7. Dezember 2009

Und dabei guck ich nicht mal Tatort

Es gibt ja so Wochen im Jahr, die ganz besonders stressig sind. Bei mir liegen die meist im Winter, was auch daran liegen kann, dass man schnell das Gefühl hat niemals Tageslicht zu sehen = von sehr früh bis sehr spät zu arbeiten.

Letzte Woche und diese Woche sind solche Wochen und dieses Mal wurden die noch mit einer zwischengelagerten, wochenendlich-heiteren Weihnachtsmarktrunde mit Eltern und Schwiegermonster, Besuch aus der Stollenstadt, generellem Haushalt und Regen verhübscht. Was kann ich dafür, dass meine Tage nur 24 Stunden haben? Ich hätte Pläne für 48.

Dann überfiel Frau Basmati das Gefühl, nichts zum Anziehen zu haben und dass gleichzeitig die kommende Woche ohne Kleidung nicht zu bewältigen sei, denn wer präsentiert sich schon gerne nackt vor versammelter, internationaler Vertriebsmannschaft, um einen Vortrag zu halten? Beim Dolmetschen sitzt man bei uns in einer Kabine im Keller, das ginge, aber auf dem Podium wäre es doch unangebracht. Ja, ich könnte einen Jutesack mit einer hübschen Brosche aufpeppen, aber das wäre auch nicht das Wahre. Also musste ich den Shoppingausflug – mit Plan, also schnell erledigt – auf einen der Feierabende legen, also auf kurz vor Ladenschluss. Doof, weil so wenig entspannend in der momentanen Zeit.

Dann jedoch wurden am Samstagabend die immer schon vorhandenen Salatohren der Frau Basmati Zeuge einer Unterhaltung über den verkaufsoffenen Sonntag und der Feierabend war gerettet.

Verkaufsoffen mag ich gar nicht. Es ist immer voll, die Leute sind gestresst, weil es so voll ist, und nicht dankbar weil offen ist. Es ist immer laut, weil die Leute ihrem Unmut so hübsch Luft machen. Es ist immer warm, weil man denkt es sei ja Winter und somit kalt. Und so weiter, und so weiter.

Aber mutig geht die Welt zu Grunde. Ich also los, geek später hinzugeholt und aus „Ich hab nichts anzuziehen“ wurde „Nacktheit abgewehrt, alle Geschenke für die geek-Familie abgehakt und Ideen für alle anderen gesammelt“. Sehr gut also. Eigentlich.

Der Sonntag ist so ein Tag. Nichts geht, außer solchen Sachen, die Spaß machen aber nichts mit Shoppen zu tun haben. Kino: check. Essen gehen: check. Sauna: check. Aber Einkaufen? „Dinge erledigen“? Listenpunkte abhaken? Fehlanzeige.

Berlin wollte ja ganz schlau und effizient sein und einfach mal alle Adventssonntage zur Einkaufszone erklären. Wurde abgeschmettert, weil das nicht geht und weil bei uns Staat und Kirche sensationell verwoben sind und der Staat darüber wacht, dass der Sonntag zum Sonnen bleibt.

Manchmal fluche ich ja laut über das Argument, dass man den Verkäufern die Sonntagsarbeit nicht zumuten kann. Was ist mit Domführern? Kinokartenabreißern? Kellnern? Tankstellenangestellten? Zeitungsredakteuren? Krankenschwestern? Denen wird es doch auch ohne viel Gezeter zugemutet. Und ach guck mal, die haben dann einen anderen Tag frei. Geht doch.

Und was wünsche ich mir den Sonntag manchmal als „Erledigungstag“ wie in den Vereinigten Staaten herbei. Man könnte Dinge erledigen, zu denen man sonst nicht kommt, wie zum Beispiel Dunstabzugshauben kaufen, was Recherche und Herumfahren involviert. Wird sonst immer aufgeschoben gleich aufgehoben. Oder alles andere, was sonst abends nicht mehr passt. Das könnte man dann ganz entspannt machen, weil der Ladenschluss nicht so drängelt.

Wenn allerdings der Sonntag dann mal ein Erledigungstag ist, so wie gestern, dann fluche ich auch laut. Es fehlt die Ruhe zwischen den Stürmen, denn entgegen meiner hehren Vorstellung wird die ToDo-Liste nicht einfach anders auf die nun einer mehr Tage verteilt, sondern die Liste wird erweitert um Dinge, die man an dem nun einen mehr Tag machen kann. Und auch wenn ich beruhigt auf der Geschenkeliste ganz viel abhaken konnte, die Entspannung kam zu kurz und Plätzchen wurden keine gebacken.

Das ist wie mit dem Handy und dem E-Mailen und dem Bloggen und dem Twittern und dem Facebooken und dem ganzen Rund um die Uhr Gesumse. Früher ging es doch auch ohne. Ziemlich gut sogar. Erinnert sich nur keiner dran.

Manchmal muss man eben als erwachsener Mensch entmündigt und zum Stillstand gezwungen werden. Zum Ausschlafen, zum Luft holen, zum ruhig tun. Kurzum: zum Sonntag.

Keine Sorge: die Geschäfte machen dann ja Montag wieder auf.

Kommentare:

  1. Hachjaseufz... zu dem ganzen "E-mailen und dem Bloggen und dem Twittern und dem Facebooken und..." und dem aufgezwungenen Stillstand kann ich ein Buch empfehlen, daß ich gerade lese. Der Stil gefällt mir, der Inhalt sowieso.
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    von Frank Schirrmacher (FAZ Herausgeber)
    Gruß
    Blonde - Frau von wolkengucken, auch Weihnachten und der Dezember gehen vorbei - von ganz allein ;)

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  2. Mann, Du hast Dir ja mit diesem Text fast die Finger wund geschrieben - Respekt!
    Liest sich aber super, auch, wenn ich nicht sicher bin, wie ich über das Thema Ladenöffnung an Sonntagen denken soll....
    Aber als allgemein einkaufswütige Person würde ich wahrscheinlich auch Sonntags meine Erledigungen erledigen...

    Gruß, Papagena

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  3. Nach einer Woche wie dieser (posting was light, due to work) bin ich über den "freien" Sonntag übrigens wieder sehr froh, damit ich mal "nichts erledigen" kann/muss/darf. Endlich! Sonst würde ich den auch verplanen, denn einkaufen ist soooo schön :-)

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