14. Juli 2009

Junggesellinnenabschied - the long version

Neulich als ich angeschickert war – oder haben wir uns hinterher angeschickert? – fragte meine Lieblingsblondine, ob ich ihre Trauzeugin werden würde. Überraschenderweise bin ich in die Luft gesprungen, habe gejauchzt und ihr die schönste Hochzeit von allen versprochen bedankte ich mich in das in mich gesetzte Vertrauen und sagte artig „Ja, ich will.“

Da hatten wir den Salat. Ein Junggesellinnenabschied musste her. Zu dumm, dass ich nur zwei ihrer Freundinnen kenne. Und davon ist nur eine aus der Kaiserstadt, der Rest weilt auf der Reeperbahn.

Nun gut, es ist ja bekannt, wie einfach es heutzutage ist, an E-Mail-Adressen zu kommen. Ich kaufte also auf dem freien Markt rasch ein paar ein und lud alle mir bekannten und unbekannten Wunschkandidaten ein. Lustigerweise waren alle Hanseaten mit blonden Kurzhaarfrisuren ausgestattet, während wir Rheinländer lang und brünett daher kamen. Das machte aber auch das Auseinanderhalten viel einfacher.

Als wenig mitteilsame Frau habe ich zur Planung auch nur drei, oder allerhöchstens achtundneunzig, E-Mails verschickt, das ging alles ganz schnell.

Samstag war es dann soweit. Die Hamburger waren angereist, mit Treffpunkten und Treffzeiten mit den Kaiserstädterinnen versorgt und mit Regenschirmen ausgestattet. Die Lieblingsblondine wusste von nichts und ich war ganz schön wibbelig. Wozu hat man eigentlich eine beste Freundin, wenn man der nicht alles erzählen kann? Wir saßen also beim Kaffee und ich hörte mit 0,75 Ohren den letzten Planungen für Freitag zu. Mir war schon lange nicht mehr so schlecht vor Aufregung, vergleichbar mit einem ersten Date, der mündlichen Abiprüfung oder auch der Führerscheinprüfung.

Praktischerweise war die Lieblingsblondine mit dem Rücken zur Cafétür positioniert, so dass ich nur ab und an über ihre Schulter spinxen musste, bis die Wunschkandidatinnen das Lokal betraten.

Ich habe an dem Tag gelernt, dass sich Verwirrung (über das mitten im Satz unterbrochen werden), Ratlosigkeit (was sagt sie da?), Fassungslosigkeit (passiert hier das, von dem ich denke, dass es passiert) und Freude (stehen die da wirklich) in Sekundenschnelle in einem Gesicht abwechseln könne. Hübsch anzusehen und Lohn genug für das Nichterzählenkönnen.

Die Überraschung war gelungen. Nachdem die Tränen getrocknet, die Blumen übergeben und die Videokamera weggepackt war, schickten wir die Braut auf die Toilette und ich sammelte Money, Money, Money ein. Es gibt ja nichts Schlimmeres, als: „Zahlen sie zusammen?“ „Nein, getrennt.“ Bei Gruppen ab vielen Personen. Endlich konnten wir uns endlich der Blubberbrause zuwenden.

Während des Essens entstanden gar herrliche Dialoge mit der Kellnerin, à la:

Freundliches, aber hungriges Lächeln: „Haben Sie auch Kuchen?“
Erschüttert-aufgerissene Augen: „Sie wollen ein BUCH?“

Um Gewalttaten der Braut von vornherein auszuschließen hatten wir uns wohlweißlich gegen jegliche Kostüme, Spielchen und Verkaufsorgien entschieden und konzentrierten uns auf das Essen, die Cocktails und die Musik. Ich glaube, dass ich die Provinz ganz gut präsentiert habe, denn die Großstädterinnen waren nicht nur davon angetan, dass sich so viel draußen abspielt, sondern auch von der Fußläufig-Erreichbarkeit ALLER Etablissements. Kaisertadt 1 – Hamburg 0.

