28. Januar 2009

Für einen Euro gibt es sicher goldenes Toilettenpapier

Ihr kennt doch dieses Gefühl, dass man lieber sterben würde als im Zug auf die Toilette zu gehen. Das ist nur vergleichbar mit dem Gefühl von früher, als man lieber sterben wollte als im Bahnhof auf die Toilette zu gehen.

Das ist ja zum Glück nicht mehr so schlimm, seit Mr. Clean Einzug hielt auf großen deutschen Bahnhöfen. Ja, man zahlt gutes Geld für einen guten Wurf, aber die Ausgabe buche ich immer unter "Lohnend".

In Köln also besuchte ich letzten Sonntag von einem Gefühl des Drucks und der Langeweile getrieben meinen Freund Mr. Clean. Früher kostete ein Besuch 50 Cent. Früher. Da war ja auch alles besser. Inzwischen kostet es 1 €.

Aber ich war ja noch jugendlich naiv und stellte schnell fest, dass ich kein 50 Cent Stück hatte, sondern nur 1 € Stücke. Also ab zum Geldwechselautomaten der, im Rückblick verständlich, meinen einen Euro immer wieder durchfallen ließ.

Und hier drängt ER sich ins Geschehen, die Personifizierung von Mr. Clean, der Mann der dort die Aufsicht hat oder auch einfach nur dekorativ rumstehen soll, es ist nicht ganz sicher, wie er sein Dasein berechtigt. Ich stehe also immer noch wundernd vor dem Wechselautomaten als von hinten ein barsches "WSS" (kurz für "Entschuldigung, gibt es ein Problem?" oder auch "Was ist?") ausgestoßen wird. Ich erschrecke mich total und drehe mich um. Meine Ausführungen zum Geldwechselproblem findet er total nervig, aber er weiß ja auch, dass ein 1 € Stück gar nicht gewechselt werden muss. Jetzt fallen übrigens auch mir die 2m hohen Schilder mit dem Hinweis "1 €" auf. Naja, vielleicht gibts auch eine Pediküre dazu. Wo man ja sowieso schon sitzt.

Ziemlich glücklich fummel ich meinen Euro in den Schlitz des Drehkreuzes und bewege mich elfengleich auf die andere Seite. Was gar nicht so einfach ist, denn Madame hat ja gleichzeitig Trolley, Handschuhe, Mütze, Schal, Tüte, Handtasche und das offene Portemonaie zu bändigen. Gekonnt verhake ich also das Zuggeschirr meines Trolleys im nun oberen und nicht mehr bewegungsfähigen Arm des Drehkreuzes und werde ruckartig gestoppt. Versucht mal, Euch die Situation bildhaft vorzustellen: ja, mir fiel auch zunächst so gar nicht ein, was ich tun sollte.

ER blafft wieder barsche Buchstaben und bewegt sich auf mich zu, nachdem ich ihn höflich gebeten habe, mit seinem Drehkreuzschlüssel dieses kurz zu lösen, damit ich meinen dämlich verkeilten Koffer befreien kann.

ER: "Brauchsuden sofott?"
Cati: ungläubig "Ja."
ER: "Musswatn bis jemand kommt Gessu, ichwatt."
Cati: weiterhin ungläubig "Na, dann warte ich auch hier. Genau neben meinem Koffer."

Daraufhin wendet er sich einem Mädel zu, dass gerade Geld einwirft und sich dabei über den hohen Tarif ärgert.

ER brüllt sie an: "Komm! KOMM! NUKOMM!" Da ist wohl da wo er herkommt eine freundliche Art, zu erklären warum zwei Menschen und ein Koffer in direkter Nähe des Drehkreuzes jeglichen Durchgang verhindern und dass diese auf Hilfe angewiesen sind.

Sie reagiert sehr gekonnt und brüllt noch lauter "WAS? WAS WILLST DU? WIESO KOMM?" worauhin die beiden sich eine Zeit lang ankacken, bis ich dazwischen gehe und die Situation erkläre. Sie ist sehr freundlich und mein Koffer kommt frei. ER hingegen hat nun zwei Feindinnen auf der Welt und wird weiterhin von ihr beschimpft.

Ich geh schnell weiter und stelle fest: Nein, für einen Euro gibt es kein goldenes Toilettenpapier. Beim Rausgehen überlege ich kurz, ob ich ihn frage warum er nur steht und nicht arbeitet, schließlich wird er sicher nicht fürs Stehen bezahlt, aber das ist mir zu gefährlich. Noch.

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