13. Oktober 2008

Mark, ye fellow biking ladies

Sonntag heißt Sonntag weil die Sonne scheint. Sonnenschein, höchstwahrscheinlich der letzte für die nächsten gefühlt 378 Tage. Oder Monate. Also Ausflug, Sonne genießen.

Zu Fuss kann ja jeder, also ab aufs Rad.

Und merke, fellow biking ladies: if biker boy says: "Don't worry Cati, wir haben doch das Navi" - Run! Oder fahr, schnell wie der Wind, Flucht ist die Devise. Ich habe mir gedacht, dass es völlig ausreicht, wenn ich auf meinen angeborenen, weil eingeborenen, Orientierungssinn vertraue.

Merke wieder: if biker boy yells from behind: "Cati, take a left" - Keep going. Do not listen, do not turn! Ich habe mir gedacht, dass das Navi eine hübsche Route auserkoren hat und vertraue auf die geek-Technik. Also ab nach links.

Nach kurzer Zeit geht es steil bergab und ich als Steilhangphobiker bekomme da schon mal Angstzustände. Zähnezusammenbeißend rattere ich also den nicht wirklich eben geteerten Schotterweg hinab. Unten angekommen stoßen wir auf einen uralten ausrangierten Fahrschultraktor. Wie genau der ob der fehlenden Straße dorthin gekommen ist, weiß niemand. Unten im Tal fließt ein Bach und der geek wartet auf der Brücke bereits auf mich. Meine Frage nach "wo sind wir" wird nach einem prüfenden Blick aufs Navi beantwortet: "Wir stehen über einem Bach." GottseiDank haben wir das Navi dabei.

Weiter gehts, den Weg wieder bergauf. Weg ist etwas viel, eher Trampelpfad. Aber wir sind ja keine Rennradstraßenkreuzer und kommen somit dickbereift halbwegs gut hinauf. Oben angekommen ist eine Art Schranke, solche wie auf Fussgängerwegen stehen, damit Autos oder Motorräder nicht den Weg benutzen können, weil man ein wenig Slalom manövrieren muss. Wisst Ihr was ich meine? Balken rechts, Balken links, Balken rechts, aber so versetzt, dass geradeaus nicht geht. Hier stellt sich noch das Problem, dass z.B. Kühe ihre Weide nicht verlassen sollen, also sind die Balken so eng gestellt, dass man sich nur durchschlängeln kann. Die Räder müssen also rüber und das sind die Momente, in denen ich mich total sportlich und adventurous fühle. Ja, ich habe selbst gehoben.

Auf dem Weg über die Weide, am Zaun entlang und zu meinem protestantischen Gott betend, dass die wilde Bullenherde nicht auf lila Radtrikots reagiert, wird der Zweifurchenfeldweg sehr schnell zu "man kann noch eine Trampelspur erahnen"-Pfad. Egal, Mountainbike will Mountain hoch. Nach einer weiteren Schranke, noch enger als die erste, genießen wir erstmal die atemberaubende Aussicht vom Hügel über die umliegenden Täler und Hügel. Es ist wunderbares Herbstwetter: bunt und warm und sonnig. Herrlich. Wer hat die Kamera vergessen?

Dann wird aus dem zu erahnenden Trampfelpad wieder ein Zweifurchenpfad, sehr ausgelatscht und augenscheinlich sehr selten befahren. Wir radeln tapfer voran, haben wir doch die XL-Schnitzel der Bahnhofsvision vor Augen. Auf einmal springt der geek vom Rad, flucht und ein Zischen ertönt. Der Dornbusch hat angegriffen und wir sind in seine geschickt unter dem hohen Gras versteckte Falle getappt geradelt. Der geek radelt schnell weiter, um möglichst nah an geteerte Wege zu kommen, bevor die Luft ganz entwichen ist. Ich schieb hinterher, vorsichtig spähend.

Hinten völlig platt. Weil das Navi keine Ahnung hat, führe ich uns ortskundig zur nächsten Tankstelle, deren Hof netterweise in der Sonne und neben der Eisdiele liegt. Wir machen uns ans Flicken.

Und ich merke: ein Trend ist an mir vorübergegangen. Sonntags wenn die Sonne scheint, da fährt man sein Auto zur Tankstelle und überprüft den Reifendruck. Und das nicht auf dem Weg zur Autobahn, weil man zu Tante Trude will. Nein, einfach so. Wann auch sonst.

6 unserer eigenen Flicken, 3 geschenkten von fellow bikers und 68 Minuten Sonne tanken später sind zumindest zwei Reifen geflickt, die beiden anderen scheinen zumindest vorerst zu halten. Wer jetzt meint schlaue Ratschläge erteilen zu müssen, dem sage ich: Ja, ich weiß, Ersatzschläuche sind so ungemein praktisch. Aber dann hätte ich doch niemals so viel people-watching machen können. Wir pumpen auf und fahren die restlichen 10 km an der Straße entlang zurück. Noch einmal an einer weiteren Tankstelle nachpumpen und wir sind daheim.

Statt XL-Schnitzel gibts Pizza und Füße hochlegen. Ein wunderbarer Tag.

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