, bis ich im Bus bin. Man muss sich auch mal über die kleinen Dinge freuen.

Merke: im Bus drin sein heißt nicht geparkt, Bremse angezogen, sicheren Halt gesucht. Aber gut. Wenn meine Beine einen intimen Paartanz mit dem Einkaufstrolley einer Mitreisenden aufführen, dann haben schließlich alle was davon und ich habe die Welt zu einem bessern Ort gemacht.

Diverse schwungvoll genommene Kurven später löse ich langsam die Umklammerung des Kinderwagens und drücke den Haltewunschknopf.

Busdriver from Hell hält den Bus an. Wir stehen an der Haltestelle, ich übe mich im Freuen über die kleinen Dinge. Denn wir stehen auch mit der offenen Tür direkt am Laternenpfahl. Gottseidank kann ich unseren wendigen Buggy ebenso gut ein- und ausparken, wie den dicken Mercedes, in dem ich damals fahren lernte. Sehr schlau, Busdriver from Hell. Mit ihnen fahr ich nicht wieder. Da werde ich lieber nass.

Außer bei Gewitter, dann probier ich es nochmal.

15. Mai 2013

MMM am 15. Mai 2013

Es gibt noch kein Hemdblusenkleid. Das liegt zum einen daran, dass ich noch kein Hemdblusenkleid genäht habe, zum anderen daran, dass ich erst den Picnic Blanket Skirt nach Tilly'schem Muster nähen musste.


Laaaaaaaaaaaaaangweilig, könnte man sagen, denn der sieht ja haargenau aus wie der Picnic Blanket Skirt von Tilly and the Buttons. Aber genau das war ja auch der Plan. Denn ich war schockverliebt, wie man so schön auf neubloggerisch sagt. Also begab ich mich auf die Suche nach genau so einem schwarz-weiß-karierten Baumwollstoff, wie auf den Bildern von Tillys Rock und los ging's.


Ich mag: es gibt viel Rock, weil die zweifache Hüftbreite auf Taillenweite gerafft wird. Schwing. Und er besteht aus rechteckigen Stücken, was bei einem so geometrisch-gradkantigem Muster wie meinem einfach herrlich zuzuschneiden ist. Und der Saum wird automatisch gerade. Ich sollte nur noch karierte Dirndlröcke nähen. Der Schnitt ist ganz einfach für die eigenen Körpermaße auszurechnen, da ja nur Rechtecke basieren auf eigenen Maßen geschnitten werden. Das komplizierteste ist das Umrechnen von Tillys Inch-Angaben in Zentimeter, aber das bekommt man schon hin. Es wird einmal sehr viel gerafft, das ist nervig aber auszuhalten, es wird eine Knopfleiste mit Knopflochpendant gezaubert und wenn ich das kann, kann das jeder. Ehrlich.


Und man soll ja heute schon an morgen denken. Wenn ich beim Älterwerden wegen ebenjenem aus lauter Frustration sehr viel Schokolade esse und gerade in der Körpermitte unglaublich viel zunehme, dann hab ich schon was anzuziehen. Denn der Picnic Blanket Skirt sollte eigentlich in der Taille sitzen. Täte er auch, wenn ich nicht zwischen Taillenumfangmessen und Taillenbandzuschnitt 10 Zentimeter Umfang verloren hätte. Oder aus Angst vor zu engem Taillenband mehrere Anproben ignoriert hätte, dass ich da zu großzügig war. Immerhin hab ich das schon auf dem Zettel mit meinen Maßberechnungen notiert. Der nächste Rock (ein altrosa gestreifter Stoff liegt schon parat, denn Tetik hatte Schlussverkauf im Ladengeschäft) wird dann hoffentlich in der Taille sitzen und nicht locker auf der Hüfte aufliegen. Denn so hängt er zu oft schräg durch bzw. vorne weiter runter als hinten. Noch schiebe ich das auf den Wintermantel, der heute darüber drapiert war. Frühling und so.


Nun aber das wichtigste. Seit ich Kleidung für mich nähe, wird an beinahe so gut wie jedem Kleidungsstück etwas neues ausprobiert. Bisher: einen Rock nähen, ein Kleid nähen, Taschen, Ärmel und einen nahtverdeckten Reißverschluss, einen Rock mit Futter das deutlich als nichtgelungen eingestuft wurde nähen und Ärmel in denen man die Arme hochheben kann und zu guter letzt dekorative Falten. Highlight des neuesten Stücks: Knopflöcher. Und jetzt alle so YEAH. Aber wie immer: ist doch pippieinfach, wenn man es einmal verstanden hat.


