28. November 2015

Ende gut, alles gut. Nur das Auto, das ist kaputt.

Weil Mutti mal Enkel haben möchte, muss der kleine Herr Gandalf unters Messer. Da sind zwei kleine Gehände nicht da, wo sie hinsollen, und der Urologe soll es richten. Daher war am Montag Vorstellung in der Anästhesie angesagt. Und weil ich dafür das Büro früher als sonst verlassen muss, kommt morgens die Bahn zu spät. Dann lohnt sich das mit dem Überstundenabbau wenigstens in der Theorie, denn in der Praxis hab ich ja gar nicht so viele Überstunden. Aus der verspäteten Bahn wird ein Bus, der mich in nur weniger als einer Tagesreise ins Büro bringt. Denn die Bahn fällt dann doch aus.

Im Büro angekommen arbeite ich geschwind wie der Wind, denn vielleicht bin ich ja ab Dienstagnachmittag erstmal für länger nicht im Büro. Angeblich ist es nämlich nicht so gut, ein frisch operiertes Kleinkind in einem Kindergarten abzugeben. Pfff. Gerade noch rechtzeitig stempelt Frau Basmati dann aber aus, nimmt ganz viel Arbeit im Kopf mit nach Hause und rennt zum Bahnhof. Ja, rennt. Sieht immer wieder hübsch aus. Immerhin regnet es nicht. Gerade noch rechtzeitig erreiche ich den Bahnhof und lese, dass die Bahn "wenige Minuten" Verspätung hat. Ich könnte wie ein Berserker brüllen und ein Wartehäuschen mit Fäustschlägen zerstören, aber das fänden die darin Wartenden vielleicht nicht so gut. Also lasse ich es. Ich könnte aber heulen. Auf Knopfdruck.  Der geek wartet am Bahnhof des Dorfs, damit wir von dort direkt zum Kindergarten fahren und Herrn Gandalf abholen können. Und er wartet im Auto, also hat er es warm.

Aus wenigen Minuten wird eine Zeitspanne, die mir sehr viel Unbehagen bereitet, denn der Masterplan für den Tag gerät aus den Fugen. Und wenn ich eins schlecht ertragen kann, dann das aus den Fugen geraten der Ordnung. Diese löst sich in Wohngefallen aus, als der Zug einfach ausfällt. Jetzt könnte ich schreien. Ich nehme den nächstbesten Zug zum Hauptbahnhof, von dem man doch mehr Möglichkeiten des Fortkommens in die richtige Richtung hat, als vom kleinen Bahnhof westlich des Hauptbahnhofs. Derweil texte ich dem geek, dass meine Bahn nicht kommt und ich mit dem nächsten Bähnchen komme, eine halbe Stunde später als angekündigt. Für den Anästhesietermin müsste es knapp reichen. Am Hauptbahnhof lächelt die Schicksalsgöttin auf mich herab, denn sie lässt einen Zug in Richtung Köln auf mich warten. Ich spurte und springe auf und nehme einen Anruf des geeks entgegen, der vorschlägt, dass er schon mal den kleinen Mann abholen könnte. Ich gebe die neue Lage durch, nämlich dass ich in 5 Minuten in Stolberg bin. Er wartet.

Wir düsen zum Kindergarten und locken Herrn Gandalf unter falschen Versprechungen mit uns. Er hat diese Aktion von vor zwei Wochen in äußerst schlechter Erinnerung, denn unter anderem wurde die OP 30 Minuten vor Beginn abgesagt, weil er erkältet war. Pfff. Alle ab ins Auto, Wulfhild auf später vertröstet und los. Bei LOS rollen wir rückwärts aus der Parklücke und als der geek den ersten Gang einlegt, knirscht es. Und dann geht nichts mehr.

Kein in die Gänge kommen. Gar nichts, nüscht, nada. Natürlich kommen in dem Moment sowohl von vorne als auch von hinten Autos, die auf der schmalen Straße an uns vorbei wollen. Und natürlich stehen wir mitten auf der Straße. Einer ist immerhin nett genug, schieben zu helfen. Aus "ich könnte heulen" ist schlagartig ein "ich könnte kotzen" geworden. Wenigstens kann ich die Nummer eines Taxiunternehmens auswendig und kurz darauf basteln wir Herrn Gandalfs Autositz in ein Taxi, genauestens von ca. 17 Kindern beobachtet, die sich an der Tür des Kindergartens die Nase plattdrücken.

Anästhesie alles gut, wenigstens hört die diensthabende Ärztin ihn auch mal ab, bevor sie ihr OK gibt.

