22. August 2006

Freaky Friday on a Mad Monday

Gestern war wieder einer dieser Freaky Fridays im und um den Dom herum.

Es fing an mit einem spanischen, nicht mehr ganz frisch riechenden Besucher, der auf mich zustürmte als ich mit meiner Gruppe Amerikaner das Oktogon betrat. Und somit offensichtlich beschäftigt war. Der Besucher verfiel in einen nicht enden wollenden Schimpfmarathon und verlangte von mir, dass ich ihm die Straße aufschreiben sollte, in der die Schatzkammer liegt, damit er dann dort eine Führung machen könnte, um den Thron zu sehen. Ich erklärte ihm freundlich den Weg: aus der Kirche hinaus, über den Hof, zweimal rechts. Dabei benutzte ich sogar die Karte, die er in der Hand hatte, und zeigte ihm dort genau wo er sich befand und wo er hinwollte. Er hörte derweil nicht auf, fordernd auf mich einzureden und bekam im Grunde nichts mit von dem was ich sagte. Das war aber anscheinend auch nicht beabsichtigt, denn als ich im Ton bestimmter wurde, hörte er immer noch nicht zu. Ich hab ihn dann stehen lassen, denn er wollte sich nicht helfen lassen und war wohl auch schon den zweiten Tag mit dieser unkooperativen Laune im Dom und nervte Domschweizer und Domführer und Besucher im Allgemeinen. Und ich war ja auch schon beschäftigt, mit zahlenden netten Gästen, die sich darüber freuten dass ich ihre Sprache spreche.

Die Mittagspause verbrachte ich mit einer Kollegin vor dem Dom. Wir saßen friedlich und nichts ahnend in der Sonne als uns von hinten jemand ansprach. "Hallo, ich bin schwul, hihi." Naja, was antwortet man da? Er fragte weiter, ob wir "zum Reiten, hihi, ach nein, für die WM" hier wären. Und hörte dann ebenfalls nicht mehr auf zu sprechen. Sein Freund verläßt seit vier Jahren nicht mehr das Haus, Psychosen und so, und er tut es wohl. Einmal im Monat betritt er die Außenwelt und lernt neue Leute kennen. Ob wir den bildblog schon mal gelesen hätten und was wir vom Bauhaus Europa halten. Ich hatte wieder mal das Gefühl, dass ich die freundliche Aufforderung SPRECHEN SIE MICH AN UND LABERN SIE MICH ZU auf die Stirn tätowiert habe.

Auf dem Weg zurück zur Arbeit sahen wir vor dem Dom eine äußerst merkwürdig in grüne Selbststrickmode und hellgraue Leggins gekleidete Frau mit Regenschirm. An dem Schirm waren Schnüre befestigt, von denen an jede zweite Löffel gebunden waren. Besagte Frau hatte ungefähr fünf Menschen um sich gescharrt, die jeweils zwei der Schnüre an ihre Schläfen hielten während sie ihnen etwas erzählte. Dann applaudierten sie. Wir wollten nicht wirklich wissen, wie es weiterging.

Im Dom erwarteten uns bereits leicht angenervte Domschweizer. Eine Gruppe von 50 Italienern waren eingefallen und verlangten in wie immer gelassener italienischer Manier nach ihrem Führer. Dass sie mit doppelter Anzahl von Besuchern gekommen waren und somit eine Führerin nicht ausreichen würde schien ihnen nicht als Problem bewußt zu sein. Und auch, dass sie 15 Minuten zu früh waren und die Führerin halt einfach noch nicht da, schien ihnen nicht als Grund auszureichen, warum die Führung nicht direkt losgehen konnte. Aber nun gut. Ich verließ einfach den Ort des Schreckens. Manchmal denke ich, dass Italiener immer davon ausgehen, jetzt gleich tot umzufallen. Und vorher ist noch so viel zu erledigen, da kann man schon mal hektisch werden. Trotzdem mag ich italienisches Eis und Pizza und Wein. Also nicht falsch verstehen.

Im Bus dann wieder eine neue Szene der SPRECHEN SIE MICH AN UND LABERN SIE MICH ZU Kapitel meines Lebens. Nach der Belehrung, dass es in Aachen ja gar nicht so oft regnet und beim CHIO ja sowieso nie wurde mir erläutert, dass man die Sprache ja mal öfter revolutionieren sollte durch die neuartige Nutzung alter Wörter. Reden in der Öffentlichkeit mit anderen Menschen nennt er jetzt nicht mehr Diskussion, sondern öffentliches Grübeln. Ich hoffte, dass ihm irgendwann aufgehen würde, dass Grübeln normalerweise im Stillen passiert. Gott sei Dank konnte ich jedoch einfach aussteigen, ich war an meiner Haltestelle angekommen und flüchtete mich in mein ruhiges Zuhause.

Kommentare:

  1. Hihi, den Schwulen mit dem strengen Freund und wenig Ausgang habe ich auch schon mal kenne gelernt. Er wollte von mir (als ich noch im Beauty Department arbeitete) eine Parfumprobe als Mitbringsel für besagten Freund haben...

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  2. "Sprechen Sie mich an und labern Sie mich voll" ist ja nicht nur eine Phase Deines Lebens, liebe Cati, Tätowierung sind für die Ewigkeit, zumindest wenn Du es unterlässt Ätzvorgänge auf Deiner Stirn zu vermeiden! :-)

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  3. :) kann nur sagen: Ich liebe diesen Job....der Dom ist eben der Dom... was wäre das Leben sonst langweilig. Bitte weiter alle Stories festhalten, bin momentan fast nie da, leide unter Entzug

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  4. Hach, schön :) Also alles wie immer. Das Zentrum aller in jeder Form Verhaltensauffälligen ist und bleibt unsere geliebte Arbeitsstelle.. Und sobald mein Domentzug zu gross wird, lese ich Deinen Blog, und schon kann ich mich voller Grauen wieder meinen Bergen zuwenden... Danke :)))
    Schöne Grüsse aus Bergen!!

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