3. November 2006

Wanderer, kommst Du nach Sparta an die große Straße

Ich überquere keine rote Fussgängerampel. Auch mitten in der Nacht bleibe ich stehen, aus lauter Angst dass irgendwo im Dunkeln ein gereizter Rentner mit zuviel Zeit oder gar ein Polizist auf Streife lauert. Und zwar nur um mich festzunehmen. So bleibe ich aus lauter Angst einfach stehen und rede mantraförmig auf mich selbst ein: "Mit dem Auto würdest Du ja auch nicht weiterfahren, bloss weil gerade kein anderes Auto kommt." Oder ich denke mir: "Wenn Kinder das sehen und nachmachen bin ich eine böse Kindermörderin." Will ja auch keiner sein.

Im Winter hat diese sympathische Macke von mir allerdings auch sehr schöne Nebeneffekte. Was kann ich dafür, dass viele Menschen in der momentanen Dunkelheit mitten am Tage nicht daran denken, dass man wenn sie das Licht brennen lassen und die Gardinen nicht vorziehen direkt in ihre Häuser hineingucken kann? Und zwar lange und ausgiebig, was kann ich denn schon für die Länge der Ampelphase? Man kann dann aber z.B. auch einfach mal mit dem Partner einen hollywoodreifen Kuss üben. Vorher natürlich genau gucken, ob der Partner auch der richtige ist! Oder man könnte laut singen. Muss man aber nicht.

Die einzigen anderen Menschen die nachts an roten Ampeln stehen bleiben sind übrigens solche die aus Länder kommen, in denen es gar keine Ampeln oder Straßen gibt. Die stauen dann aber nur und gucken oder küssen nicht. Selber schuld.

Das nur am Rande.Eigentlich geht es heute um ganz andere Dinge die passieren, wenn ich am Straßenrand stehe. Fussgängeramplen sind ja eine gute und sichere Erfindung, aber Hand aufs Herz, oft sind sie einfach nicht dort wo sie für mich Sinn machen. Vor der eigenen Haustür zum Beispiel.

Meist passiert es also dass man am Straßenrand auf den Moment wartet, in dem die Autos in die eine Richtung schon vorbei gefahren sind, die Autos in die andere Richtung aber noch nicht da sind. Oder einfach nur, bis die Straße an sich frei ist. Anscheinend ströme ich dabei aber eine sehr dämliche gefährliche Aura aus, die viele Autofahrer dazu veranlasst, stehen zu bleiben. Lieber noch würden sie aber wahrscheinlich diesen Straßenabschnitt großräumig absperren, bis ich auf der anderen Seite bin. Vielleicht verwechseln sie da in der Erinnerung die guten Taten. Das ist ja aber prinzipiell nicht schlimm, wenn sie darauf achten würden, dass man nur ungern den ersten Teil der Straße überquert um dann auf dem Mittelstreifen im wirbelnden Verkehr zu stehen. Nichts was ich mir für den frühen Freitagmorgen wünsche. Also Autofahrer, vorausschauend anhalten. Böse werden sie übrigens, wenn man ihr dämliches freundliches Angebot nicht annimmt. Auch möchte man nur ungern den Zorn all der Autofahrer auf sich ziehen, die wegen Autofahrer Nr. 1 nicht weiterfahren können. Also auch hier wieder Gruppenzwang zum schnellen Handeln. Weiterwinken des Autofahrers Nr. 1 ist übrigens keine gute Idee, denn der beharrt auf seinem dämlichen freundlichen Angebot und bleibt geduldig stehen. Enter now: Zorn of the andere drivers. Wie mans macht, man macht es falsch!

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