11. Februar 2010

Pussy Galore goes Ljubljana

Ich habe noch nie in einem so kleinen Flugzeug gesessen, denn als Klitzis Schulklasse Freiflüge auch für Geschwister im Sportflugzeug eines Arztpapas seiner Klasse bekam, war ich leider krank. 5 Sitze, verteilt auf 7 Reihen - das muss man erstmal auch logistisch verdauen. Immerhin ist es keine Propellermaschine. Wie zu erwarten staut sich die unübeschaubar große Menge derer, die ins verschneite Wien wollen, beim Versuch aus der ebenso unüberschaubaren Menge an Sitzplätzen den richtigen rauszusuchen. Meinem Sitznachbar gelingt das nicht so gut und er verdankt sein Leben einzig und allein der Tatsache, dass meine Gnade unendlich und das Fenster sowieso über der Tragfläche liegt. Dann lieber Gang. Da muss man auch nicht dauernd raus in den Nebel schauen, der listig die Rollbahn versteckt. Und wer am Gang sitzt, ist auch schneller wieder draußen, das weiß doch jeder.

Der putzige kleine Vienna International Airport hatte schon auf seiner Internetseite versprochen, dass er wenig Entertainment für meine Wartestunden bietet. Dieses Versprechen hält er. Kaum sind die ersten 7 Minuten der drei Stunden = 180 Minuten Wartezeit auf den Anschlussflug um, habe ich bereits alle Parfums Probe gesprüht, alle Österreichsouvenirs auf geek-Untauglichkeit überprüft und ein Sandwich mit Apfelschorle ergattert. Das scheint im Nachhinein der Moment gewesen zu sein, ab dem alles schief lief.

Kaum sitze ich auf der eigentlich recht gemütlichen Bank im Essbereich und habe mein Buch ausgepackt, kommt eine osteuropäische Ehefrau in die Cafeteria - ganz klar Ehefrau und nicht selber beruflich aktiv - und versucht, ihre zwei handlichen Handgepäckstücke nebst dem goldblinkenden Auswurf novisibirskischer Minen an mir vorbei hinter den Nachbartisch zu manövrieren. Gelingt nicht.

Und ich sage Euch: Wenn mir auch nur einmal zu Ohren kommt, dass Ihr seelenruhig Euer Sandwich esst, während die gutaussehende und beruflich erfolgreiche Frau am Tisch neben Euch hektisch aufspringt und ihre Habseeligkeiten aus einem See Apfelschorle fischt, der übrigens zwischen Brust und Knöcheln alles bedeckt, und ich höre dann, dass Ihr icht wenigstens höflich Hilfe anbietet, dann werde ich ebenso tödlich in Eure Richtung blicken wie in ihre.

Während sie also nach dem Umwerfen meines Apfelschorlebechers völlig irritiert beobachtet, wie ich versuche, Schlimmeres zu verhindern indem ich meine Jacke so halte, dass die Tropfen nicht alles einsauen, und die Buchseiten am Zusammenkleben hindere, bitte ich sie wenig höflich um ihre Serviette. Warum ich die gerne möchte muss ich ihr, meine eigenen triefend nass in der Hand, erst ausführlich erläutern. Dann erklärt sie sich aber großmütig bereit, noch welche zu holen und kommt alsbald mit der hilfreichen Menge von zwei (in Worten: zwei) zurück. Eine davon ist für mich.

Ich frage sie, ob sie nicht wenigstens so tun könnte, als wäre es ihr unangenehm, aber ich beiße auf Granit.

Zu allem Überfluss gibt es hier auch keine Hand-Trockenföhne auf der Toilette, sondern nur Papier-Endlosrollen. Die so schöne weiße Fusseln auf der schwarzen Kostümhose hinterlassen.

Wenigstens wird der ausgezeichnete Chai Latte von einem älteren Wiener mit typischem Wiener Charme verkauft, der zwar nicht an meiner Leidensgeschichte interessiert ist, aber verspricht, dass der Latte mit Liebe gemacht ist. Und diese heute umsonst sei. Glück gehabt.

Zum Glück war der Tag aber ja noch nicht zu Ende. Als ich pünktlich um 16:15 Uhr in Richtung Flugsteig wandere, damit das Borden um 16:20 nicht ohne mich stattfindet, zeigt keiner der Flugzeitenanzeiger mehr meinen Flug an. Um 17:05 Uhr fliegen nur zwei Flüge: Krakau und Nürnberg, beide sind nicht Ljubljana. Das sind die Momente, in denen bei mir Panik aufsteigt. Aber auch Minuten und einige Aktualisierungen der Anzeige später bleibt mein Flug wie vom Erdboden verschluckt verschwunden.

Zwei freundliche Bodenpersonalmitarbeiterinnen an einem anderen Schalter informieren mich nach verwirrten Blicken und hektischem Tippen auf ihrer Tastatur darüber, dass der Schalter bereits um 15:45 Uhr geschlossen wurde. Hm. Unpraktisch für mich und meine Weiterflugabsichten.

Ich soll mich am Schalter von Adria Airways melden. Das sei da, wo ich eingecheckt hätte. SO wie wie schnell ist erklärt, dass ich ja nur zwischenstoppe und somit nicht wüsste, wo "Check-In" ist. Aber auch diese Hürde nehme ich, inklusive Sicherheitspersonal verwirren weil falsch rum durchgehend, bravourös.Am Infoschalter beruhigt man mein inzwischen zitterndes weil um den Weiterflug bangendes Ich damit, dass lediglich das Gate von B39 auf B42 gewechselt hätte.

Also zurück, die inzwischen zu Freunden gewordenen Sicherheitsmenschen lächelnd grüßend, und pünktlich in die ohnehin verspätete Maschine steigend bin ich mir sicher, dass ich Österreich nur bedingt mag.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen