20. September 2010

Beware of the Cati

Gesellschaftliche Verpflichtungen zwangen uns in erstens den guten Zwirn, zweitens die Maske und drittens den guten alten Mr. Goldfinger. Was tut man nicht alles, um die hausinterne Neugier ob der neuen Wohnung und des neuen Freundes zu befriedigen.

Kurz nach Ankunft und Blick in jedwede vorhandene Schublade - der geek nimmt solche Inspektionen immer recht genau - ließen wir uns in der Küche nieder, wo der geek auf Druckbetankung umschaltete und ich mich innerlich verfluchte weil ich die Hose ohne Hosentaschen gewählt hatte. Für Autofahrer sind Parties ohne Hosentaschen doof, wenn man nach 7 Gläsern Cola so voll Kohlensäure ist, dass man gar nichts mehr trinken möchte und somit auch kein Glas mehr in Hand hat. Sondern nur noch Luft. Ruderte ich halt ein wenig ziellos damit herum.

Der Freund der Haupthausbewohnerin stellte nach nur kurzer Zeit beglückt fest: "Ich bin so froh, Euch kennengelernt zu haben!" Immer ein guter Anfang für eine Freundschaft. "Meine Eltern sind also doch nicht so irre." Wir helfen übrigens in allen Lebenslagen gerne aus, auch wenn es mit einem kurzen Exkurs über die Eigenarten unserer Eltern zu tun hat. Das sind allesamt charmante Geschichten.

Woran erkennt man übrigens, dass man auf einer Party mit zwei Gruppen von Gästen ist, Freizeitfreunden und Kollegen? Die Triathleten unterhalten sich und mich gerne mit sicher sehr realistischen Trainingszeiten, wohingegen die Finanzjongleure aktuelle Gesetzeslagen und Eigenheimpreise diskutieren. Da weiß man, was man hat und kann sich strategische Gesprächsthemen vor Aufmischung besagter Gästegruppen überlegen. "Ich halte Sport für überflüssig" ist zum Beispiel immer ein guter Aufhänger, wenn man mal ein bisschen Zeit für sich und Stille zum Nachdenken braucht. Hab ich natürlich feinfühlig vermieden.

Hauptthema des heutigen Posts ist allerdings ganz ein anderer Gast, der kurz nach Mitternacht neben mir in der Küchentür zu stehen kam, mir tief in die Augen sah und mir eröffnete, dass er nun gehen würde. Da wir uns zu diesem Zeitpunkt das erste Mal gegenüberstanden, hatte ich dagegen keine Einwände und wünschte gute Reise. Fataler Fehler.

Entgegen seiner Versprechung blieb er Zentimeter von mir entfernt stehen. Gesprächsfördernd starrte er mir nun nur noch intensiver und schweigend in die Augen - man erinnere sich: ich ohne Hosentaschen, wohin mit den Händen, rudernd.

Er so: "Was bist Du denn so unfreundlich und abweisend?"
Cati: ungläubiges Staunen
Er so: "Hättest mich ja auch fragen können, warum ich denn schon gehen will!"
Cati: siehe oben
Er so: "Das wirkt ganz schön unsympathisch."
Cati: siehe oben

Das siehe oben wiederholte sich in scheinbarer Endlosschleife noch einige Minuten, bis ich sicher sein konnte, dass er die Haustür hinter sich zugezogen hatte und ich auf meiner Seite der Haustür ohne ihn war.

Also, seid gewarnt: ich bin ganz schön unsympatisch und wünsche Euch, wenn ich Euch so gar nicht ausstehen kann, sogar einen guten Heimweg. Holt die Kinder von der Straße! Beware of the Cati!

Kommentare:

  1. Richtige Antwort: "Was schon? Ich hate doch gerade das Gästebett für dich fertig gemacht. Wir haben uns noch gar nicht richtig kennengelernt und schon willst du gehen. Wer soll denn jetzt morgen früh mit mir aufräumen?!"

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  2. O.o...also wenn das keine sehr, sehr verunglückte Anmache war, kommt das ganz oben auf die "Strange people happen..." Liste!;)

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  3. So war er bei allen, ich konnte mich also nicht mal mit "Angemacht" trösten... :-( Nächstes Mal fress ich wieder Kinder, da weiß man was man hat!

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  4. Huhu Du Liebe,
    nicht ärgern, nur wundern. Es gibt so besonders merkwürdige Zeitgenossen irgendwie. Meine Freundin Vicki sagt auf so was grundsätzlich: If you don`t like my attitude quit talking to me! Aber der erste Vorschlag hat echt was für sich - auf die Reaktion wär ich gespannt gewesen... schönes weekend GLG Myriam

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