1. Oktober 2009

Gelernt: auf Kreta erst klingeln, wenn der Bus schon so gut wie an der Haltestelle vorbeigefahren ist

Auch wenn kretische Busse nicht wirklich nach Plan fahren, so warten sie aber wenigstens aufeinander. Das ist nett, vorallem weil man sonst nicht wegkommt aus dem Ort weit weg vom Hotel.

Der Bus wartete aber in diesem speziellen Fall nicht nur einfach auf einen anderen Bus, sondern auf die Fähre aus dem Ort ohne Straßen. Sehr nett, denn ich saß auf dieser Fähre.

Man wetzte also schlapp, müde und hungrig von der Fähre Richtung Bus höflich um die Sicherheit der anderen bemüht, denn man wusste ja, dass aufeinander warten nicht zwangsläufig bedeutet, dass jeder einen Platz und somit eine Mitfahrt bekommt. Das hatte man schon auf der sehr frühen Hinreise um 07:30 Uhr bemerkt. Die dann auf 08:30 Uhr verschoben wurde. An dieser Stelle einen Gruß an den unterhaltsamen Busbahnhof von Chania.

Nach langer, langer und auch eiskalter Fahrt - hier ein Gruß an die Apotheke, die mich mit Schnupfensoforthilfe versorgte - fuhr der Bus im stockdunklen Chania auf den Busbahnhof ein. Ein weiterer Spurt Richtung Informationsbude, die nicht verwechselt werden sollte mit der Ticketbude, beide haben anscheinend keinen Bezug, außer dass die darin sitzenden Mitarbeiter ihr Gehalt von der gleichen Firma beziehen, und schon weiß man, dass der Bus Richtung Hotel in Kürze abfahren wird. 30 Sekunden sind ein super timing.

In stockfinsterer Nacht geht es also Richtung Bett und ich versuche mit letzter Kraft, meine Augenlider vom Niedersacken und das Innere vom Einschlagen abzuhalten. Denn es steht noch eine Hürde bevor: die Haltestelle. Die sind auf Kreta nicht immer mit einem Wartehäuschen, einem Namen oder gar einen Schild versehen. Da muss man schon auch ein bisschen Kenner sein, um sie in der Landschaft zu erblicken. Bei Tag ist das nicht weiter schwer, sobald Touristen wartend in Horden am Straßenrand stehen, ist dort eine Bushaltestelle. Man hält dann den Arm lässig raus und der Bus hält an.

Schwieriger ist es nachts, wenn man im Bus sitzt. Also heißt es: Obacht und die Landschaft genau im Auge behalten, damit man kurz vor der Einstiegsstelle den Haltewunsch kundtun kann. Das wird erschwert durch die wirklich dunkle Nacht, sobald die Stadt verlassen ist.

Aber wir Waldläufer sind ja nicht unfähig, uns in dunkelster Nacht zurecht zu finden. Ich habe sogar mal einen Kurs zum Thema Wandern nach Kompass, Kartenlesen und Sternenorientierung besucht und mit Zertifikat abgeschlossen. Davon ist leider nur geblieben, dass ich auf dem Kompass die Himmelsrichtungen finde und nachts Sterne als solche erkennen kann. Aber immerhin.

Zurück zur Geschichte.

Es befinden sich außer dem Fahrer und dem geek und mir noch weitere Personen im Bus. Ganz wichtig: der Ticketverkäufer. Wir verscherzen es uns direkt mit ihm, weil wir nämlich schon Tickets haben. Noch von morgens, wir haben Hin- und Rückfahrt gelöst. Ärgerlich, dabei ist er extra aufgestanden. Dann gibt es noch zwei weitere Touristenpäärchen, die ebenfalls ganz genau die Nacht im Auge behalten und zwei Griechen.

Die Anwesenheit von vier Griechen - Busfahrer, Ticketverkäufer und die zwei Fahrgäste - lässt den Geräuschpegel in fast schmerzhafte Höhen anschwellen. Ob sie sich streiten oder nur nett miteinander plaudern, kann ich immer noch nicht genau auseinanderhalten. Ich hoffe auf Letzteres, das ist weniger stressvoll für mich.

Irgendwann stelle ich fest, dass sie sich gar nicht miteinander unterhalten, sondern der Ticketverkäufer mit einem Freund im Auto an der Ampel neben uns spricht, der Busfahrer telefoniert und der eine der zwei Fahrgäste wohl mit sich selbst redet, da der andere schläft. Vielleicht konzentriert er sich aber auch nur sehr star, wer weiß.

Der geek erkennt, dass wir uns dem Ort nähern, in dem wir wohnen. Da zwischen diesem und dem gerade durchfahrenen nur Steilküste und sonst nichts ist, betätigt er den Klingelknopf. Unwahrscheinlich, dass es eine Bushaltestelle im Nirgendwo gibt, wo man nur nach rechts oder links in Richtung andere Bushaltestelle gehen könnte.

Plötzliche Stille im Bus.

Alles Geschrei Alle Gespräche sind auf einen Schlag erstummt und nur der Busfahrer murmelt schnell noch etwas in sein Handy, bevor auch er ruhig ist. Mit einem Gesichtsausdruck zwischen Zorn, Wut und ungläubigem Erstaunen dreht der Ticketverkäufer sich um und funkelt uns auch tiefdunklen, griechischen Augen an. Ja, das geht, denn im Bus ist selbstredend Licht an.

Er ruft uns irgendeinen Kauderwelsch zu, da wir unheimlich griechisch aussehen und das sicher verstehen. Ich tu so, als wäre ich taub und stumm und packe meine Sachen zusammen. Der geek, der sich durch nichts und niemanden schrecken lässt, ignoriert die feindseelige Stimmung und lässt ebenso aggressiv wie der Ticketverkäufer verlauten, wie unser Wohnort und somit hoffentlich auch unsere Haltestelle heißen.

Verwirrung, weiterhin aber auch Zorn, Wut und ungläubiges Erstaunen, spiegeln sich weiterhin im Gesicht der Griechen. Keiner spricht ein Wort und der Bus fährt mit unverminderter Geschwindigkeit fort. Nach einer sehr mulmigen Weile grummelt die griechische Fraktion in den kollektiven Bart und ihr Gespräch schwillt langsam wieder an.

Nach einer weiteren mulmigen Weile hält der Bus wenig sanft irgendwo an der Straße an der wir auch eingestiegen sind und fährt ab, sobald wir so gut wie ausgestiegen sind.

Ich glaube man nahm uns übel, dass wir das Telefonat des Busfahrers mit unserem klingelnden Haltewunsch völlig überflüssigerweise 3 Minuten vor der Haltestelle unterbrochen haben. Da hätte er sich ja auch erschrecken und zum Beispiel das Überholen in der Ortschaft vergessen können. Oder Schlimmeres.

Kommentare:

  1. Hört sich ja so an, als ob der griechische Ticketverkäufer mit dem polnischen Schaffner verwandt wäre, dem vor vielen Jahren vier Waldläufer klarmachen wollten, dass sie vier Fahrscheine nach Danzig wollen...

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  2. Herrlich, das hab ich auch gedacht :-)

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