29. September 2008

Aye Capt'n

Nach einer dem Herbste sei Dank nächtlich dunklen Autofahrt in Richtung nördlich der Kaiserstadt schwanke ich über den kiesbedeckten Parkplatz Richtung Eingang des Arbeitgebers. Aber versucht Ihr mal, halbwegs elegant in High Heels, bepackt mit 4,78kg Lebensmitteln für den kleinen Hunger, der Handtasche mit nur dem wichtigsten gefüllt und Augen die noch auf halb acht zugeklebt sind, über den Parkplatz zu schweben. Gar nicht so einfach, vor 8 Uhr morgens die natürliche Grazie an den noch nicht begonnenen Tag zu legen.

Vom kiesbedeckten Parkplatz runter über die Straße gehuscht stelle ich auf dem Fußweg fest, dass ich schwanke. Noch betrunken? Kann nicht sein, weil vorher nicht betrunken gewesen. Windumtost? Die Baumwipfel schwanken nicht. Muss also an mir liegen. Ich schaue mich mal um, ob ich umgefallen bin und nur in Gedanken weiter gehe. Auch nicht.

In der Firma dann, auf den laut klappenden Fliesen, stellt sich ein auffällig unausgewogenes Klonken ein. Ka-dunk, Ka-dunk, Ka-dunk. Irgendwas stimmt hier nicht. Ich schwanke übrigens immer noch.

Im Büro der Blick unter links unten. Na toll, der Montagmorgen läuft schon schief, denn mir ist die Gummiplatte des Absatzes verloren gegangen. Dadurch ist der linke Absatz nicht nur spürbare 3 mm kürzer als der rechte, er besteht jetzt auch nicht mehr aus lärmabsorbierendem Gummimaterial sondern aus irgendetwas, was laut klonkt. Aus der nun neuen Absatzunterfläche, ehemals mittlere Verbindungsfläche zwischen Absatz und Gummiplatte, stakt noch ein letzter Metallstift, mit dem die Platte festgemacht war. Leider sind seine beiden Freunde nicht mehr da, so daß er ganz alleine ist. Daher kommt auch das Schwanken, denn 3mm lang und nicht mittig platziert verhindert er das grazile Schweben, welches mir sonst das Leben so erleichtert.

Hilfeerflehend schwanke ich Richtung Kaffeeküche und suche den Chef. Er muss Aschenputtels Schuh reparieren. Er lacht erstmal und versucht dann, all seine frühmorgendlich verfügbaren, intellektuellen Resourcen auf das so ganz und gar unübliche Problem zu lenken. Leider stehen uns erstmal nur ein paar Kugelschreiber - immerhin bunte - und eine Papierschere zur Verfügung, was nicht sehr hilfreich ist.

Da kommt der Quasi-Kollege und von Heimwerker zu Heimwerker wird nach einer Zange gefragt oder einem Hammer. Ja, habe er da, in seinem Büro. Und in der Tat, hat er wirklich. Dazu noch alles andere, was in einen Werkzeugkoffer der Größe Groß passt und ab und an in einem papierlosen Büro gebraucht wird. In Sekundenschnelle ist mein Schuh entnagelt und ich kann glücklich und nicht mehr schwankend in den Tag ka-dunken. Ka-dunk. Ka-dunk. Ka-dunk.

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