25. November 2014

Weihnachtskleid-Sew-Along 2014 die zweite

Liebes Internet,

ich bin selbst überrascht, aber ich nähe mir ein Weihnachtskleid.

Bis vor kurzem nähte ich mir nämlich ein Kleid. Dann nähte ich mir ein Wiedereinstiegskleid fürs Büro. Dann nähte ich mir ein Herbstkleid. Und aus diesem wird jetzt ein Weihnachtskleid. Denn ich sag mal so: die Zeit vergeht, ich nähe. Nicht. Aber mit dem Druck, den so ein Sew-Along aufbaut, könnte es jetzt was werden. Oder sonst 2015, denn noch ist ja kein Datum festgelegt.

Am Sonntag lud Frau Kirsche zum zweiten Treffen des Sew-Alongs ein.

Oh, so ein schönes Schnittmuster wird da genäht, ich entscheide mich schnell um / Ich habe mich für mein Traumkleid entschieden und bleibe dabei / Ich nähe mal lieber erst ein Probemodell / Schnitt kopieren, zuschneiden, wer sagt eigentlich, dass Nähen Spaß macht?

Naja, ich sag mal so: ich bin ja schon länger mit dem Nähen dieses Kleides beschäftigt. Deswegen ist der Schnitt schon länger ausgeschnitten. Und ja: ausgeschnitten, ich bin nämlich nicht so fürs Kopieren. Und da ich nicht vorhabe, in den nächsten Monaten meine Figur größentechnisch so zu verändern, dass ich froh wäre, den Schnitt noch unzerschnitten herumliegen zu haben, habe ich den auf dünnstem Bibelpapier gedruckten Butterick 5603 Schnitt ausgeschnitten. Fluchend.

Dann habe ich diesen auch brav zugeschnitten. Dazwischen lagen ungefähr vier Wochen. Ausreichend Zeit, um neue Fluchenergie zu sammeln, denn Zuschneiden liebe ich ungefähr so sehr wie Schnittausschneiden. Grrr.


Und weil ich schon so viel geflucht habe, bleibe ich dabei. Es wird das Butterick-Kleid und ein ärmelloses Kleid passt an Weihnachten sehr gut, da wird es ja tendenziell warm. Gut gemacht.

Weil aber Winter ist, habe ich einen muckelig weichen Wollstoff, der aber relativ dünn ist. Grundfarbe beige-grau, darauf ein dunkelgrau-blaues beinahe Hahnentrittmuster. Oder so ähnlich, Du siehst es ja selbst, liebes Internet. Dazu wollte ich ganz langweilig ein beiges Futterstöffchen kaufen, doch man drückte mir ein perfekt passendes petrol-blaues in die Hand, mit passendem Reißverschluss. Deswegen wohne ich so gerne in unmittelbarer Nachbarschaft eines Stoffgeschäftes. Das ist anders als Internet.

Und schau, mit dem Nähen hab ich auch schon begonnen. Ein Probekleid wird es definitiv nicht geben, da ich bei zwei Kindern, einer Vollzeit-Arbeit und einem Hausumbau genug um die Ohren habe. Ehrlich gesagt bin ich ja jetzt schon von mir beeindruckt, wenn ich dieses Modell tatsächlich mal fertiggestellt habe. 2015 oder so.

 

Nun denn, das wird was, ich ahne es. Wir sehen uns kommenden Sonntag.

Mehr Weihnachtskleid-Sew-Along gibt es auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog.




19. November 2014

Liebe auf den ersten Schluck

Ich kam, sah und musste haben. Deswegen jammerte ich. Niemand schenkte mir Gehör. Bis jetzt.

Vorgestern bekam ich eine Mail, dass mein Paket unterwegs sein. Dann noch eine sms, damit ich auch wirklich, wirklich irritiert sein würde, denn ich hatte ja gar nichts bestellt. Und auch keine Vorwarnung bekommen, dass mir jemand etwas schicken würde.

Gestern bekam ich eine Mail, dass man den Liefertermin nicht einhalten könnte und das Paket stattdessen einen Tag früher zustellen würde. Es sei auch schon im Lieferfahrzeug. Ich wurde nervös. Äußerst nervös.

Dann bekam ich eine sms vom geek, dass er etwas hätte, das ich nicht habe. Ich wurde noch nervöser.

Dann kam ich nach Hause und packte ihn aus. Den pinken Becher.

