15. Februar 2007

Um beim Ironman mitmachen zu dürfen, muss man sich erstmal qualifizieren. Zum Beispiel beim berühmten Hangeweiher Lauf.

Laufen ist eine meiner Leidenschaften. Ich nenne es ganz bewußt nicht "joggen", denn bei dem Wort denke ich immer an die 80er Jahre, an türkise ballonseidene Jogginganzüge und Stirnbänder. Unschön. Außerdem ist Joggen schon vom Aquanastensport belegt, dem Aquajoggen. Immer donnerstags außer heute.

Zurück zum Laufen. Ich würde es gerne andauernd machen, scheitere aber oft am Überwinden des inneren Schweinehundes. Aber ab und an klappt es ja doch. Heute zum Beispiel mal wieder, übrigens das erste Mal seit dem Überfall durch Pfeiffer. Guter Dinge lief ich los.

Immer wenn ich laufe (das hört sich jetzt so an, als würde ich es andauern tun und ich muss nicht mal lügen) bereue ich es vom ersten Moment an aufs Schärfste. "Warum zieht man sich High-Tech-Klamotten an, für die man viel Geld bezahlt, nur um sie dann vollzuschwitzen?" "Warum fahre ich nicht mit dem Bus her, geht auch viel schneller!" und so weiter. Gleichzeitig aber fühle ich mich unheimlich gut. Nach der ersten halben Stunde (was sich ohne zu lügen so anhört als gäbe es mehr davon) nehme ich mir immer vor, irgendwann mal einen Marathon zu laufen. Hat Bruder Herr von Clausewitz schliesslich auch schon gemacht. "Schliesslich läuft es in dem Moment ja auch wie geschmiert."

Einige Zeit später, mal früher mal später (wir sprechen hier über eine Zeitspanne von 2-15 Minuten), bricht der Vorsatz wie ein Kartenhaus in sich zusammen und kehrt sich um ins anfängliche Fluchen und es wird sehr schwer, die vielen Abkürzungsmöglichkeiten zu übersehen bzw. zu ignorieren. Dafür hab ich dann aber ja Raoulando dabei, der mich mit fiesen Parolen und gehässigen Sticheleien mir Honig um den Mund schmiert und mich zum Weitermachen überredet. Funktioniert meistens recht gut.

Zuhause bin ich dann wieder guter Dinge, denn dann bin ich ja da und hab die vier Stockwerke Altbau schon erklommen. Liege auf dem Boden und tue so als würde ich Situps machen, aber das ist auch Auslegungssache, ob meine als solche zählen oder nicht. Schleppe mich in die Dusche und falle dann auf die Couch. Und versuche mir vorzustellen, wie ich mich wohl nach den 42195000000 Metern eines Marathons fühlen würde. Kann doch nicht so schwer sein. Oder doch? Das war ja gerade nicht mal die Hälfte, also wie schaffen?

Da der Mensch aber so schnell vergisst, wird dann normalerweise direkt der Ironman angepeilt, natürlich der auf Hawaii. Schliesslich können es nicht immer nur Paula Newby-Fraser und Natascha Badman sein.

Heute allerdings lief es nicht ganz so ab. Vielmehr drängten sich ziemlich schnell die verschiedenen Muskelkatervarianten auf und ich hatte das Gefühl, dass ich es nie im Leben jemals wieder die vier Altbaustockwerke hinaufschaffen würde. Was würde aus mir werden? Auf der Straße leben, waschen nur im Regen, sozialer Abstieg, Karnevalist... Mit letzter Kraft zog ich mich hoch in meinen Palast und wuchtete mich in die Dusche. Wenn Hawaii, dann nur ein Ausflug zu den Akaka Falls. Im Jeep oder Cabrio, je nach dem.

Vielleicht steh ich immer noch unter der Dusche. Da lob ich mir meinen elektrischen Durchlauferhitzer, der nicht nur die richtige Temperatur trifft, sondern dies auch nach langer, langer, langer Zeit immer noch unermüdlich tut!

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