16. Juni 2009

Wohnst Du noch oder lebst Du schon?

Forrest Gump hat einmal gesagt, "Life is like a box of chocolates: You never know what you’re gonna get."

Hab ich geglaubt, schließlich ist Schokolade ein Grundnahrungsmittel und lügt nicht.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Neulich hab ich über mein Leben nachgedacht und festgestellt, dass nichts so gekommen ist, wie ich das vermutet oder gewünscht hatte. Ich wollte mit 30 verheiratet sein und mindestens ein Kind haben, außerdem einen Doktor in anglistischer Literaturwissenschaft und ein fast fertig gebautes Haus. Davor wollte ich allerdings Ärztin im Entwicklungsdienst werden und milchkaffeebraune Kinder in Afrika zeugen. Gebären vielleicht hier, das hätte ich von der aktuellen Kreißsaalsituation abhängig gemacht.

Im Grunde ist das Leben also ein Besuch bei Ikea.

Man freut sich schon lange im Voraus und schmiedet große Pläne. Ich schreibe einen Einkaufszettel auf dem ganz genau steht, was ich will und in welchem Gang ich das finde. Fenster wurden für den Stoffkauf vermessen, Polsterbezüge ausgesucht und Besteck für den Nachkauf gezählt. tanjerine recherchiert vorher sogar, ob es verfügbar ist. Der Wunschzettel ist allerdings offen für spontane Umwege, schließlich weiß man ja nicht, was Ikea so für einen bereit hält. Es kann neue Angebote geben oder Produktverbesserungen so dass ein Teil, welches man schon hat, vielleicht in neu oder anders besser wäre. Da muss der Zettel angepasst werden können und ggf. ganz neue Teile aufnehmen. Geplante Spontaneität, denn man weiß ja, dass es so ist.

Zusätzlich zu der geplanten Spontanität, mit der wir auf die Unwägbarkeiten des Ikeabesuchs reagieren, gibt es noch ungeplante Abweichungen vom Plan und ab und an muss man sogar noch einmal zurück in die Sesselabteilung, weil man erst im Haushaltswarenland feststellt, dass der neue Sessel wirklich gut zu einem passen könnte. Da muss man dann ja nachgucken, wie und wo man den bekommen kann. Man sollte also nie mit Scheuklappen durch das große Haus laufen, denn schließlich könnte man dann sehr angenehme Planänderungen verpassen und muss auf ewig auf dem unbequemen Sessel sitzen.

Wie man sich bettet, so liegt man. Da war doch noch was? Wollten wir nicht letztes Mal neue Nachttische kaufen und es gab nicht die, die wir wollten? Also schnell auch dahin zurück, vielleicht klappt es ja dieses Mal.

Besonders spontan muss man als Frau im Haushaltswarenschlaraffenland sein. Letztes Mal gab es plötzlich Teelichtgläser mit pinken Ornamenten und wenn tanjerine mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, oder ich sie, wer weiß das noch genau, dann hätten wir die verpasst. Und was wäre dann aus uns geworden?

Im Regallager dann die große Überraschung. Man ist falsch abgebogen und muss noch einmal einen Umweg fahren mit dem Lastkarren, um den richtigen Gang zu finden. Auch das kann es geben, ist aber nicht schlimm, schließlich sind wir flexibel und wissen grob, was uns somit wohin wir wollen.

In der Schnäppchenabteilung fühle ich mich immer gezwungen, eine Runde zu drehen und zu schauen, ob es dort nicht etwas gibt, das ich nun aufgrund des wegen Mangels reduzierten Preises doch haben möchte. Kann vorkommen, ist aber eher selten, denn meist ist es ein fauler Kompromiss.

Nach dem Bezahlen – es gibt nichts umsonst – die Belohnung: hot dogs. Innehalten und die Einkäufe bewundern und genießen, das ist jetzt die Devise und auch dazu sollte man sich Zeit nehmen. Es gibt doch nichts Schöneres als daumendicken Ketchup über Gurken auf Wurst zu genießen und sich zu freuen über das, was man ergattert hat.

Zuhause plant man dann natürlich schon den nächsten Besuch, denn schließlich ist es noch lange nicht vorbei mit den Wünschen und Planänderungen und Verbesserungen und Erneuerungen und dem Hunger auf mehr.

1 Kommentar:

  1. Ja, man muß immer gewappnet sein :D

    Kennst Du eigentlich den Ikeahacker?
    http://ikeahacker.blogspot.com/

    Gruß
    Blonde, selbst fleißige ikeahackerin

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