Es dauert drei Sekunden, bis mir eine mögliche gute Fee in den Sinn kam. Dass diese gute Fee diese gute Fee ist, bestätigte sich heute morgen. Vielen herzlichen Dank, liebste Frau Kirsche. Ich bin entzückt, glücklich und kaffeedurstig. Liebe auf den ersten Schluck.


Das Internet ist meine beste Freundin. Sie lässt mich Menschen treffen, denen ich sonst nie begegnet wäre. Oder die ich nie angesprochen hätte. Oder die mich nie angesprochen hätten. Und die sich nun um mich kümmern. Danke Internet.

18. November 2014

Ein Drama in Pink

Jetzt stehe ich ja schon seit einer Woche wieder in Lohn und Brot und muss sagen: es läuft. Die erste Woche hatte ich ja vorsorglich so gestaltet, dass Wulfhild mit einer ansteckenden Krankheit zu Hause bleiben und Papa im Auge behalten konnte. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein, wenn es um das Wohl der Kinder geht. Und heute bin ich schon den zweiten Tag ganztags im Büro und kann sagen: klappt. Das hatte ich das letzte Mal vor drei Jahren, aber es scheint wie Radfahren zu sein. Der Kaffeedurst bleibt.

So langsam wandert auch die über die Jahre optimierte Büroausstattung ins selbige zurück. Als kleine Herausforderung habe ich zwar vertretungsweise einen zusätzlichen Bereich mit einem zusätzliche Schreibtisch in einem zusätzlichen Büro und somit eine zusätzliche Abstellfläche für Kaffeetassen, Kinderfotos und Schnickeldi übernommen, doch darum kümmere ich mich mit und mit. Diese Woche erstmal das, was vor der Elternzeit schon da war.

Enter: die pinke Schüssel.

Die Lieblingsblondine schenkte mir als Wiedereinstiegsversüßung nach der ersten Elternzeit eine pinke Müslischale. Denn Mama muss es sich schließlich nett machen in der Erwachsenenwelt. Diese pinke Müslischale zog vor acht Monaten in die Casa Basmati ein und erfreute fortwährender Nutzung durch die Damen des Hauses. Nun möchte ich sie wieder im Büro nutzen. Für Müsli.

Letzte Woche sah so aus: abends räumte ich die gespülte Schüssel zusammen mit einigen anderen Dingen in meine Lunch-Tasche und stellte diese an die Wohnungstür, damit morgens alles parat steht. Zeit ist Geld und eine gute Organisation erleichtert das Leben.

Kaum entdeckte Wulfhild die pinke Schüssel, erkannte sie umgehend die Notwendigkeit, auch eine Tasche für die Arbeit zu packen. Mit meiner pinken Schüssel. Am ersten Tag ließ ich sie gewähren, denn ich ahnte ja nichts. Ich kann ziemlich naiv sein.

Als ich die pinke Schüssel dann wieder in meine Tasche räumen und das Haus verlassen wollte, wurde aus dem kleinen, süßen Mädchen ein großer, hässlicher Hulk. NICHT DIE PINKE SCHÜSSEL, DIE BRAUCH ICH FÜR DIE ARBEIT! Den Exkurs zu Kinderarbeit und dem daraufhin notwendigen Gespräch mit dem geek spare ich mir hier.

Ich ließ die Schüssel zuhause, der liebe Friede schien mir wichtiger.

Abends packte ich die pinke Schüssel wieder in meine Lunch-Tasche, stellte sie an die Wohnungstür und registrierte irritiert, dass Wulfhild sofort aus dem hinterletzten Winkel der Wohnung angeschossen kam, um ihre Arbeitstasche zu packen. Mit meiner pinken Schüssel. Am folgenden Morgen kam folgerichtig wieder der große, hässliche Hulk zu Besuch und forderte die Herausgabe der Schüssel. Verängstigt händigte ich diese aus.

Der Rest der Woche: ebenso. Selbst das Packen der Lunch-Tasche deutlich nach der Schlafenszeit des kleinen, süßen Mädchens löste das Dilemma nicht, denn kleine Kinder hören morgens jeden noch so leisesten Wecker der Welt und spurten umgehend Richtung Mama. Und da ist dann ja auch die pinke Schüssel.

Montagmorgen war ich dank Herrn Gandalf schon vor dem Wecker wach. Siegessicher schlich ich mich in die Küche. Öffnete ganz leise die Spülmaschine, um heimlich die pinke Schüssel verschwinden zu lassen. Und ich bin mir sicher: sie hat hinter der Wohnzimmertür gewartet, bis sie mich vorbeischleichen sah. Wie aus dem Nichts steht sie vor mir, grinst mich verschlafen an und verkündet: ACH MEINE PINKE SCHÜSSEL, DIE BRAUCHE ICH HEUTE FÜR DIE ARBEIT!

