15. August 2009

Neulich auf dem Flur

Meine Selbstbeherrschung arbeitet auf Hochtouren. Gleich fang ich an zu schwitzen. Vor mir steht eine junge Frau und erzählt mit leuchtenden Augen von dem neuen Shirt, welches sie sich hat anfertigen im Sinne von bedrucken lassen. Glitzerflügel zieren den Brustbereich. In Pink. Ja, das ist meine Farbe, gerne auch mit Glitzer. Auf apfelgrünem Shirt. Ja, ich mag Farben. Und dann steht unter den Flügeln „Öcher Engelsche“. Ja, bin ich, selbstredend, aber trotzdem.

Da mein Innerstes gerade mit aller Kraft damit beschäftigt ist, den Gesichtsausdruck zu dem mein Gesicht gerade ansetzt, zu unterdrücken, ist mein Gesicht wie eine leere Leinwand, denn es ist keine Kraft mehr übrig, um einen zustimmenden Ausdruck auf mein Gesicht zu zaubern. Sonst würde ich haushoch und sofort gegen den unerwünschten Gesichtsausdruck verlieren. Daher kommt wohl der Ausspruch „sein Gesicht verlieren“.

Da nun keine Zustimmung zu sehen ist oder ähnliche Freude wie bei ihr oder der anderen Frau, die am liebsten quieken würde vor Begeisterung, trifft mich geballtes Unverständnis.

Wie ich das denn nicht toll finden könnte. Das wäre doch auch mal was für Yuri. Der ist aber kein Öcher Bengelsche. Der ist Düsseldorfer. Ja, aber der besucht Dich doch schon mal. Nein, tut er nicht und selbst dann ist er kein Öcher. Das kann man nicht werden, das ist man. Oder man wird es nach vielen, vielen Jahren intensiven Lebens in der Kaiserstadt. Und da er erst 1,3 ist, waren das noch nicht genügend Jahre. Die er ja sowieso mit unnützem Düsseldorfersein vergeudet hat.

Ich sage es zwar nicht, bleibe aber dabei: ich finde solche T-Shirts furchtbar. Sie sind infantil und erinnern mich an Ballermannurlauber, die ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Mallorca bei Nacht“ anhaben. In Neongrün.

Aber ich finde ja auch kleine Babys manchmal hässlich. Ich bin ein Monster.

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