22. Oktober 2009

Hallo wach!

Morgens, wenn mich der Autopilot zur Arbeit fährt, fahre ich oft über die Niederlande. Das ist gar nicht so schwer, wenn die Grenze um die Ecke und der Verkehr dort noch nicht wach ist. Und Ampeln sind da auch keine, dafür auf Schritt und Tritt ein Kreisverkehr (dieses Wort ist nicht zufällig gewählt).

Wie dem auch sei. Gestern morgen also, als mich eine unvermittelt zum angekündigten Zeitpunkt eingerichtete Umleitung zum morgendlichen Erkunden des Nachbarlandes zwang, fand ich mich unversehens hinter einem weißen Transporter Marke Handwerkerliebling. Dieser erregte (und dieses Wort ist auch nicht zufällig gewählt) meine Aufmerksamkeit, da sich in der Fahrerkabine ein beleuchteter Riesenbildschirm befand. Ich tippe auf Minimum 20 Zoll, kann aber auch größer gewesen sein. Da die Sonne noch nicht aufgegangen ist, kann ich den hell leuchtenden Stern am Computerhimmel gut erkennen.

Inzwischen ist man als moderner, aufgeschlossener Autofahrer ja schon daran gewöhnt, dass in Kopfstützen ab und an kleine Bildschirme eingebaut sind, aber die sind ja dann für die Sitzenden auf der Rückbank gedacht und nicht für den Fahrer. Stören auch nicht so, wie ich mir das bei einem Bildschirm neben meinem Fahrersitz vorstelle.

Also: Aufmerksamkeit erregt. Da ich dem Wagen ein Weilchen hinterherfahren muss, kann ich mir dann mal genauer anschauen, was da so passiert im Autokino. Denn spontan fällt mir keine Verwendungsmöglichkeit für einen Computerbildschirm in der Fahrerkabine ein, außer vielleicht, dass so das Handling einer echt großen iTunes-Bibliothek vereinfacht werden könnte. Danach sieht der Transporter aber nicht aus.

Da der Bildschirm sehr hell leuchtet, scheint sich ja was abzuspielen bzw. ist der dazugehörige Rechner an. Eine Frau ist zu sehen. Als Frau fällt mir natürlich sofort auf, was die Frau auf dem Bildschirm macht. Klamotten anprobieren. Vor einem großen Spiegel und ganz klar nicht bei Zara, denn die Umkleidekabine ist aufgeräumt und sauber. Ob Neckermann oder Otto jetzt den Live-Katalog dem Paketzusteller ins Auto stellen? Unwahrscheinlich.

Plötzlich betritt ein Mann in einem roten Sweatshirt die Umkleidekabine. Sweatshirt. Kein Feinstrickpullover mit V-Ausschnitt oder ein grober Fischerstrickpulli mit Zopfmuster, nein, Sweatshirt. Ich sag nur: Jogginganzug mit Bündchen. In rot. Das kann ja heiter werden.

Und ja, es wurde heiter. Denn der gute Fahrer guckte sein Frühstücksporno im Auto. Also wenn das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung verboten ist, dann bin ich mir nicht sicher, wie wenig ablenkend und unfallverhütend der schwedische Heimatfilm beim Coffee-to-go ist?! Oder trank der einen Latte? Mannomann, wortwahltechnisch ergibt sich einiges bei dem Thema.

Da kam der Gute wohl ganz schön in Fahrt, was?

Kommentare:

  1. Einfach herrlich geschrieben: vielen lieben Dank dafür! Ich bekomme das Grinsen immer noch nicht aus dem Gesicht... :-)

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  2. *gröhl*
    Genial!
    ...und ich kann Eddy nur zustimmen, Du schreibst super!

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