19. Mai 2010

Shopathon - Peek und Cloppenburg trainiert meine Ausdauer

Und es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot ausging vom Gott der Liebe, dass alle Basmati-Brüder sich vermählen ließen. Und diese Hochzeiten waren die ersten der Familie Basmati und geschahen zu der Zeit, da Cati noch nicht vermählt war. Und jedermann ging, dass er sich festlich einkleiden ließe, ein jeder in seine Stadt. Diese gab leider nichts Festliches her. Da machte sich auf auch Cati von südlich der Kaiserstadt, aus der Euregio, in das rheinische Land zur Stadt der Kö, die da heißt Düsseldorf, weil sie aus dem Hause und Geschlechte der Shopping-willigen war, damit sie sich dort einkleiden ließe mit LaMama, der Mutter des Clans.

Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie bezahlen wollten.

Ja, wollten, man will ja mal nicht so sein und es war sowieso gerade Zahltag. Nach gefühlten achtzehn Stunden athletischen Kleideranprobierens - wer sagt, dass das kein Ausdauersport ist? - schickte man uns gönnerhaft zur Zentralkasse im ersten Stock. Was ich schon immer sehr suspekt finde, halten doch die hiflreichen Damen ihre Hilfsbereitschaft normalerweise sehr im Zaum, während sie äußerst schnell reagieren, wenn es darum geht, für die Provision ihr Kürzel auf das Anhängerchen zu kritzeln. Nun gut. Eine hat ja auch ungefragt eine sehr schicke Kreation gebracht, die wir für LaMama nie ausgesucht hatten, die ihr aber unglaublich gut stand.

Wir also runter an die Zentralkasse, wo man erst zahlt und dann einen Schritt zur Seite tritt, voller Hoffnung, dass die Frau, die mit dem Kassenzettel wegrennt, kurze Zeit später mit dem richtigen Stöffchen über dem Arm zurückkommt.

LaMamas Hoffnung wurde umgehend erfüllt, wohingegen ich die aufgeregt hin und her huschende Frau beobachten durfte, die sich um meinen Kassenzettel kümmern sollte. Und sie huschte. Und huschte.

Nach gefühlten dreizehn Stunden hektischen Huschens rief sie aufgeregt herüber, welche Farbe das Kleid denn habe?

"Es ist das lila Kleid genau vor ihnen!"

"Nein, das ist es nicht."

Diese Nachricht fand ich ein wenig niederschmetternd, hatte ich es doch dreimal anprobiert und dann im dritten Stock freudvoll der Verkäuferin angeboten, damit sie es runterschicken könnte. Aber gut, man ist ja müde und hungrig und muss mal aufs Klo geduldig. Sie huschte und huschte. Von welcher Etage ich des denn hätte?

"Von der dritten. Aber es hängt ja dort rechts, das ist es."

"Nein, das ist es nicht."

Kann mir irgendjemand verübeln, dass ich in diesem Moment ein wenig ungehalten wurde?

"Hören sie, es ist das lila Kleid dort vorne. Von Jake's. Wadenlang. Neckholder." Näher komm ich auch nicht ran. Links von mir drängelten sich nun mäßig verständnisvolle Kunden, die schon bezahlt hatten und gerne ihre Kleider haben wollten. Was ich gut verstehen kann.

"Geben sie mir doch einfach dieses Kleid, es kostet zufällig genau so viel, wie ich gerade gezahlt habe. Weil es ja das Kleid ist, das ich gekauft habe!!!"

"Nein, das ist es nicht. Sie haben eine 92 gekauft, dieses ist eine 95."

Was konnte ich dieser Logik entgegensetzen?

Sie fing an, hektisch zu telefonieren. Während sie auf den Rückruf aus der dritten Etage wartete - ihr erster Anruf in der zweiten Etage hatte nichts ergeben, was mich nicht wunderte, da ich ja in der dritten dieses Kleid ausgesucht hatte - hatte sie die glorreiche Idee, die weiteren, wartenden Kunden links von mir schon mal mit ihren Einkäufen zu beglücken.

