7. April 2010

Das Fernsehen und die Frau Basmati - eine unendliche Geschichte

Ich mag das Fernsehen. Aber manchmal denke ich, dass das Fernsehen mich nicht mag. Und dasl iegt jetzt nicht daran, dass es mich noch nicht entdeckt hat.

Wir hatten keinen Fernseher bis ich ungefähr 7 oder 8 war. Das lag nicht daran, dass der Volksempfänger erst 1939 visuelle Unterstützung durch den "Volksfernseher" erhielt. Es lag vielmehr am gängigen Spruch von Vati Basmati, dass er "XY nicht braucht, ihr?" Er war mit dem Volksempfänger anscheinend vollauf zufrieden.

Die moderne Frau, formerly known as LaMama, knackte dann irgendwann ihr Sparschwein und ließ vom Radio- und Fernsehfritzen des Nachbarortes ihren alten Schwarzweiß-Fernseher reparieren. Die erste Sendung, die wir empfingen, war Tom & Jerry und die Basmati-Brut strahlte. Meine Liebe zum amerikanischen Film entbrannte übrigens unverzüglich.

Die folgenden Jahre verbrachten wir in bescheidener Glückseeligkeit, nur gestört durch gelegentliche Fragen anwesender Fremdkinder, ob wir nicht mal "auf bunt umschalten könnten". Traumatische Szenen, die noch lange nachwirken.

Eine Fernbedienung hatte besagtes Röhrenmonster nicht, dafür aber ein dickes Sofakissen. Dieses war nicht in der Originalverpackung enthalten gewesen, war aber unverzichtbar, hatte das Röhrenmonster doch noch Knöpfe für die einzelnen Programme und das Ein- und Ausschalten. Das Alter hatte jedoch bereits seinen Tribut gefordert und den Ein- und Ausschalter abbrechen lassen. Was bleibt zurück wenn Plastikknöpfe abbrechen? Richtig: scharfe Kanten. Hence the Kissen.

Ein Fan von Beverly Hills 90210 konnte ich aufgrund des fehlenden Empfangs von RTL und SAT1 nicht werden, denn das Dreigestirn aus ARD/ZDF/WDR leistete sich solch bunt-poppiges Jugendvergnügen nicht. Fernsehen hat schließlich einen Bildungsauftrag und niemand im Öffentlich Rechtlichen erkannte, wie richtungsweisend gerade 21 Jump Street für die heutige nicht mehr ganz so jugendliche Jugend werden würde. Gut, dass Kabel 1, das Vierte und Tele 5 Mitleid mit mir haben und meine Jugend fernsehtechnisch wiederholen.

In das bunte Leben nach Peter Lustig und den Mainzelmännchen stieg ich also verspätet ein und ich denke, dass sich die Folgen heute noch bemerkbar machen: Ich sehe wenig fern. Wenn, dann aber nicht Tatort, sondern glatt poliertes Hollywood-Scheinkino für den Hausgebrauch, ungeschickt synchronisiert und voll weißer Zähne und glänzenden langen Haaren.

Worauf ich aber eigentlich hinauswill, das ist der plötzliche Tod der Fernbedienung. Zappen gehörte kurzfristig der Vergangenheit an. Kann doch keiner ahnen, dass die Dinger nur eine begrenzte Anzahl von Stürzen von  luftigen Sofaflächen aushalten? Jetzt geht es dabei aber gar nicht um den Fernseher, sondern den Videorekorder. Ihr findet das komisch?

Hier die Erklärung:

Unser heutiger Fernseher wurde vom geek in diese Wohnung gebracht und hat eine Bildschirmdiagonale von sichtbaren 35 cm. Der Hawaiipulli fragt gerne, ob die Fische schlafen, wenn wir ihnen das Licht ausschalten. Witzig.

Fernseher dieser Größe nennt man heutzutage auch gerne Handy oder PlayStationPortable und die haben halt einfach keine Fernbedienung. Was zum einen sicher daran liegt, dass man - so man die Männchen denn noch erkennen möchte - gar nicht weit genug weg sitzen kann um nicht mit ausgestrecktem Arm umschalten zu können. Doch faul ist der Mensch und besitzt ergo einen Videorekorder mit Fernbedienung.

Aber: Der erste in der Bundesrepublik nach dem Krieg in Serie hergestellte Fernseher war der Telefunken FE8. Ratet mal, welche Firma unseren Videorekorder hergestellt hat und gebt dann Prognosen über sein Alter ab. Fraglich also, ob die glorreiche Idee, einen programmierbare Fernbedienung zu kaufen, von Erfolg gekrönt wird.

Ja, wird sie. Also eigentlich hab ich die Krone auf, die steht mir aber auch einfach besser. Wir haben es ausprobiert.

Mir war immer schleierhaft, wie die Fernbedienung denn wissen soll, was der Videorekorder wissen muss, um das zu tun, was die Fernbedienung ihm sagt. Codes sind das Zauberwort. Die Anleitung der wahnsinnig teuren 7,99 € Fernbedienung des Glücks liefert unzählige Geräteherstellen, von denen ich meist noch nie etwas gehört habe. Zum Glück ist Telefunken dabei. Zu jedem Hersteller gibt es dann Codes, die man in die Fernbedienung eingeben muss. Im einfachsten Fall ist das einer, im Fall von Clatronic ungefährt gefühlte 187555. Macht ja nichts, Telefunken hat neun. Und wer wählt auf Anhieb den richtigen aus? Frau Basmati. Cati Basmati. Deswegen ruft M auch immer an und lässt sich Tipps geben.

Und nun kann man wieder zappen. Und wenn man sich den Briefmarkenbildschirm vorher auf die Augen geklebt hat, dann erkennt man sogar was. Es muss dringend ein größerer her. Ich Meine Augen werden auch nicht jünger.

Kommentare:

  1. Ach, Cati. Vielleicht könntest du mal zu mir nach Hause kommen und mir unsere Multifunktions-Fernbedienung erklären - ich bin völlig überfordert. Deswegen muss ich DVDs auch immer auf dem Äpfelchen sehen, ich krieg den Sch***-DVD-Player nicht an. Verdammt.

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  2. Das mache ich gerne, wenn Du Brownies und einen Latte Macchiatto servierst ;-)
    Ich erwähne dann hinterher, dass ich von Multifunktionsdingsbumsen keine Ahnung habe und sie lediglich dekorativ in der Hand halten kann...

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  3. Ja, das macht ja nichts. Brownies, Kaffee und quatschen, wer braucht schon so ne verf*** Fernbedienung!

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