23. April 2007

Karaoke-Cati

Freitag abend, wie gesagt, finnisches Diplomatie-Thema.

Zunächst mal ist es ja schon verwunderlich, dass man einfach so als Außenstehender in das Außenministerium wandern darf. Aber ich war ja in Begleitung, da ist das dann wohl ok. Und ich repräsentierte die EU-Präsidentschaft, das machte mich quasi unersetzlich. Ich hab dann auch allen direkt angeboten, mich doch einfach Angie zu nennen, was aber zum Glück niemand ernsthaft in Erwägung gezogen hat.

Die Party wurde von Anna organisiert, die als erste des Diplomatenausbildungskurses ins Ausland versetzt wird und demnächst als Nr. 3 der finnischen Botschaft in Addis Abeba zu finden sein wird. Ziemlich aufregend für jemanden wie mich, die immer Ärztin im Entwicklungsdienst werden wollte, deren Arbeitsalltag aber dann doch nur bis in den Norden der Kaiserstadt führt. Ich gebe zu, dass ich mir dort auch manchmal wie eine Ausländerin vorkomme, aber das hat wohl andere Gründe.

Jeder hatte etwas mitgebracht, Wuusi und ich brachten Sekt, Chips und Cidre, der in Finnland fast die Wichtigkeit von Bier inne hat, ganz besonders für Wuusi, die kein Bier mag. Da eine gewisse Menge an Cidre, Sekt und Chips ja auch eine Menge wiegt, hatten wir von den Flüssigkeiten schon einiges einfach eingeführt. Dann hat man ja auch viel weniger zu tragen. Die Chips hatten übrigens die schöne Aufschrift "Megapussi", was mich erst ein wenig verunsicherte, aber dann hat man mir erfolgreich eingeredet, dass das sowas wie "Riesengroße Packung voller leckerer Chips" bedeutet. Nur halt nicht ganz wörtlich so übersetzt.

So, der Finne an sich isst dann erstmal viel, trinkt noch mehr und wandert dann in die Sauna. Und wie selbstverständlich gibt es im finnischen Außenministerium nicht nur eine Sauna, inklusive Bar, Kamin und Hifi-Kino-Center (für welche diplomatischen Zwecke man einen DVD-Player am Kamin braucht, hab ich mal nicht gefragt), sondern mehrere, damit man schön geschlechtergetrennt saunen kann. Es gab dann auch zwischen den Saunagängen sehr schöne theatralische Vorführungen, wie die Skandinavier im Urlaub in Deutschland in der Sauna verzweifelt versuchen, schamhaft ihre Blöße zu verstecken. Da denkt man immer, die wären so freizügig... Alles gelogen. Nach dem Saunen versammelten sich dann alle Geschlechter wieder gleichzeitig an der Bar vor dem Kamin und mir wurde endlich klar, warum wir die Karaoke-DVD hatten mitbringen müssen.

Mein ganzes Leben schon habe ich panische Angst vor Karaoke. Dabei ist in meinem Lieblingsfilm "My best friend's weddding" auch eine meiner Lieblingsszenen diejenige, in der Cameron Diaz in der Karaokebar von der fiesen Julia Roberts hundsfottgemein allen Leuten vorgeführt wird über ihren Schatten springt, aber für mich und mein Leben hatte ich nicht Ähnliches im Sinn. Niemals nie nicht. Es ist eher einer der panikeinflössendsten Momente den ich mir so vorstellen kann. Ich hab schon versucht, mit SingStar zu üben und wurde am Ende des Sylvesterfeierns auch von der Maschine zur SingStarkönigin gekürt, aber das ist doch schon noch was anderes. Ganz anders, wie ich feststellen musste.

Wichtig ist: viel trinken und bloß kein Wasser. Dann klappts auch mit den finnischen Liedern. Denn ähnlich wie die Spanier alle Lieder mal flugs auf spanisch umtexten, so gehen auch die Finnen mit globalem Kulturgut um. So war dann auch "Charlie Brown" plötzlich verfremdet. Aber gut. Man wächst an seinen Herausforderungen. Und das Praktische an der Karaokemaschin ist ja, dass man den Text gar nicht kennen muss, um ihn zu singen. Steht ja alles auf dem Teleprompter. Und dann nimmt man sich einfach Buchstabe für Buchstabe vor, viele ä und ö also, und sagt sie ganz schnell hintereinander. Geht gut, wenn man nur will und die Zunge locker bleibt.

Auch in der Karaokebar/Öffentlichkeit lief alles gut weiter, die wir zum Abschluss des Abends aufsuchten. Die Feuertaufe hab ich gut überstanden, mich kann nun nichts mehr schocken.

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