Und nur 35 Minuten später kam die Verkäuferin aus dem dritten Stock, erklärte dass meine 95 eigentlich eine 92 wäre und alles konnte gut werden. Dachte ich. Naives, dummes ich.

"Ach ja, dann ist ja jetzt alles klar. Ich mach nur schnell hier die anderen Kunden fertig, dann packe ich ihres ein." Sprach sie und kümmerte sich weiter um die links von mir - und somit deutlich später gekommenen - stehenden Kunden, die beglückt strahlten.

Zu ihrem Glück war ich so perplex hungrig, müde und musste mal aufs Klo, dass ich nicht weiter reagierteund nur mit Tigerblick meine Kleider - ja es waren mehrere, von denen aber die anderen gerne zu mir wollten - der herbeieilenden, hilfsbereiten Frau zuschob, die meinte, dass unsere Warteschlange dringend Hilfe benötigte. Tote Verkäuferinnen werden sicher bei Peek und Cloppenburg nicht gerne gesehen.

Später beim Inder, als LaMama mir lebensspendendes Curry einflößte, um meinem entkräfteten Körper wieder Leben zu spenden, da hab ich mich fast mehr über mich aufgeregt, weil ich so nett geblieben war. Klar kann die vom Leben enttäuschte graue Maus hinter der Theke nichts dafür, aber es muss doch eine Entschädigung geben, wenn jemand 40 Minuten nach dem Bezahlen immer noch auf seine Kleider wartet.

Zur Selbstbestrafung - weil nicht für mich selbst lautstark eingetreten -, habe ich mir eine Mandelentzündung angehext. The Power of Will.

Kommentare:

  1. SOLCHE Einkäufe finde ich immer sehr entspanend, wenn sich eine größere Menge Stress angestaut hat ... wobei mir hinterher im die eigentlich pflichtbewussten und unschuldigen Verkäuferinnen leid tun...
    Und mir ist das bei P&C auch schon immer unheimlich gewesen, wenn ich das Stück in das ich mich grade verliebt habe nicht selber zur Kasse tragen darf.
    Liebe Grüße, Fredda

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  3. Sorry, ich rolle hier grad über den Boden vor Lachen! Habe ich schon mal erwähnt, dass Lesen für mich wie Augenkino ist? Ich hab' mir das alles bildlich vorgestellt und vor lauter Prusten meine Tastatur mit Sabber benetzt! Herrlich!

    Ein Hoch aufs Curry, der letztendlich doch noch den Tag gerettet oder wenigstens für Peek entschädigt hat, was?

    LG Kirstin

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  4. Ach, das Kleid war schon Entschädigung genug. Und das andere Kleid. Und die Bluse. Und die andere Bluse... ;-)

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  5. So - DAS ist genau der Grund, warum ich DORT nach Möglichkeit nix kauf.
    Die Verkäuferinnen meistens.. na ich will ja hier nicht ausfallend werden - also ich helfe mir dort drin selbst, weil alles andres.. (lesen Sie dann bei mir).

    Und dieses System, Tasche Hin, Zettel her, verschickt die das jenes - ich mein, ich kann mein Zeugs doch wohl selber zur Kassa tragen, wenn ich sonst EH nix will.

    Schweißperlen auf meiner Stirn, nur von Ihrem Bericht. Und Sie tun Sachen, wenn Sie die Mandeln hüten sollen.. mannmannmann ; )

    Faultier Sid

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  6. Da wusste ich ja noch nichts von den Mandeln und therapierte mit Curry und Hustenbonbons. Wahrscheinlich gab das aber den Rest. Nicht dass ich hier jemanden des Ansteckens bezichtigen wollte, aber es heißt nicht umsonst "Da krieg ich so 'nen Hals!"

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