11. Januar 2011

20% der Züge waren pünktlich. Das waren immer meine. Entschuldigung, Rest der Pendler.

Kurzentschlossen haste ich heute morgen an Mr. Goldfinger vorbei in Richtung Bahnhof, wo ich gefühle 45 Sekunden vor Abfahrt des Zuges Richtung nördlich der Kaiserstadt schliddernd vor dem Fahrkartenautomaten zum Stehen komme. Ja, die Rückkehr zum Bahnpendlerdasein bedingt den Besitz eines gültigen Fahrscheins und ich weiß ja dass ich mir das hätte früher überlegen können als gefühlte 45 Sekunden vor Abfahrt des Zuges.

Immerhin weíß ich grob, was ich erwerben möchte und hinterlasse hektische Patscher zu Zwecken der Staatssicherheit deutlich auswertbare Fingerabdrücke auf dem Touchscreen des Fahrkartenautomaten. Eine Wochenkarte möchte ich, denn der Plan sieht vor dass ich ab nächster Woche Nutznießer des avv-Gesamtnetz-Probeabos bin. Ein Hoch auf die Marketingmanager, die meine Bedürfnisse kannten, bevor ich diese kannte. Bis dahin also: Wochenkarte.

Mit traumwandlerischer Sicherheit navigiere ich durch den Dschungel der Tarife und Tickets und finde schlußendlich, gefühlte 45 Sekunden vor Abfahrt des Zuges, die richtige Wochenkarte. DOCH OBACHT. Diese ist nur in Verbindung mit einer Kundenkarte gültig.

Frohes neues Jahr. Wo solll ich denn jetzt, gefühlte 45 Sekunden vor Abfahrt des Zuges, eine Kundenkarte herbekommen? Diesmal lasse ich die Benutzer-Schnittstellen-Designer hochleben, denn die haben diese Frage vorausgesehen und einen Info-Button im Touchscreen-Terminal integriert, der befliessentlich darüber informiert, dass ich so gut wie direkt hinter mir, im Reisezentrum der Deutschen Bahn, gefühlte 45 Sekunden vor Abfahrt des Zuges, eine Kundenkarte bekommen kann. Also los. Ach ja, bezahlen, dann los.

Das Reisezentrum liegt so gut wie auf dem Weg zum Bahnsteig, also kurz schlenkern und ab durch die Glastür. Im Reisezentrum ist es noch recht dunkel und einsam, aber es ist ja auch noch früh. Zwei Schalter sind aber immerhin schon beleuchtet und besetzt. Ich steuere die deutlich sympathischer lächelnde Frau an und fange schon 5 Meter vor dem Schalter an, mein Anliegen vorzubringen, schließlich sind es nur noch gefühlte 45 Sekunden bis zu Abfahrt des Zuges.

Sie nimmt sich meiner Wochenkarte an und beginnt, eine Kundenkarte auszufüllen. Ich bin überwältigt von der hürdenlosen Kooperation. Dann jedoch.

"Wenn sie dann bitte dort vorne eine Bediennummer ziehen, während ich das hier schon mal ausfülle..."
Ich bin irritiert. Ich bin die einzige Person, die sich auf meiner Seite der Schalterreihe befindet. Vor wen soll ich mich denn drängeln? Mich selbst? Das wäre ja mal frech. Diese Fragen kommen allerdings im Eifer des Gefechts erst später auf, ich düse erstmal Richtung Nummernautomat, ziehe und tausche den Zettel gefühlte 45 Sekunden vor Abfahrt des Zuges gegen eine mit Kundennummer versehene Kundenkarte ein.

"Ich füll' die dann im Zug mit meinen persönlichen Angaben aus, ja? Der fährt nämlich in gefühlten 45 Sekunden und ich muss ja noch zum Gleis..."
"Ach, das brauchen sie gar nicht, Hauptsache sie übertragen die Nummer der Kundenkarte."
Irritiation. Schon den ganzen Tag. Warum eine Kundenkarte, wenn nur eine Nummer draufsteht? Da kann ich mir ja jede Woche eine neue holen, bringt die Zählung auch durcheinander. Und warum kann ich diese Karte nicht am Fahrkartenautomaten holen? Hätte Zeit gespart und Irritationen vorgebeugt. Ich bin wohl zuviel kurzer Dienstweg für dieses Etablissement.

Den Zug hab ich bekommen. Der stand sogar noch gefühlte 45 Sekunden, bis er abfuhr. Und ein neues Plastikkuvert für meine beiden Karten hab ich auch. Voller Erfolg.

Kommentare:

  1. Sie sind offenbar ein Zug-Glückspilz! So wie ich ein Parkplatz-Glückspilz bin. Das ist übrigens vererblich, ich habs von meinem Papa.
    Ansonsten: Typisch Bahn. Wer kann da Logik erwarten?

    AntwortenLöschen
  2. Deine Welt ist klasse, da hat man immer noch mindestens gefühlte 45 Sekunden Zeit für ALLES. Wie machst du das nur? Bei mir wäre der Zug längst abgefahren. Und zwar ohne mich.

    Grüße! N.

    AntwortenLöschen
  3. 45 Sekunden ist aber bei weitem nicht ausreichend ;-)

    AntwortenLöschen