Dem Hemdblusenkleid stehen nun nicht mal mehr Knopflöcher im Wege. Sehr gut.

Was wir morgen nähen könnten, ist im MeMadeMittwoch-Kleiderschrank zu sehen, heute präsentiert von Wiebke.

14. Mai 2013

Dienstags ans Ende der Welt: Der Bismarckturm in Aachen

Manchmal weiß man ja nicht richtig was mit sich anzufangen und gegoogelt hat man sich auch schon mehr als genug, also sucht man sich irgendwas zur Beschäftigung. Notgedrungen.

Wir hatten zum Beispiel festgestellt, dass wir äußerst vertraut sind mit a) der Bushaltestelle Bismarckturm und b) dem Hotel-Restaurant Bismarckturm. Denkt man aber mal genau drüber nach, dann fehlt: der Bismarckturm. Denn weder ist das Hotelgebäude ein Turm, noch steht die Bushaltestelle neben einem Turm. Aber irgendwo muss er doch sein.

Ist er auch. Ein bisschen weiter weg, auf der anderen Seite der Straße, und nur zu besichtigen an Werktagen. Nimmt man sich halt mal einen Brückentag. Gesagt getan, und vorher sogar noch ein wenig informiert. Denn wer weiß schon, dass es insgesamt 240 Bismarcktürme zu Ehren des guten alten Schnauzbartes gab? Und dass davon noch 173 stehen? Einer davon sieht so aus:



Der Aachener Bismarckturm steht übrigens auf dem Gelände des Waldfriedhofs, nahe des Eingangs an der Monschauer Straße, wo der hilfsbereite Pförtner bereitwillig den Schlüssel ausleiht.


Bismarcktürme sollten an Otto von Bismarck erinnen und der Aachener Turm tut das seit 1907.


Obwohl keine Feuer auf dem Turm brennen konnten und durften, wie es auf vielen anderen Türmen wohl der Fall war, durfte man nach der Einweihung zu besonderen Anlässen vor dem Turm ein Feuer entzünden. Stattdessen ist oben auf dem Turm ein Krönchen, was ich sowieso hübscher finde. Und beeindruckend, weil 5 m hoch. Hui.


Außergewöhnlich ist die Form, denn die stellt ein B da. B für Bismarck, falls da Fragen aufkamen. Mittig die Büste des Schnauzbartes.



Aber natürlich wollten wir von oben runtergucken, wir sind schließlich Abenteurer. Und das Taschengeld reichte gerade so für einmal 101 Stufen rauf und 101 Stufen wieder runter. Puh, Glück gehabt.


Oben vom Turm hat man einen richtig tollen Rundumblick über Aachen. Auf meinem Bild erkennt man zwar nix, aber sehen kann man so gut wie alles. Wenn man weiß, wonach man sucht.


Falls man also mal in der Gegend ist, sollte man ruhig einen Abstecher zum Turm machen. Er steht inmitten des Ehrenfriedhofs und strahlt eine unglaubliche Gelassenheit aus. Für Turmbesteiger, Friedhofsbesucher, Fotografierer, Geschichtsmöger und Naturgenießer lohnt es sich allemal.


Und damit er sich nicht so einsam fühlt, in Stein gemeisselt alleine im Park, wurden dem guten Bismarck übrigens noch zwei Freunde beigegeben: Helmut Graf von Moltke und Albrecht von Roon (von der Bismarck-Büste aus von rechts nach links). Da gibt es zum Abschluss dann auch noch den Beweis, dass selbst der knallhärteste Politiker ein blumiges Herz hat: rundrum blüht es.


Da haben wir doch wieder was gelernt, sieh mal einer an. Und weiter siehe da: Es gibt sogar eine Internetseite über Bismarcktürme. Hobbies haben die Menschen, unglaublich.

13. Mai 2013

Aus Gründen

Ich renne ja prinzipiell nicht Bussen hinterher. Dann sieht man nämlich viel zu albern aus.

Stattdessen gehe ich in aller Seelenruhe an der ungünstigsten Stelle über die Straße in Richtung Bushaltestelle, an der der Bus steht, denn ich ja wegen des aus Gründen Nichtrennens nicht nehmen werde.

Und bringe mich mit einem gekonnten Hechtsprung über eine ungünstig im Rinnstein liegenden Pfütze und zwischen einer Sichtschutzwand und einem Baum in Sicherheit, als eben dieser Bus anfährt. Viel weniger albern. Denn ich hatte dabei meinen orangen Mantel an.