Essen im Pontgarten: etwas viel versprochen, aber mein Margarita war eindeutig leckerer als der Daiquiri. Wenn man den wegen fehlendem Alkohols und genereller Geschmacklosigkeit zurückgeben möchte, dann muss man einen neuen bestellen und auch bezahlen. Das ist nicht nett, schließlich ist es nicht unsere Schuld, wenn sie so larifari mixen und Hauptsächlich Wasser verwenden. Rüge. Kaiserstadt eigentlich wieder auf 0, aber das überspringe ich.

In jedem Laden stellten wir uns als „Hallo, wir sind ein Junggesellinnenabschied, bekommt unsere Braut einen Cocktail aufs Haus, wenn wir versprechen zu trinken?“ vor und hatten manchmal sogar Erfolg. In der Tangente interpretierte man unseren Wunsch allerdings als „Hallo, können wir bitte STARKE Caipis haben?“ Auch nicht schlecht. Kaiserstadt 2 – Hamburg 0.

Kurz vor Sprachschwierigkeiten fiel die Braut einem Kollegen des Bräutigams in die Arme und beschloss direkt danach, auch mal einfach nur ein Waser zu trinken. Wo tut man das? In der Monoheidi, so dass ich mir endlich mal deren sagenumwobene Örtlichkeiten angucken konnte. Die Hamburger waren ebenfalls gebührend beeindruckt. Kaiserstadt 3 – Hamburg 0.

Highlight des Abends: Die Schwulenparty im Apollo. Tanzende Männer bekommt man nämlich nicht alle Tage zu Gesicht und dass man sogar Lady GaGa zu unserer Belustigung eingeladen hatte, steigerte unser Selbstwertgefühl ins Unermessliche. Um den teilweise doch recht expressiv Tanzenden zu entkommen und Frischluft zu atmen, hatten wir unter anderem den Plan, das Apollo über die Terrasse vor Kino III zu verlassen. Da hatten wir die Rechnung aber ohne den Wirt wichtigen Sicherheitsschrank gemacht. Der thronte auf seinem Barhocker und informierte uns darüber, dass sie die Terrasse bald schließen würden. Leuchtet erstmal ein. Kurze Änderung des Plans: Stickigkeit verlassen und dann über den Haupteingang wieder rein. Aber auch da hatten wir die Rechnung ohne Absprache gemacht. Denn NEINEIN, das ist RECHTLICH GAR NICHT ERLAUBT, dass wir hier rausgehen. Unten könnten wir dann sowieso nicht mehr rein. Und wenn dann überhaupt nur ohne Gläser.

Da wir aus vielen Prozent Anwältinnen bestanden, konnten wir zwar recht überzeugend klarmachen, dass niemand von uns ein Glas in der Hand hielt, aber bei dem rechtlichen Grund gegen unser Verlassen des Innenraums sind wir bis heute nicht recht weitergekommen. Wir haben uns überlegt, dass das innere Gleichgewicht des Gebäudes durcheinander und die Fluchtwegeorganisation abhanden kommen könnte, wenn wir uns oben raus schleichen und dann unten wieder rein. Dann weiß ja keiner, dass wir nicht mehr da sind und wenn wir wieder rein gehen, sind wir doppelt da. Versucht mal, das der Feuerwehr im Fall der Fälle klarzumachen.

Sind wir halt für einen Absacker in die Hildegart, wo Hamburg direkt Fotos von der Cocktailkarte machte. Kaiserstadt 4 – Hamburg 0.

Keiner wollte danach noch mit mir und der einen blonden, kurzhaarigen Anwältin in den Tanzpalast. Klarer Endstand daher: Kaiserstadt 4 – Hamburg -1.

Kommentare:

  1. jetzt habe ich, die eine blonde Tanzmaus, Tränen gelacht....

    Vielen Dank - Himmliche Zusammenfassung - wobei ich mit dem Endstand 4:1 nicht ganz einverstanden bin ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Schööön. ;D Und du bist ne tolle beste Freundin, sowas hat nicht jede!

    LG
    Saba

    AntwortenLöschen