14. April 2010

Darf ich Ihnen die fettig-krümelige Hand schütteln?

Montag war ich bei einem lustigen Shake-Hands in Mönchengladbach. Die heiligen Hallen nördlich der Kaiserstadt bieten in Kooperation mit dem Institut für Geschäftsprozessmanagement und IT - GEMIT bei uns in den heiligen Hallen eine Fortbildung für Fach- und Führungskräfte an: BWL-Wissen für Nichtwisser Praktiker.
Weil das Institut aber umgezogen ist und unbedingt mich bei der Einweihungsparty dabei haben wollte, habe ich mich erbarmt und fuhr hin. Das hatte nichts damit zu tun, dass da Radio da war und ich berühmt werden wollte. Gar nichts.

Ich hab mich natürlich getarnt und den grauen Hosenanzug übergeworfen. Man will ja nicht auffallen im modisch unterbelichteten akademischen Umfeld. Gelang, auch wenn ich meine türkisen Schuhe einschmuggeln musste.

Nach anfänglichem Geplänkel mit mir unbekannten und leider nicht mit Namensschildern versehenen Menschen - unwichtig, dass ich den verantwortlichen Professor, mit dem ich seit mehreren Wochen telefoniere, mit dem Namen seiner Assistentin angeredet habe - wurde ich von einem aufstrebenden jungen Mann, Typ "Ich hab dann erstmal eine Unternehmensberatung gegründet" in eine ganz schlimme Diskussion verwickelt.

Er wollte mir und der netten Damen von der Wirtschaftsförderung Viersen weismachen, dass der Bachelor was ganz Tolles ist und man sich so freuen könnte, dass jetzt alle studieren könnten und ganz schnell ins Arbeitsleben könnten. Da hab ich mal vorsichtig widersprochen und angemerkt, dass ich als Unternehmer nicht unbedingt einen Bachelor einstellen würde. Obacht: ICH ALS UNTERNEHMER.

Als mir bewusst wurde, was ich da gerade gesagt habe, begann ich mein eigenes kleines Bullshit-Bingo und versuchte, diesen Satz in jeder Unterhaltung so oft wie möglich unterzubringen. Gelang erstaunlich oft. Aber ich bin ja auch geübt, aus Uni-Zeiten.

Zurück zu den Bachelors. Sind die Frauen eigentlich Bachelorettes? Und wenn jemand die einstellt, ist das dann unmoralisch, weil es eine Dating-Show ist? Fragen über Fragen. Wichtig war in meiner Argumentation aber, dass jemand mit Bachelorabschluss nichts kann (entschuldigt, liebe Bachelors, aber das ist nicht Eure Schuld und mit "nichts" meine ich "weniger als ein Diplomierter oder Magister") und ich trotzdem ein Hochschulabgängergehalt zahlen muss. Ich als Unternehmer.

Schnappatmung beim Gesprächspartner und grinsen bei der Frau von der Wirtschaftsförderung, die ihn gleich noch weiter beackerte mit der Frage nach denen, die gar nicht studieren können. Weil sie das nicht schaffen. Was denn aus denen würde, wenn bei allen ein Bachelorabschluss vorausgesetzt würde.

Eine intensivierte Schnappatmung und Schweißausbrüche später verhaspelte er sich ein wenig dabei zu begründen, warum die Aussicht auf einen Master - den man aber ja nur bei richtigem Notendurchschnitt und betuchtem Sponsor machen könnte - die Welt vor gröberem Unheil retten und die deutsche Wirtschaft sanieren würde. Ich hab ihm nicht ganz folgen können, bin mir aber sicher, dass er immer noch versucht, seiner eigenen Argumentation zu folgen. Früher schien die ihm so schlüssig.

Leider war der netten Dame dann langweilig musste die nette Dame dann nach Hause. Das gab mir aber Zeit, mit dem zweiten Institutsleiter darüber zu lachen, dass er als Wirtschaftsingenieur eigentlich bei den Wirtschaftswissenschaftlern Betriebsspionage betreiben würde. Das wird ein lustiger Abend, wenn er im Mai bei uns in den heiligen Hallen dozieren kommt.

Nicht so lustig war das Finger-Food. Zum einen weil meine Finger nicht groß genug waren für die üppig dimensionierten Blätterteigtaschen. Und weil die bröselten und höfliches Händeschütteln wegen der Fettschicht unmöglich machten. Und ich auch immer noch nicht mit Kauen fertig war, wenn das Speed-Dating mir einen neuen Menschen vor die Nase laufen ließ. Merke: lieber was anderes servieren, was weniger krümelt und in weniger Bissen bewältigt werden kann. Hält den Gesprächsfluss in Gang.

Beim nächsten Mal komme ich übrigens mit der Bahn. Es blieb viel zu viel Sekt übrig.

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