23. April 2009

Mr. Goldfinger hat männliche Stahlfelgen, kein blingbling Leichtmetall

Ich trau dem Wetter ja noch nicht, aber ich bin es auch leid, mir jeden Tag die erstaunten Stimmen anzuhören, die erstaunt feststellen, dass ich ja noch Winterreifen drauf hätte. Ich weiß, die Stahlfelgen verraten Winterreifen für gewöhnlich, aber meine Sommerreifen sind auch auf popligen Stahl aufgezogen und nicht auf mädchenhaft blitzenden Leichtmetall. Deswegen ziehen sich diese erstaunten Feststellungen meist bis in den frühen Sommer, wenn niemand mehr ernsthaft annimmt, dass Winterreifen überhaupt existieren. Nun gut, ich gebe aber fürs erste klein bei.

Also ab zum Reifenwechseln. Das Leben ist interessanter, wenn man keine Termine vereinbart und so fuhr ich fröhlich naiv ins Land, auf der Suche nach einem freundlichen Mechaniker, der mal eben 10 Minuten lang schrauben könnte.

Um 17:15 Uhr fahre ich auf den ersten Werkstatthof. In der lichtdurchfluteten Schraubhalle steht kein einziges Auto an dem gearbeitet wird und die Mechaniker hängen alle im Kassenbereich ab und langweilen sich. Mein Herz geht auf, denn hier hat augenscheinlich niemand etwas zu tun und somit sollte die Umreifung kein Ding der Unmöglichkeit sein.

Zu früh gefreut.

Cati: kurzer Blick auf die Uhr, 17:15 Uhr „Hallo, hätten Sie kurz Zeit, meine Reifen zu wechseln? Die Sommerreifen sind schon auf Felge [man beachte den Fachjargon], also nur umschrauben!“

Mehrere schreckgeweitete Augenpaare sehen mich an und Stirne legen sich zitternd in Falten.

Mechaniker: „Nein, wir schließen ja schon um 18 Uhr! Das klappt nicht mehr! Da hätten sie spätestens um 16:30 Uhr da sein müssen!“

Entschuldigung, dass ich annahm, dass man 10 Arbeitsminuten 45 Minuten vor dem kollektiven Feierabend von 5 Mann noch einbauen könnte. Mein Fehler.

Ich schlucke jeglichen zynischen Kommentar hinunter [Erfahrung lehrt, dass die das nicht verstehen, bin ja nicht zum ersten Mal da, liegt halt so schön auf dem Weg] und trete nur innerlich lachend den Rückzug an.

Im Schraubladen meines Vertrauens werde ich dann um mittlerweile 18 Uhr mit offenen Armen empfangen und Mr. Goldfinger bekommt seine neuen Schuhe während ich mit dem hübschen Sohn des Besitzers über den Girls-Day plaudere. Wenn es jetzt noch Kuchen gäbe...

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