Heute nacht habe ich die Schüssel gespült, heimlich in ein Handtuch gewickelt und in meine Handtasche gepackt und heute morgen fluchtartig das Haus verlassen. Und beim Hinausgehen höre ich noch aus der Küche:

MAMA, HAST DU AUCH NICHT MEINE PINKE SCHÜSSEL?

16. November 2014

Jetzt mal ehrlich

Stellen Sie sich mal vor, Sie lägen im pinken Reisebett im Souterrain-Wohnzimmer und knötterten lautstark vor sich hin. Der Grund für das Knöttern ist erstmal sekundär, es könnte sein, dass Sie rückwärts gerobbt und an das Ende des Bettchens gestoßen sind. Und nun nicht mehr fortkommen, da Sie nur rückwärts robben können. Oder Sie finden es generell unfair, im Souterrain-Wohnzimmer sein zu müssen, während Ihre Eltern in den Geschossen über Ihnen renovieren. Vielleicht ist auch der Schnuller rausgefallen, was ja an Unverschämtheit kaum zu überbieten ist. Es gibt so viele potentielle Gründe.

Hauptsache aber ist: Sie knöttern so laut Sie können.

Und stellen dann plötzlich fest, dass Ihre große Schwester von ihrem Mittagsschlaf-Matratzenlager aufsteht und zu Ihnen herüberkommt. Sie sagt irgendetwas, aber der Kern der Aussage bleibt verborgen, da Sie nicht verstehen, was sie sagt. Sie scheint es mehrfach zu wiederholen und wird wahrscheinlich deswegen laut, weil sie ebensowenig wie Sie versteht, warum hier die Kommunikation lückenhaft ist. Gestehen wir es Ihnen beiden mal zu, dass Sie verstehen, dass sie schimpft und umgekehrt. Weiter bringt es Sie das trotzdem nicht.

Dann wundern Sie sich plötzlich, warum sie aufhört zu schimpfen und stattdessen einen kleinen Hocker heranschiebt. Und diesen siegessicher erklimmt. Irgendetwas scheint sie zu bezwecken, doch was, das bleibt verborgen.

Stellen Sie sich weiter vor, wie Sie in Bauchlage, vor Staunen nicht mehr knötternd, immer weiter Ihren Kopf nach hinten legen müssen, während Sie Ihre große Schwester dabei beobachten, wie sie versucht, irgendetwas an Ihrem Reisebett zu machen. Sie scheint nach etwas zu angeln, denn sie streckt einen Arm weit nach unten ins Reisebett. Vielleicht ahnen Sie, dass die Schwerkraft gleich siegen wird, vielleicht aber auch nicht. Es ist noch nicht ganz klar, wie viel Sie in dem Bereich bereits verstanden haben.

Und dann siegt auf einmal die Schwerkraft, Ihre große Schwester stürzt ins Reisebett und fängt umgehend an, wie am Spieß zu brüllen. So, als wäre gerade etwas ganz schlimmes passiert.

Dann würden Sie auch schreien wie am Spieß, oder?

10. November 2014

Alles hat ein Ende nur die Wurst nicht

Man muss sich das jetzt so vorstellen, dass hier ein eloquenter Beitrag über meine heutige Rückkehr an den Fußabtreter des Elfenbeinturms und den Beginn der geekschen Elternzeit steht. Darüber, wie verwundert alle Menschen sind, dass ich jetzt auch gerne wieder arbeiten gehe. Und dass ich unglaublich stolz bin, dass der geek der Vater meiner Kinder ist und die Zeit mit ihnen nutzen möchte. Und dass ich mich davor fürchte wie es sein wird, wenn ich bis Ende März sogar Vollzeit arbeite und immer erst nach fünf in das Leben meiner Kinder trete. Und dass ich mir immer wieder sagen muss, dass der geek die Dinge anders, aber nicht schlechter macht. Und dass sich im Büro rein gar nichts geändert hat in den vergangenen Monaten. Und dass mir immer noch keiner einen KeepCup geschenkt hab.

Stattdessen sitze ich ein schluchzendes, krankes Kind tröstend auf der Couch und esse keine Schokolade. Denn das wäre ja wirklich nicht nett, jetzt wo Wulfhild diese Hand-Mund-Fuß Geschichte mit schmerzhaft brennenden Pickelchen im Mund hat. Braucht kein Mensch, übrigens.