4. Dezember 2008

Warum ich nicht Neurochirurgin geworden bin

Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich annehmen dass ich mir heute Nacht die Augen ausgeheult habe, so wie damals mit 14 als Daniel lieber mit einer anderen geknutscht hat und Marcus nichts von meiner Existenz wusste. Das Leben war eins der härtesten.

Unter meinen Augen befinden sich Schwellungen, die jedes gut aufgeschüttelte Daunenkopfkissen zum schamhaften Erröten bringen würden. Weich und doch gut gefüllt, beständig in der Form und nicht unterzukriegen.

Besagte Formschönheit behindert das morgendliche rituelle Bad ungemein. Versucht mal, Euch den Schlaf aus den Augen zu reiben, ohne zu reiben. Oder überhaupt zu berühren. Oder den Laserkriegsschauplatz mit Wasser in Berührung kommen zu lassen.

Zusätzlich dazu befinden sich meine Augen in der Mauser und bekommen Winterfell. Dafür müssen die Sommerwimpern erst alle abfallen, was sie auch mit schöner Regelmäßigkeit tun. Leider sind sie nicht gerade gewachsen sondern etwas lockig und fallen liebend gerne einfach nur in die anderen hinein und verhaken sich. So verfällt viel Zeit des Arbeitslebens darauf, sie aus dem Auge zu fischen oder aus den verbleibenden Sommer- oder schon angekommenen Winterwimpern zu friemeln. Auch das ist jetzt wesentlich schwieriger als vorher. Denn es verlangt nach Berührung und wir erinnern uns: Berührung ist schlecht.

Über den Augen ist alles in Ordnung, aber da befindet sich leider weder der getrocknete Tränenschleier noch der Schlaf noch springen die Wimpern da hoch. Da muss man dann schon zu drastischeren Säuberungsmaßnahmen greifen und mit einem nassen Lappen tupfen. Präzisionsarbeit ist gefragt und die braucht halt Zeit. Morgen plan ich dann mal lieber eine Extrastunde ein, für das Waschen in der Gegend des unteren Wimpernkranzes.

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