20. Januar 2010

Bitte hier drüben eine Reihe bilden, jeder bekommt nur eine Hautfarbe

Pünktlich zu meiner Taufe vor nun mehr um die 31 lediglich 25 Jahren dachten meine praktisch veranlagten und vorausschauenden Eltern daran, mir einen Hautarzttermin zu vereinbaren, denn wer weiß schon, wie sich die Gesundheitsreform entwickelt und wie lange man in der Zukunft, zum Beispiel 2010, auf solche Termine warten werden müsse.

Meiner war vorgestern.

Ich gebe zu, Teile der Einleitung sind frei erfunden, aber wenn man im September einen Termin vereinbart und der "erste freie Termin" schon nach Mitte Januar ist, dann ist die Gefahr groß, diesen Termin auch direkt wieder zu vergessen. Gut, dass es den immer größer werdenden, dieses Jahr roten Kalender gibt.

Weswegen musste ich zur Frau Doktor Hübsche Haut? Wegen der Pigmentflecken. Die hatten sich ja schon vor Jahren ins Gesicht geschlichen und waren dann von der Nasenwurzel aus ähnlich schnell wie Krähenfüße über das ganze Gesicht gewandert. Die Flecken, nicht die Krähenfüße. Die ignoriere ich. Hab ich nicht, wollte ich sagen.

Die Zeit zwischen Urlaub = Dunkelbraune Flecken auf der Stirn und dem Hautarzttermin überbrückte ich mit der nebenstehenden Creme von Ducray und ich muss sagen, liebe Frau Apotheke, ihre Warnungen können sie getrost in den Wind flöten. Denn trotz der ach so unglaublich hohen Konzentration, wegen der man nicht befallene Hautflecken auf jeden Fall aussparen sollte, passierte eigentlich gar nichts. Zumindest nicht so, dass ich im Vergleich mit der normalen Verblassung Richtung Winterhaut irgendeine Wirkung hätte erkennen können. Frau Doktor Hübsche Haut freut sich aber immerhin, dass ich die Creme zum Vorzeigen dabei habe und rät mir, sie flächendeckend aufzubrauchen. Dann ist das Geld nicht futsch und vielleicht hilft es ja doch versehentlich. Nun gut. Für Euch heißt das: lohnt sich nicht. Lieber für das gleiche Geld das machen, was gleich auf mich zukommt.


Dann guckt sich Frau Doktor Hübsche Haut meine Stirn an und runzelt ihre nicht einmal. Dort überrascht sie gar nichts, das hätten sehr viele Frauen während der Schwangerschaft. Oder danach.

Ich bin versucht, Einspruch zu erheben, denn das wäre ja wie verkatert sein, ohne Alkohol getrunken zu haben. Oder schlank ohne Sport. Unfair. Sie erkennt meinen Einwand aber schon vor dem Ausspruch und gibt zu, dass auch einfach Sonne oder die Anti-Babypille durch ihre Hormonattacke dies auslösen können. Na toll. Das erzähl ich dem geek ein anderes Mal.

Aber wie man es los wird weiß sie auch: Fruchtsäurepeeling. Ich hör nur "Wer auch immer in der InStyle und der Gala steht, hat das schon öfter gemacht" und bin dafür. Dann komm ich mir wenigstens für 30 Sekunden reich und berühmt vor. In leichter Konzentration macht man das für bzw. gegen unreine Haut oder erste Fältchen, weil die Haut danach einfach besser aussieht. Einmal vor der Haustür fegen bitte, sozusagen.

Bereits zwei Tage später denn Termine im hauseigenen Kosmetikinstitut sind deutlich schneller zu bekommen als im Wartezimmer im ersten Stock finde ich mich im dritten Stock ihres Dermatologischen Hauses auf der Kosmetikinstitutsetage wieder und dort sind nur schöne Frauen. Nicht schön im Sinne von Heidi Klum, Cindy Crawford oder Königin Rania von Jordanien. Sondern einfach mit schöner Haut, gepflegten Händen und dezentem Make-Up. Macht schon mal einen guten Eindruck, denn das sind die Menschen, die dort arbeiten. Kunden sieht man keine, aber das ist sicher kein Ablenkungsmanöver.

Ich werde in einen angenehm nach Feng Shui riechenden Raum geführt, wo ich mich auf eine äußerst bequeme Liege lege. Fruchtsäure sei wirklich ganz toll, das machen sie oft für sich selbst zwischendurch. Wie schön muss es sein, einen Job zu haben, in dem man in FlipFlops arbeiten und ab und an schnell was für sich tun kann. Ich kann nicht sagen, dass ich oft so zwischendurch mal schnell was zum Spaß übersetze. Oder eine Schulung organisiere. Aber das ist dann wohl was anderes und dafür kann ich ja auch etwas anderes als Weiß tragen. So.

