20. November 2008

Reminiscing

Hetzt sitze ich hier und hoffe auf weiße Weihnachten. Was hauptsächlich daran liegt, dass ich friere und weiße Weihnachten dem Frieren wenigstens ein bisschen Sinn geben könnte.

Da fällt mir ein weißes Weihnachten ein, dass eher spontan kam. Vorallem weil es gar nicht Weihnachten war, sondern Jahreswechsel. Cati Basmati fuhr mit ihrer amerikanischen Durchschnittsfamilie nach North Carolina, Freunde besuchen. HALT. Wir fuhren erst ein wenig später, denn Kleinchen Basmati musste erst vier Stunden bei einem Training präsent sein - und ich sage hier absichtlich präsent sein und nicht teilnehmen, denn das reichte vollkommen aus - um den Übungsführerschein zu bekommen. Das war uns Austauschschülern verboten und ich hoffe, es sagt niemand von Euch weiter. Denn wenn das rauskommt, werde ich umgehend rückwirkend nach Hause geschickt und es sind doch erst 4 von den 11 Monaten um.

Zurück nach North Carolina. Da Cati Basmati zwar Berge von T-Shirts und Shorts dabei hatte, aber keinerlei wirklich warme Klamotten, war sie schon zu Beginn des Herbstes, der in Florida zugegebenermaßen recht spät einsetzt, mit Jacken und dickeren Pullis versorgt worden. Ja, die braucht man in Florida, besonders morgens um 6:45 Uhr an der Bushaltestelle. Leider waren die abgelegten Pullover der Gastschwester mit Weihnachtsmotiven bestickt. Stellt Euch einfach die Golden Girls in jünger vor: ich bin in dem Moment modisch betrachtet die Oma.

Lustigerweise hatte Catis Gastbruder Todd noch nie in seinem ganzen Leben Schnee gesehen. Er nahm also in einem vermeintlich unbeobachteten Moment seine Mutter zur Seite und zeigte auf den matschigen Rest gefrorenen Brackwassers am Rand eines Rastplatzes in South Carolina. "Is that snow?" Halleluja, Ihr hättet Ihr Gesicht sehen sollen, ich glaube am liebsten hätte sie laut gelacht. Wer in Wisconsin aufwächst hat ganz klar ein anderes Konzept von Schnee als jemand, der in Florida geboren wurde. "Jaja" tätschel, tätschel, weiter gehts.

Bei den Freunden der Familie angekommen gabs dann richtigen Schnee und wir beschlossen, Ski einzupacken und Pisten zu erobern. Und mein tapferer Bruder Todd, der bis zum Vortag noch nie Schnee gesehen hatte, schoss gekonnt angstbefreit die Piste hinab. Aber er konnte sich ja nicht vor mir, die immerhin in den Alpen Skifahren gelernt hatte, blamieren. Wenn jemand Stolz ist, dann die Männer dieser Familie. Zu meiner Verteidigung kann ich sagen: meine Bögen waren ungleich schwungvoller als seine Schuss-und-runter-Taktik. Wer schneepflügt, verliert, ganz klar.

Glühwein gabs nur für die über 21-jährigen, wir sind schließlich gesetzestreue Amerikaner, aber wenn der Wirt mal nicht hinguckt, kommt jeder zum Zug. Immer gut, eine Gastmutter zu haben, die zwar tapfer alles probiert was man ihr vorsetzt, bei Alkohol dann aber schnell auch wieder aufgibt, wenn keiner hinguckt. Leider hat keiner weggeguckt, als Vati ihr beim Deutschlandbesuch den obligatorischen Els mit Zuckerstück vorsetzte. Schon alleine um dem zu entgehen kommt sie nie wieder auch nur in die Nähe der Kaiserstadt.

Beim morgendlichen Holzhacken packte den stolzen Todd dann wieder der Ehrgeiz und er nahm sich unbedeutende 5 Festmeter Stämme vor, die er flugs vor den Frühstückscornflakes spalten wollte. Wer Cati kennt, weiß dass Cati lacht. Natürlich so, dass er es jedes Mal sah wenn ein ungespaltenes Stück Holz 3 Meter weit auf die Straße sprang. Wutentbrannt warf er mir die Axt vor die Füße und meinte, ich sollte es doch besser machen. Und was soll ich sagen: ich war nicht umsonst Waldjugend-bedingt seit meinem 10. Lebensjahr im Spalttraining. Ein Schwung und das Stück war mittig geteilt, ohne Splitter. Ist mir nie vorher passiert, braucht er aber ja nicht wissen. Schließlich ist Schweigen Gold und nicht Reden.

Er hat den ganzen Tag nicht mit mir geredet.

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