17. Dezember 2014

Ein Mausoleum für die Ohren

Früher wurde man ja gerne damit irritiert, Freundschaftsbücher ausfüllen zu müssen. Anders als heutzutage bei Facebook und Co. wurde nicht nur ein Häkchen bei I like gesetzt, neinein, es mussten Fragen beantwortet werden. Mehrere. Und für die Freundschaft wahnsinnig nützliche Angabe gemacht werdenn, wie z. B. Auskunft darüber, welche Schauspielerin in der Verfilmung meines Lebens mich spielen sollte.

Forward zu Heute in Zweitausendvierzehn. Ich weiß immer noch nicht, welche Schauspielerin in der Verfilmung meines Lebens die Cati B. spielen soll. Meryl Streep fände ich toll, aber dann werden die Maskenbildner- und Kostümkosten das Budget sprengen. Weil sie blond ist und ich nicht.

Aber jetzt, wo die Zeit der Jahresrückblicke gekommen ist und ich letzte Nacht einen Post über mein Jahr 2014 und seine Beschwerlichkeit formulierte den ich wie so viele andere gedachte Posts in letzter Zeit nicht schreiben werde, bin ich mir zumindest sehr sicher, dass im Rückblick auf Cati B. garantiert nicht Markus Lanz moderieren soll. Wirklich nicht. Bitte notieren Sie das irgendwo.

Lieber Hape Kerkeling. Ich würde ihm da auch die künstlerische Freiheit lassen, den Rückblick als Hörspiel zu gestalten. Und bei Hörspiel zog ich kurz auch Rufus Beck in Erwägung. Oder doch Wladimir Kaminer? Es ist kompliziert, aber es bleibt ja noch ein bisschen Zeit, das zu entscheiden. Da höre ich noch einmal alles, was mir von denen in die Ohren kommt und entscheide dann. Ein Mausoleum ist ja auch nicht in drei Tagen gebaut.

4. Dezember 2014

Früher war alles besser

Im Alter wird man ja wieder zum Kind, heißt es. Stimmt. Ich zum Beispiel liege ja gerade mit einer fiesen Nebenhöhlenentzündung flach und alles ist wie früher.

Die Kulturoma ist da und passt auf die Kinder auf. Also schleiche ich heimlich in die Küche, um Schokolade zu essen. Auf was anderes hab ich keinen Appetit. Immer, wenn die Oma ins Zimmer lugt, um nach meinen Wünschen zu fragen, stelle ich mich schlafend, damit sie wieder rausgeht und mich in Ruhe lesen lässt. Und die Schokolade nicht findet. Die meiste Zeit starre ich mit offenen Augen in die Luft, ähnlich wie im Physikunterricht.

Und dann ist da doch noch irgendwas mit alten Menschen und hohen Tönen, Details hab ich vergessen. Aber ich muss sagen: seit wann hat Wulfhild eine so unglaublich laute, schrille Mädchenstimme und steht damit immer direkt in meinem Ohr? Auch wenn sie im Kinderzimmer ist?

Ich jammere jetzt noch ein bisschen vor mich hin.

3. Dezember 2014

Kältebrücke

Ich habe den daunendeckengewärmten Kissenberg verlassen und stehe vor der vom liebevollen geek fürsorglich eingelassenen, heißen Badewanne. Das wärmende Wasser und mich trennen nur zwei Paar Socken, eine Fleecekuschelhose, ein Langarmshirt und ein Rollkragenpullover. Die Sekunden, in denen ich ohne wärmende Kleidung und ohne heißes Wasser sein werde ängstigen mich. Sehr.

Gut, dass ich so mutig bin. Und zu geizig, um eine heiße Wanne ungenutzt kalt werden zu lassen.

Jetzt wieder Fününü im Bett. Unter der dicken Daunendecke. Mit Wollsocken.

1. Dezember 2014

Weihnachtskleid-Sew-Along 2014 die dritte

Ach Gottchen, da überlegt man sich, dass es der Fertigstellung eines Kleides zuträglich wäre, dem ganzen Prozess per Sew-Along einen zeitlichen Rahmen zu geben, schon näht man erstmal nichts. Ts. Damit ich für vergangene Woche trotzdem einen Fortschritt vorzuweisen habe, begab ich mich gestern abend auf den Fernsehsessel und nähte. Mit der Hand. Untergang der westlichen Welt.

Doch im Detail: 3. Teil des gemeinschaftlichen Weihnachtskleidnähens. Ich bin in Stimmung, erste Nähte sind gemacht oder wahlweise Endlich hab ich angefangen.

Hm, erste Nähte sind ja schon länger gemacht, da ich ja den Sew-Along nutze, um ein schon begonnenes Kleid fertigzustellen. Bevor die Nähmaschine auf unbestimmte Zeit in einem Umzugskarton verschwindet. Fününü. Auf jeden Fall gibt es also schon erste Nähte.

Um genau zu sein, gibt es sogar schon einen fertigen Rock, bei dem lediglich noch durch Einsatz des Reißverschlusses die linke Naht geschlossen werden muss. Und der Saum... Oder die rechte? Was weiß denn ich. Heute nacht fiel mir ein, dass es vielleicht unschlau war, die Nahtzugaben schon per Zickzackschere zu versäubern, aber dann ist eventuelles Auslassen halt keine Option und es muss so passen. Ich gebe hiermit zu: Anproben während des Nähprozesses sind mir ein Rätsel, da ich zwar "an mich halte", aber mir das keine ernstzunehmende Aussage über die Passgenauigkeit des Endprodukts gibt. Das liegt sicher an mir und meiner Imkompetenz, an mir selber mit Stecknadeln zu hantieren. Falls mir das mal jemand zeigen möchte, wäre ich sehr dankbar. Eine Fotostrecke reicht schon.

Ein Oberteil gibt es auch schon. Fast. Eine Seite ist offen, wegen der Reißverschlussgeschichte. Die formgebende Raffung unterhalb der Brust ist zumindest schon mit diesen Fäden versehen, mit denen ich das dann beizeiten raffe. Ein Lob ob meiner Weitsicht wäre an dieser Stelle herzlich willkommen.

Und dann habe ich doch tatsächlich angefangen, den Abschluss des Halsausschnittes mit der Hand festzunähen. Damit man außen keine Naht sieht. Ich bin baff. Über mich selbst.


Das wird was. Hoffe ich. Und um mich weiter anzuspornen, schaue ich mal nach, wie weit die anderen sind.

28. November 2014

Ich mach nur schnell noch...

Ich hielt es für eine gute Idee, mir kurz vor dem Verlassen der Wohnung noch schnell die etwas schmuddelig wirkenden Stiefel zu polieren. Ich fand eine von diesen Tuben Schuhpolierzeugs, an denen vorne ein Schwämmchen dran ist mit dem man das Zeug verreibt, kurz wartet und frisch glänzend losstiefeln kann. Ich fühlte mich so dynamisch und erfolgreich, ein guter Start in den Tag.

Was ich nicht wusste: diese Tube hat eine schwerwiegende Persönlichkeitsstörung und hält sich für einen Tintenfisch. Fühlt sie sich angegriffen, versprüht sie Tinte und verschwindet in einer dunklen Wolke.

Ich hatte einen weißen Rock mit feinen, weißen Streifen an. Die Betonung liegt auf hatte.

Immerhin glänzen die Stiefel nun. Und der Boden im Flur auch. Und Wulfhilds Socken.