7. Oktober 2006

Schöner Abend

Gestern abend waren der geek und ich in Köln, in Ehrenfeld um genau zu sein. Dort traf ich mal wieder auf eine mir ganz liebe Spezies Mensch: der betrunkene Dauerstudent. Doch zunächst die Vorgeschichte.

Nach einem feuchtfröhlichen Abendessen in einem traditionellen Gasthaus, wo es wirklich sehr lecker war, beschlossen der geek und sein Bruder, dass man ja noch ein bisschen um die Häuser ziehen könnte. Wir zogen dann zunächst in die hängenden Gärten von Ehrenfeld, ein wirklich schöner Laden dessen Deckendeko sehr beeindruckend ist. Fragt nicht, wo genau der zu finden ist, in Ehrenfeld halt. Lange wollten wird dort allerdings nicht im Stehen trinken, vorallem die Freundin vom Bruder vom geek hatte Aua-Füsse, weil zu hohe Schuhe. Selber schuld. Nun gut, wir zogen weiter ins Dingsbums-den-Namen-hab-ich-vergessen wo mir tolle Cocktails versprochen wurden. Es war aber auch dort nicht wirklich Platz, zum Sitzen schon gar nicht, und um ganz hinten durch unter der Neonröhre neben dem Kicker zu sitzen, naja, dafür muss ich nichts ins sagenumwobene Ausgehmekka Köln pilgern, gell? Wir zogen also weiter ins Königsblut, wo wir dann nicht nur Getränke, sondern auch endlich Sitzplätze bekamen, als einige Lehrerinnen nach Hause gehen mussten. Da ging der Spass dann los.

Markus kam auf uns zu, ein Bekannter vom Bruder vom geek. Er war schon sichtlich angetrunken und daher verbal nicht mehr ganz so überzeugend. Zunächst unterhielt er uns alle mit der ausführlichen Darstellung der genauen Umstände unter denen er von der bevorstehenden Beerdigung seiner Oma gehört hatte. In seinem kurzen Monolog kam folgender Satz vor:
"Und das Dreisteste war, die ist inner Operation gestorben, jetzt muss also erstmal das wie im Krimi und dann wird die erst nächsten Montag beerdigt."
Richtig, genau betrachtet ist das gar kein vollständiger Satz, es sind etliche notwendige Elemente durcheinander und auch weg gekommen.

Nun gut, wir wandten uns anderen Dingen zu. Hinter uns an der Wand befand sich ein Gemälde einer nackten Frau. Das hatte vielleicht das kleine sechsjährige Patenkind des Besitzers gemalt, zumindest sah es so aus. Der geek erhob sich um mal ein Bier wegstellen zu gehen und bemerkte in seinem charmanten Tonfall, dass er das echt hässlich finden würde. Woraufhin Markus ganz verdutzt fragte: "Stehste nicht so auf Kunst?" Mir war klar, dass ich auch angetrunkener Weise nun argumentativ voll auf meine Kosten kommen würde:

Markus - "Stehste nicht so auf Kunst?"
Cati - "Naja, was ist schon Kunst, da hat doch jeder seine eigene Meinung und über Geschmack läßt sich ja bekanntlich nicht streiten."
- "Ey, Kunst ist halt was ästhetisch ist und Ästhetik ist doch voll festgelegt."
- "Ah ja? Was ist denn Ästhetik?"
- "Ey, Ästhetik, also ja das ist halt..." (die Stimme verhallt unter dem Klang der Jukebox)
- "Was ist denn hier an dem Bild zum Beispiel ästhetisch?"
-"Ey, also für mich..." (s.o. was mit der Stimme passiert)
- "Siehst Du: 'für mich', also ist es völlig subjektiv, deswegen kann mal also auch nicht drüber streiten."
- "Ey, das stimmt aber doch gar nicht. Ästhetik ist doch z.B. was in einer Galerie hängt."
- "Nun gut, wenn schwarze Quadrate für Dich ästetisch sind, dann mag das für Dich Kunst sein, aber für andere vielleicht nicht, für die ist das dann nur ein schwarzes Quadrat."
- "Ey, also manche finden aber einfach alles an Kunst gut."
- "Vielleicht differenzieren die dann nicht, weil sie alle Kunstrichtungen oder auch Epochen und so weiter ansprechend finden und einen Zugang dazu haben, aber manchen geht es vielleicht nicht so. Und die empfinden dann halt nicht jede 'Kunst' als solche."
- "Ey, was machst'n Du beruflich?" (Plötzlicher Themenwechsel der den Gegner gekonnt irritieren soll. Im Folgenden muss der werte Leser selbst entscheiden, wer denn nun verwirrt ist.)
- "Ich bin Übersetzerin."
- "Ey, ach Du bist Dolmetscherin?"
- "??" (Ich hab dann sehr lange an meinem Getränk genippt und in die Runde geschaut. Meine Berechnungen stimmten, seine Aufmerksamkeitsspanne war recht kurz und er wandte sich wieder anderen Menschen zu.)

Manchmal bin ich froh, dass ich nicht in Köln wohne, nicht mehr studiere und auch nicht gezwungen bin, jeden Abend im Königsblut herumzuhängen. Danke, Kaiserstadt Aachen.

Anette hat übrigens sehr schön vorgeschlagen, dass ich beim nächsten Mal erwähnen sollte, dass ich an der Uni unterrichte: das Proseminar "Einführung in die Ästhetik-Theorie I" und die Vorlesung "Grundfragen des Ästhetik-Diskurses". Das letzte findet aber nur im Wintersemester statt.

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