Dann wird, begleitet von ausgiebiger Erklärung von allem und jedem, das Gesicht mit Alkohol vorbereitet und die Säure aufgetragen. Da meine Augen mit, wie ich annehme mit purer Schönheit getränkten Wattepads geschützt sind, kann ich nicht sagen wie das passiert, aber es fühlte sich an wie ein ganz weicher Pinsel. Sehr angenehm.

Sagt Frau Kosmetik: "Also 35%, das ist schon ganz schön stark, normalerweise fangen wir mit weniger an."

Sage ich: "Ich bin ja auch kein Weichei, sondern Basmati. Cati Basmati." Vielleicht hab ich aber auch nur "Aha" gesagt, ich erinnere mich nicht mehr deutlich. Es fängt an zu kribbeln und wenn man  nicht jucken darf, dann kann sich Kribbeln ganz schön hochschaukeln.Und höher. Und noch höher.

Immerhin hält meine Haut 2,5 Minuten aus, bevor sie anfängt, rot zu werden. Was mir berichtet wird, ich kann ja weiterhin nichts sehen und muss der Frau Kosmetik vertrauen. Sie nimmt hektisch alles ganz schnell ab was Fachjargon für einfaches Abreiben ist und lobt mich ausgiebig, denn das hätte meine Haut schon ganz wunderbar gemacht. Ich werde das weitergeben.

Zum Abschluss werden mir kühlende Tücher auf das Gesicht gedrückt und zur Abwechslung ist Kälte mal etwas Angenehmes. Dann noch eine Creme und ich darf wieder gehen.Das nächste Mal sehen wir uns in zwei Wochen, da nehmen wir allerdings wieder 35%. Denn das wäre ja schon ganz schön stark. Hm, wie sie meinen.

Im Aufzug trau ich mich dann, das fremde Gesicht im Spiegel in Augenschein zu nehmen. So fremd wirkt es gar nicht. Mehr wie nach einem langen, kalten Tag im Schnee, unregelmäßig gerötet. Und ein bisschen hubbelig, genau da wo es jetzt auch kribbelt. Man merkt irgendwie, dass die Haut gerade ganz schön zu tun hat. Aber dafür hab ich ja auch gezahlt, da soll die sich mal nicht so anstellen. Hätte ja nicht braun werden müssen.

Jetzt bin ich gespannt auf morgen. Und übermorgen. Schlimmstenfalls erkennt man mich schon von Weitem am krebsroten Leuchten oder der Hautschuppenwolke, die ich hinter mir herziehe. Bestenfalls sehe ich aus wie eine blühende Wintersportlerin. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Kommentare:

  1. Also, wenn ein Fliegenpilz mir entgegen kommt, sage ich einfach Hallo. Es könnte ja sein, das es Du bist;-)
    Gute Erholung für Deine Haut.
    Liäbs Grüässli Doris

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  2. Ja so ungefähr ;-)
    Aber bitte auch rote Mützen direkt auf dem Hals einfach nett anlächeln, schadet nie!

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  3. Oh, würd gern ein Foto sehen ;-). Ich hab mal in der Pubertät so ne Salbe davon bekommen. Fühle also mit Dir!

    LG
    Iris

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  4. Autsch, einfach nur AUTSCH!

    Ich kenne das auch noch aus der Pubertät, so dieses anstrengende Wochenende, was man gegen ende 20 durchmacht. ;)

    Ich fühle mit dir
    Lieschen

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  5. Update:
    ich sehe aus wie frisch aus der Sauna. Nicht so entspannt, aber so fleckig. Nur die Stirn tut so, als wäre nichts gewesen, dabei ist doch alles schuld. Zicke.
    Fühlt sich aber alles in Ordnung an. Bin gespannt, wie es weiter geht...

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  6. Oh je, was man so alles über sich ergehen lässt. Hoffentlich wirkt es und die Flecken lösen sich in ein Nichts auf. Das nächste Mal wird sicher entspannter, da man weiß was auf einen zukommt! Alles Gute.
    Liebe Grüße
    Susanne

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  7. Huhu Du Liebe,
    wie war das noch wer schön - äh in Deinem Falle weiß - sein will muss leiden. Das hättest Du doch nicht so wörtlich nehmen müssen... ich hoffe, das Deine arme Haut sich fleckenlos erholt. GLG Myriam

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