Per Taxi zurück in Richtung Heimat, auf dem Weg rufe ich den ADAC. Wenigstens bekommt man so die Mitgliedsbeiträge in Naturalien zurück. Kurz vor Castle Grayskull verlasse ich frühzeitig das Taxi und laufe zurück zu Mr. Goldfinger respektive Kindergarten. Ich werde von einer munteren Meute erwartet, die aufgeregt wissen will, warum ich Wulfhild abhole, aber nicht mit ihr wegfahre. Wieder und wieder und wieder, so kompliziert ist die Geschichte doch gar nicht. Auto kaputt, Abschleppwagen erwarten, zur Autowerkstatt fahren. Aber gut, ich erzähle ja gerne.

Der Abschleppwagen kommt, wir sind heute ein richtig gutes Unterhaltungsprogramm. Nur Wulfhild findet das alles nicht so gut und bricht in Panik aus, als ich ihren Autositz in den Abschleppwagen hiefe. Als ob ich sie da lassen, aber den Sitz mitnehmen würde. Wenigstens bin ich nicht die einzige mit Tränen in den Augen, auch gut.

In der Autowerkstatt ist man wenigstens nett. Und sie haben so eine Türklingel, die klingelt, wenn einer durch die Tür geht. Oder eine Wulfhild vor der Tür hin und her läuft. Großer Spaß. Für alle. Bis die Vermutungen hinsichlicht der ganglosen Situation aufkommen. Ich halte mir einfach die Ohren zu und singe laut Jingle Bells.

Und dann nochmal Taxi bis zum Castle Grayskull. Abendessen, Kinder ins Bett, kein Nähkurs weil kein Auto. Also Schnaps.

3. September 2015

Paralleluniversum

Zu meiner eigenen Belustigung habe ich mich ja neulich für den Posten der Präsidentin der Welt aka Vorsitzenden der Elternvertretung des Kindergartens in die erste Reihe gedrängt. Nachdem die erste Euphorie verflogen war, hauptsächlich weil es keinen Präsentkorb oder Sekt zu den Gratulationswünschen gab, war ich etwas in Sorge, ob das so eine gute Idee gewesen war.

Aber doch, es war eine gute Idee. Gestern war nämlich Elternabend und ich habe ganz zufällig herausgefunden, wie ich mein inneres Zen finde, wenn ich den Sinn der Diskussionen nicht mehr verstehe. Während die anderen Eltern nämlich so vor sich hin diskutierten, ob dies und das oder was - darf ich ja nicht sagen - schweifte ich gedanklich ein wenig ab und stellte mir kurz vor, wie LaOma besorgt guckt, wenn ich auf ihre Frage "Na, wie war's im Büro?" ausweichen mit "Ok." antworte. Woraufhin sie dann aufgeregt meine Chefin anruft. Und sich überlegt, was da jetzt nicht stimmt. Dann wird es einen Elternabend geben, hoch oben im Generali-Saal des Elfenbeinturms. Mit Keksen und Kaffee.* Dass es bei den anderen auch auf diesem Wege zum Thema Caterer und Frühstücksbuffet kam, scheint mir unwahrscheinlich, es gab da eventuell eine geringfügig andere Gesprächsführung. Am Ende war aber alles gut. Sprich, es gab keine Gesprächspause, in der mich alle erwartungsvoll anguckten und ich aus lauter Unbehagen einen Erstickungsanfall aufgrund von Kekskrümeln vortäuschen musste.

Heute Elternabend in Herrn Gandalfs Gruppe. Das steht ja auch in keinem Schwangerschaftsratgeber, dass man ab ganz bald seine Abende mit den Kindern verbringt, obwohl die im Bett liegen und schlafen.



* Der Elternabend der Eltern meiner Kolleginnen und Kollegen ist nun hochoffiziell meine Elternabendvariante des Wenn Du Dich als Redner vor vielen Leuten unbehaglich fühlst, stell sie dir nackt vor.

29. August 2015

Ab jetzt verlieren wir

Man sitzt in der Sonne auf der Terrasses von Castle Greyskull und nascht Obst. Ich habe es sogar kleingeschnitten und verschiedene Sorten auf den Teller geschmissen arrangiert, wie so eine gute Mutter. Fotografiert habe ich es nicht, zum Foodblogger reicht es also noch nicht. Wulfhild sucht die Sachen raus, die sie mag. Herr Gandalf isst wie immer: alles. Bis es weg ist.

Kurz bevor es weg ist, bietet der geek Wulfhild ein Stück Bergpfirsich an. Ob sie mal probieren möge, das sei echt lecker. Ganz Kindergartenkind würgt sie ein überzeugendes EK-EL-HAFT hervor und verzieht das Gesicht.

