11. August 2006

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Oft grinse ich beim Bus- oder Bahnfahren in mich hinein. Grund sind die älteren Damen, die anderen Leuten eine Kurzkonversation aufdrängen. Sowas wie "Ach wissen sie, ich muss die nächste raus, und sie? OB SIE ANTWORTEN ODER NICHT ICH REDE TROTZDEM WEITER!" oder auch "Hach, wissen sie, ich muss ins Krankenhaus, ist das die nächste Haltestelle? Mein Mann liegt da. FRAGEN SIE JETZT WARUM ER DA LIEGT!"

Ich bin nicht gegen Kommunikation. Vielmehr bin ich manchmal sogar ein Feind von Stille, wer mich kennt, wird nicken. Ich schreibe einen Blog.

Wichtig ist aber, die Zeichen zu erkennen. Gestern zum Beispiel saß eine junge Frau neben mir. Ich hatte sie weder angeguckt, noch angesprochen, noch ihr zugelächelt, noch auf irgendeine Art Notiz von ihr genommen. Plötzlich spricht sie mich an. Will wissen, warum ich denn nicht weiter in dem Buch lese, das ich drei Haltestellen vorher zugeklappt hatte. Äh, was? Erzählt mir dann unaufgefordert, dass sie im Bus nicht lesen könnte. Im Zug schon. Früher ging es auch im Bus, aber heute nicht mehr. Aaaah! Weiter gehts: Wo sie als Post-Doc arbeitet und als was sie dort arbeitet. Was ich denn so mache. Ein "Geht sie das was an?" scheint mir unangebracht. Aber dass ich in Literaturwissenschaft promoviere und deswegen von Berufs wegen sehr viel lesen muss, das läßt sie verstummen. Hallo? Warum darf ich nicht mitreden? Solange ich keine Antworten oder nur grummelgrummel, murmelmurmel von mir gab war alles gut, mitreden ist aber anscheinend falsch. Wieder was gelernt. Von heute an: sensibel sein für die Bedürfnisse anderer: Monolog oder Dialog?!

1 Kommentar:

  1. du scheinst die Leute ja echt anzuziehen, mit mir wird oft geredet- aber fast nie spontan im Bus....kann mir vorstellen, daß man so auch interessante Leute trifft:)

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