22. Dezember 2008

The day after Saturday

Am Samstagabend im Couchdelirium mal kurz nicht aufgepasst, schon einem Schichttausch zugestimmt und zum frühen Aufstehen am Sonntagmorgen verdammt.

So kam es, dass ich am Sonntagmorgen unausgeschlafen und mit Augen auf halb acht um halb zehn Richtung Dom der Kaiserstadt wanderte, alle Vitalfunktionen auf das Minimum beschränkt und die Sinne auf das Beschaffen lebenspendenden Kaffees konzentriert. Als ich den inneren Grabenring überquert hatte, kam mir dann doch einiges komisch vor:

Nieselregen, grau und trist, kein Mensch zu sehen außer mir. Hatte ich wie durch ein Wunder eine Atomkatastrophe überlebt und der geek und ich waren die letzten zwei Überlebenden in Europa? Würden wir es schaffen, uns zu den anderen fünf Überlebenden auf den anderen Kontinenten durchzuschlagen um dann mit ihnen eine neue, bessere Welt zu bevölkern? Würden Manolo Blahnik und Jimmy Choo unter den Überlebenden sein und mir weiter Schuhe designen? Wichtige Fragen, die beantwortet werden wollten.

Glücklicherweise war das Handynetz noch funktionsfähig, so dass ich schnell eine Nachfrage an die Mitreisende Baldhamburgerin schicken konnte, die mir dann durch ihre Antwort bewies, dass zumindest eine dritte Person überlebt hatte. Es ist immer leichter, sich als Gruppe durchzuschlagen als zu zweit. Dann können zwei rudern, während einer schläft, das spart Kräfte und man kommt trotzdem vorwärts.

Beim Bäcker angekommen ist allerdings eine Bäckersfrau anwesend, die mich und einige andere mit Kaffee und Brötchen versorgen kann. Am Dom angekommen finde ich beruhigenderweise meine Kollegen vor. Und als dann der Dom seine Tore öffnet und eine Schar Gottesdienstbesucher auf den Domhof quillt und verwirrte, nicht deutschsprachige Touristen mich mit ihren Fragen belästigen, nimmt doch der ganz normale Wahnsinn eines Sonntags in der Schatzkammer seinen Lauf.

Da haben wir ja noch mal Glück gehabt.

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