8. März 2010

Geocaching oder: geeken für Fortgeschrittene

Wer mit einem geek zusammen ist, der muss darauf gefasst sein, dass der geek auch geek Freunde hat und man sich somit schon mal in der Situation wiederfindet, dass man an einem eiskalten aber sonnigen Sonntag nicht auf der Couch liegend den Partynachwehen fröhnt, sondern in die weiße Winterpracht zum Geocaching aufbricht.

Geo was bitte?

Geocaching ist eine Erfindung aus Amerika aus dem Jahre 2000. Den Rest könnt Ihr selber googeln. Im Grunde ist es nichts weiter, als mit GPS-Empfängern durch die Gegend laufen und Sachen suchen. Es ist sozusagen die moderne Schnitzeljagd für das Kind im technisch begeisterten Manne. Oder Frau.

Freunde die schon sehr lange und professionell dieser Freizeitbeschäftigung nachgehen - der Sohn war 4 Wochen alt, als er zum ersten Mal mitgeschoben wurde - waren es nun anscheinend satt, unser ewiges Gequengel anzuhören, dass sie uns doch mal mitnehmen sollten, denn für uns Frischluft- und Bewegungsjunkies schien das ein Heidenspaß zu sein. Und: man kann - im weitesten Sinne - gewinnen, denn die Sachen die es zu suchen gilt, Caches genannt, liegen nicht einfach so rum, sondern sind versteckt und müssen gefunden werden.

Man rief uns also an und zitierte uns in den belgischen Raum links der Kaiserstadt. Wir warfen uns in den vor Kälte schützenden Zwiebellook, vergaßen Handschuhe, warmen Tee und Kekse und machten uns auf, einen "Multi" zu "machen". Das Fachjargon kann ich noch nicht so gut, aber ich glaube, man "macht" Caches und ein Multi ist einer, wo man von Aufgabe zu Aufgabe gelotst wird und die Lösung einer Aufgabe nötig ist, um die nächsten Koordinaten zu errechnen. Ich entschuldige mich, falls das nicht richtig ist.

Man hätte mir ruhig sagen müssen, dass Luftlinie nicht immer möglich ist. Aber ich bin ja schlau und gehe selbständig um das Bushäuschen herum. Es fährt nur eine Linie von hier ab, das wird dann wohl die Antwort auf die Frage sein: "Welche Linie fährt nach Aachen?" Die Antwort ist 14 und somit stehen Zahlen zum Rechnen bereit. Ich tue so, als würde ich die Bedienung des GPS-Geräts lernen und lasse andere das 10-Fingersystem rödeln. Unser Garmin darf ich nicht nutzen, das hat selbstredend der geek in der Hand.

Weiter gehts. Wir suchen ein rot umrandetes Schild. Das einzige Schild weit und breit an gefundener Stelle hat lediglich auf sich selbst einen rot umrandeten Bereich. In diesem stehen Zahlen die nun geübt - ich übe GPSen - von den anderen umgerechnet werden in die Koordinaten des nächsten Ziels.

Gottlob ist ein 3-Jähriger mit von der Partie, so dass es gemächlich und lustig weiter geht. Sporadische Eisfelder beglücken mit Rutschpartien und die Sonne ist schon ganz schön frühlingshaft warm.

QUATSCH MIT SAUCE würde der kleine Mann sagen, es ist kalt. Saukalt um genau zu sein und wenn man mit GPS-Gerät läuft, ist immer eine Hand zwar im Handschuh aber im Freien. Ergo: kalt.

Kekse erheitern mich. Kurzfristig.

Irgendwo zwischen vorhin und gleich ist aber was schief gelaufen und am nächsten errechneten Punkt angekommen finden wir nicht das, was wir suchen sollen. Ich persönlich denke ja, dass unser Quengeln zwar dazu führte, dass sie uns mitgenommen haben, wir aber durch ausreichend Rumstehen in klirrender Kälte vom Wiederholungsdrang ausgeschlossen werden sollen.