Der geek gibt nicht auf, wohlwissend, dass Wulfhild ja noch nie einen Bergpfirsich gegessen hat. Anbieten, ablehnen, anbieten, ablehnen, anbieten, ablehnen. Herr Gandalf futtert derweil wie ein Scheunendrescher. Der geek hält Wulfhild das letzte Stück hin.

"Guck mal Wulfhild, letzte Chance, magst Du mal probieren?"

Kurze Stille. Das Kind guckt nach unten auf den Teller und ignoriert sehr offensichtlich Papa und den Bergpfirsich. Dann schleicht sich ein diabolisches Grinsen auf ihr Gesicht.

Wulfhild: "Ach Papa, was man angefasst hat, muss man auch essen."

Und klettert geschwind aufs Baumhaus.

28. August 2015

Regierung

Anscheinend muss man, wenn man Kinder hat, auch über Elternabende bloggen. Und damit man mir nicht vorwirft, als Mutter versagt zu haben, mach ich das jetzt auch mal. Mir ist nur noch nicht ganz klar, was ich schreiben soll, denn erstens war unsere Elternvollversammlung nach 42 Minuten um, wir Eltern um einiges schlauer, was das ein oder andere Projekt angeht, die Kekse schmeckten und es gab Kaffee. Mit Kaffee kriegt man mich immer. Am Kuchen arbeite ich noch.

Aber wir waren ja auch schlau: Die Wahl zum Elternbeirat fand vorher per Briefwahl statt. Das ersparte das zeitraubende zum Boden starren und unauffällige Schnürsenkel zubinden in der letzten Reihe. Die Wahl war extra einfach gestaltet worden, es stellten sich nämlich pro Gruppe zwei Eltern zur Wahl, so dass Vertreter und Vertretervertreter relativ simpel ausgewählt werden konnten. Nur Wulfhilds Sternengruppe tanzte aus der Reihe, weil man Frau Basmati und die Konkurrentin von Frau Basmati gleich toll fand. So mussten wir in der Vollversammlung per Faustkampf bestimmen, wer Vertreter und Vertretervertreter wird. Competitive me entschied die Stichwahl natürlich für sich.

Und weil es so schön war, sich im Erfolg zu sonnen, ließ ich mich auf der anschließenden Sitzung des Elternbeirats (es waren noch Kaffee und Kekse übrig, die mussten weg) direkt mal zur Präsidentin von der Welt wählen.

Und weil ich durch langjährige Erfahrung in der Jugendarbeit in Orts- und Landesverbänden weiß, wie man es macht, haben jetzt alle Aufgaben außer mir. Ich trage ja schon einen Titel, das muss reichen.

13. Juli 2015

Wulfhild ist eingewöhnt

Ich mache mir jetzt das hämische Grinsen den Schicksals zu Nutzen und erwähne hier schriftlich und für alle Zeit nachlesbar, dass Wulfhild ihr großes Geschäft nicht auf der Toilette erledigt. Oh, hätte ich vorwarnen müssen, dass es um sowas wie große Geschäfte geht, die nicht in der Toilette, sondern in der Unterhose landen? Entschuldigung, wird nicht wieder vorkommen.

Es ist nämlich einerseits so, dass alles, was ich hier bejammerte, sofort besser wurde. Andererseits ist es so, dass Wulfhild das kleine Geschäft sehr gut beherrscht und ich mir ziemlich sicher bin, dass der Rest auch klappen würde. Wäre da nicht die berühmte Frackigkeit. Oder was auch immer.

Schimpfen hilft nichts, ignorieren und einfach die Folgen beseitigen hilft nichts, im Kindergarten ist es auch so und was soll ich denn da nun machen. Beim heutigen Kindergarteneingewöhnungsendgespräch war das der einzige Punkt, den wir nicht einfach als läuft super abhaken konnten und über den wir ausführlich gesprochen haben. Denn überraschenderweise finden die Betreuerinnen das auch nicht so prickelnd, jeden Tag aufs neue feststellen zu müssen, dass der Geruch von DIESEM Kind kommt. Während wir uns nun also einerseits auf einen Mittagsschlaf ohne Windel geeinigt haben, bringen wir andererseits die Stinkerwindel ins Spiel, die sie sich auf Bestellung abholen kam und hoffentlich als Örtchen benutzt. Kollektive Spannung, wie das weitergeht.

Auf jeden Fall hab ich das jetzt hier gesagt und deswegen wird es nun besser. Ansonsten ist das Kind gut eingewöhnt und spielt mit allen und allem und gerne. Und isst große Portionen, die in keiner Relation zu ihrem Körpervolumen stehen.