6. März 2007

Fotokurs eins die erste

Ach ja, neulich war der erste Termin des Fotokurses, zu dem ich mich in einem Anflug von was-mach-ich-nur-am-samstag angemeldet habe. Aber ich bin nicht allein, Anfüte macht auch mit beim Kurs. Halt nein, es ist ja ein workshop, nicht bloß ein Kurs. Was zunächst vermuten lässt, dass es was zu worken gibt, aber nun gut, der erste Eindruck täuscht ja oft.

Es gibt natürlich ein lustig bunte Teilnehmermischung, mich und Anfüte eingeschlossen. Da wir uns auf die Schnelle keine Namen merken konnten, haben wir uns erstmal mit Spitznamen zufrieden gegeben, denn wie sollten wir sonst unserer natürlichen weiblichen Neigung zu anthropologischen Studien nachgehen?

Die lustig bunte Teilnehmermischung sollte sich vorstellen, damit die sympathische Leiterin des Workshops ein Bild davon bekommt, wie unser Kenntnisstand ist, ob wir digital oder analog fotografieren und so weiter. Ich hab mich dann mal aus Knippser geoutet. Tat fast gar nicht weh.

Als nächster Teilnehmer kam der Schwarzweiße dran und katapultierte sich sofort auf einen Feindbildplatz. Wir nennen ihn den Schwarzweißen, weil er in ca. 3 Minuten ungefähr 80 mal erwähnte, dass er ja nur schwarzweiß fotografiert, nicht bunt, nur schwarzweiß, also im Grunde nichts anderes als schwarzweiß, ob wir mal was sehen möchten. Profilierungssüchtig ist jetzt noch ein nettes Adjektiv für ihn, denn er hatte eine kleine feine Übersicht über sein bisheriges Oeuvre mitgebracht, ob er das mal holen sollte. Naja, alle Kinder wollen für ihre Wachsmalstiftbilder gelobt werden und was interessieren ihn die anderen Teilnehmer? Vielleicht ist er als Hasselblad Besitzer aber auch sowieso in einer Sphäre, in der kein Platz für jemand anderen ist. Ich hätte in diesem Moment viel Geld für eine Quicksnap gegeben um sie vor mich auf den Tisch zu legen. Er holte also sein Oeuvre und ich war völlig überfordert, denn er fing an durchzublättern. Und zwar in der Geschwindigkeit, in der ich früher Seminararbeiten durchgesehen habe die Zeitung durchblättere um zu den Kinozeiten zu kommen. Die Leiterin bremste ihn dann und er kam auf die brilliante Idee, sein Oeuvre doch einfach auf den großen Tischen auszubreiten, damit dann jeder mal schauen kann. Also gut, er war schon nicht schlecht. Das hätte ich mit meiner Quicksnap nicht ganz so hinbekommen.

Es gab noch ein Oeuvre zu schauen, aber der ältere Herr ist sehr nett und pflegt das freundliche Understatement, dass wir wahren Profis so lieben. Seine abgewetzte Fototasche hat er sicher nicht samt Inhalt gerade erst beim Secondhandhändler erworben. Die Fotos von ihm waren ganz anders. Bunt, nicht schwarzweiß, um nur ein Merkmal aufzuzählen. Es gab sehr schöne Tiefenschärfe-Experimente und sehr beeindruckende Industrieaufnahmen. Das hätte ich mit meiner Quicksnap nicht ganz so hinbekommen. Und der ältere Herr ist auch sehr freundlich, denn er fängt das Kennenlernen der anderen Teilnehmer nicht mit Dozieren und Belehren an und protzt auch nicht so mit seinen Kamerabauteilen.

Feindbild Nr. 2 ist die Anstrengende. Sie ist eine von denen, die einen Raum betreten und sofort Unruhe verbreiten. Eine unangenehme Unruhe, denn man fühlt sich sofort gehetzt und möchte möglichst das Weite suchen. Sie ist ja schon lange kreativ mit der Fotografie beschäftigt und ist im Laufe der Zeit immer näher ran gegangen. Ahja! Also immer näher, näher, näher, dies alles mit entsprechenden Handbewegungen und rhythmischen Oberkörperbewegungen. Das sie zu spät kommt, das ist schon fast klar. Nicht dass wir so richtig pünktllich gekommen wären, aber wir konnten es immerhin auf den Verkehr schieben. Sie war so deutlich zu spät, dass es nicht mehr so sympathisch wie bei uns wirken konnte. Aber wer verzeihen kann, der ist klar im Vorteil. Beim Kaffeepäuschen war es dann nah am Herzinfarkt. Zumindest schien sie so, denn alles war falsch. ALLES. Erst großer Durst, dann doch nicht als der Kaffee da ist. Was Warmes wäre fein, aber doch bitte nicht so warm wie der Kaffee dann überraschend ist. Und warum hat sie nicht vorher was gegessen, sie ist so hungrig, sie könnte ein Pferd verspeisen. Aber im Leben nicht das Tortenstück, die sie gerade bestellt hat. Viel zu mächtig. Und ihre Kamera, es ist schon ein bisschen komisch wie der Blick verzerrt wird bei den digitalen wo man mit zwei Augen gleichzeitig guckt und drumherum alles verschwimmt. Also bei der schien mir ganz was anderes verschwommen, aber mich fragt ja keiner.

Der letzte Herausragende der lustig bunten Teilnehmermischung ist der Drogeriemarktmann. Als er zum fünften Mal innerhalb von fünf Sätzen erwähnte, dass es doch so unheimlich gut wäre, dass man bei Schlecker Abzüge von 20x30 schon für 99 Schekelzent bekommen kann. Meine Frage ob er denn beteiligt wäre am Fotolaborumsatz verneinte er vehement. Ich behalte ihn im Auge.

Hausaufgaben gab es auch. Wir sollen knippsen was das Zeug hält, aber ich muss noch mal nachfragen, was genau wir denn fotografieren sollen. Vielleicht steig ich komplett aufs Handyfotografieren um, das ist so schön authentisch und legt nicht diesen falschen Glanz aufs Leben. Herkömmliche Kameras lehne ich ab, das wird mein Markenzeichen.

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