Irgendwann haben wir jeden Stein und jeden Ast genauestens untersucht, sind aber nicht dahintergekommen, wo was als waagerechte und senkrechte Striche herhalten soll. Also wandern wir gemächlich und ohne GPS den Weg zurück zu den Autos. Dort wärmt man sich mit Tee und weiteren Keksen und ich bin dankbar, mit Profis aufgebrochen zu sein. Sonst stände ich immer noch im belgischen Nachbarland. Frierend am Boden festgefroren.

Wir fahren zum Grenzübergang Köpchen. An den Elefantensteinen gibt es dort noch einen "Mord". Nach dem ursprünglichen Angstmoment überlege ich grammatikalisch versiert, dass "gibt es" darauf hindeutet, dass der schon geschehen ist und nicht "geben wird". Ich befinde mich nicht in Gefahr. Zumindest denke ich dass, denn kurz nach Abfahrt gibt das GPS-Gerät der Beifahrerin bekannt, dass "Mann über Bord, sollen die Koordinaten gespeichert werden?" Praktisch, wenn man auf hoher See jemanden verliert. Dann kann man der Küstenwache genau sagen, wo.

Die Elefantensteine sind ein wahrlich wunderliches Phänomen, liegen doch plötzlich mitten im Aachener Wald am Grenzübergang Köpfchen riesige Findlinge herum, die nun zwar an Albino-Elefanten, sonst aber an stinknormale Elefanten erinnern, die schlafend zwischen den Bäumen liegen. Aber wir sind ja mit einem Ziel hier: eine Cache suchen. Dieser liegt in der Nähe eines Mord-Gedenk-Steines, daher auch der Titel "Mord". Puha, Glück gehabt.

Im Schnee cachen ist übrigens gar nicht so schwer, denn wenn plötzlich alle Fußspuren vom Weg ab zu einem Baumstumpf laufen, dann riecht das nach Geocaching. Der kleine Mann wird auch schnell pfündig und wir finden einen "PET-Rohling". Das ist ein vergrabenes Röhrchen mit Schraubverschluss, in dem zum Einen eine Erklärung enthalten ist, dass es sich hier um einen Teil eines Spiels handelt der bitte nicht entfernt werden soll, zum Anderen aber auch ein kleiner Zettelblock, auf dem wir uns nun mit Tag, Zeit und Namen verewigen können. Im Internet kann man dann auch noch diesen Cache als erledigt verewigen.

Wir sind nun offiziell Teil der Geocacher-Gemeinde. Wow, who'd have thought.

Fazit: lustig und wiederholenswert. Bei gutem Wetter. Für technisch interessierte Spielkinder eine schöne Art, die Gegend kennenzulernen - denn vorher hatte ich nie den Drang, durch Hauset zu wandern - und mit Freunden zusammen etwas zu unternehmen. Die Abwechslung ist bewundernswert und die Caches scheinen mir für gewöhnlich auch gut ausgearbeitet und phantasievoll gemacht zu sein. Festes Schuhwerk und Matschhose sind empfehlenswert.

Leider wurde danach nicht der Cache im Café Middelberg gesucht. Es hätte bestimmt einen in einer Torte gegeben, da bin ich mir ganz sicher.

Kommentare:

  1. Es heißt jetzt "Mensch über Bord". Ein Hoch auf die Emanzipation ... ;)

    Und Tim fragte sich letzte Woche, ob die MOB-Taste (Man over Board, zum Speichern der Koordinaten für - genau - die Küstenwache) am Schiffs-GPS nun umbenannt werden muss in POB-Taste (Person over board) ... ich bin ja für Human Being Over Board ... klingt globaler und wertschätzender ...

    Aber das nur am Rande ... ich setz jetzt mal 'ne Kanne Mate-Tee auf ... ;)

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  2. Hi,

    schöner Schreibstil, gefällt mir sehr gut und deshalb werde ich hier auf jeden Fall öfter vorbei schauen!

    LG
    Conny

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  3. Ahh, wieder ein paar Ex-Muggels die vom Cachefieber infiziert wurden ;o) Freue mich auf weitere Berichte in Sachen Cachesuche.

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