7. Januar 2011

Wäre diese Woche eine psychische Störung

dann wäre sie bipolar. Vom manischen Gipfel der Frisiererei zum depressiven Tal des Mageninhalts im Blutspendesaal.

Chronologisch betrachtet lief das so ab:
Das Schneiden meiner Haare beschehrte mir erstmal unglaubliche neue Jobalternativen. Äußerst aussichtsreiche Bewerbungen könnte ich rausschicken: Chefredakteurin der amerikanischen VogueFrau von Tom Cruise, Freundin von Spiderman oder auch einfach nicht arbeiten und nur natürlich blond sein. Qual der Wahl nenn ich das.

Aber: man muss nicht immer nur geben (Haare), man muss auch mal nehmen (Kekse nach Blutspenden) und so führte mich der weitere Mittwochnachmittag in Richtung Klinikum, wo ich mich immerhin schon seit 1998 der Mittelmäßigkeit hingebe indem ich der Mehrheitenblutgruppe angehöre. Bundesverdienstkreuze bitte per E-Mail an catibasmati ät yahoo dot de.

Schneller Vorlauf bis nach der Blutspende. Wenn man erfolgreich 500 ml Blut aus sich herausgepumpt hat, dann stürzt nicht etwa aus dem Nichts eine der Schwestern auf einen zu, nein nein, da werden erst alle Tätigkeiten zu Ende ausgeführt, die gerade anstehen und dann ist man dran. Man kann ja auch nicht weglaufen. So liege ich also mit Füßen oben auf meiner Spenderliege und denke so vor mich hin, dass ich doch immer ganz schön schnell spende. Und während ich das so vor mich hin denke, fragt die Schwester beim Zugang abmachen und verbinden, wie es denn so laufe und während ich das so sage denke ich bei mir, dass mir doch schon ganz schön kodderig ist und während ich das so denke spricht mein Mund das auch so aus und schwupp ist der Boden eingesaut. Die haben nicht umsonst jede Menge PVC verlegt, denke ich.

Da die Füße aber ja schon oben sind, verharre ich einfach bis das flaue Gefühl nachlässt und stelle erstaunt fest, dass der Arzt nicht nur auf einmal im Blutspendesaal steht anstatt in seinem Kabuff, sondern auch noch nervös ein Blutdruckmessgerät an meinem Handgelenk anbringt (nur so als Tipp an alle Blutspender: der Arm, mit dem man gerade gespendet hat, ist leicht lädiert und jeglicher hoher Druck, zum Beispiel verursacht durch Blutdruckmessen, verursacht hübsche blaue Flecke und dicke Ellebogen innen. In blaurotgrün.) während jetzt schon mehrere Schwester an mir arbeiten und am anderen Arm einen Zugang legen. Nun gut, ich kann ja gerade sowieso nicht weg. Also her mit der Ringerlösung, der Volumenverlust im Blutkreislauf will ausgeglichen werden.

Irgendwann hört dann auch alles auf, der Blutdruck stabilisiert sich und man ist nur noch besorgt um mich. Als Kind durfte ich als Lohn für die Tapferkeit beim Zahnarzt immer hinterher im Wartezimmer die Kinderschublade aufmachen und mir was aussuchen. Heute glaube ich, dass der Zahnarzt die Schokolade von Überraschungseiern liebte und nicht wusste wohin mit dem Spielspaß. Als Kind war mir das egal. Beim Blutspenden gibt es nach großer Tapferkeit ein T-Shirt. (Gut, oben ohne hätten die mich auch schlecht gehen lassen können, alle Taten kommen ja im Leben zu einem zurück und ich war oben rum, nun ja, nicht mehr frisch.) Der geek bringt mich in das "Hinterherwartezimmer" wo ich versuche, mit Tee und Keksen den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen.

Das gelingt so gut, dass ich voller Schwung alsbald auch dort das PVC auf Wischfestigkeit teste. Ab da ist dann jeglicher Gedanke an aufrechten Gang nicht mehr so genehm und eine Glukoselösung und zwei Stunden später landen der geek und ich - er gehend, ich liegend - in der Notaufnahme, schließlich will der Blutspendedienst auch mal Feierabend machen. Die Notaufnahme ist kein besonders freundlicher Ort, das sei Euch gesagt, aber trotzdem sind wir noch ein Weilchen geblieben, schließlich müssen die all ihre Ultraschallgeräte und Infusionen auch irgendwann mal nutzen. Bin ich gerne bereit zu helfen.

Dr. Oberarzt ist aber zuversichtlich, dass es sich um einen normalen gastrointestionalen Infekt handelt und schickt uns kurz nach Mitternacht nach Hause. Dass ich mich auf den 500 Metern von der Liege bis zum Auto 4 mal hinsetzen muss, damit ich vor lauter Schwarz vor Augen nicht umfalle, erwähne ich mal nicht, das klingt leicht weinerlich. Aber meine Liebe zur eiskalten, klaren Winterluft ist um einiges angestiegen, die macht frei, frisch und wach im Kopf, das sag ich Euch.

Wenn aber nochmal jemand fragt, ob ich vielleicht schwanger bin, dann steck ich den an. Volles Rohr.

Wie heißt es doch so schön? Gott ist gnädig. Ich nicht.

Kommentare:

  1. Meine Mama würde jetzt sagen: So wie du schon wieder meckern kannst, kann s nicht meh so schlimm sein :)! Trotzdem gute Besserung. Die Geschichte kann auf jeden Fall was...

    AntwortenLöschen
  2. Huhu Du Liebe,
    uiiih, das hört sich aber gar nicht gut an. Dann wünsch ich Dir mal eine schnelle Besserung. Und beim nächsten Mal Blutspenden - sei nicht so großzügig *giggle*. GLG Myriam

    AntwortenLöschen
  3. Ach Du jeee ... und ich hatte mir doch den guten Vorsatz genommen dieses Jahr (zum ersten mal in meinem Leben) Blut zu spenden ... jetzt steht der gute Vorsatz schon wieder auf wackeligen Füßen...
    Ihnen gute Besserung!
    Liebe Grüße, Fredda

    AntwortenLöschen
  4. Ohje du Arme, allein der grüne Teppich des Klinikums macht mich ja schon immer ganz fertig ... Da möchte man sich wirklich nicht länger als unbedingt nötig aufhalten. Gute Besserung :-)

    AntwortenLöschen
  5. Ausverkauf in der Magengegen taugt so überhaupt nichts... Gute Besserung!

    AntwortenLöschen
  6. Auweia, weia - gute Besserung!

    Und Respekt: Ich hab noch nie Blut gespendet (immer zuwenig davon gehabt) sondern nur bekommen - z.B. mal 2 Transfusionen am Stück, damit ich von 5,5 wieder aufn HB-Wert von 10,5 kam... :)

    Ich bin dir also im Namen aller Empfänger von 0+ (und allen anderen) tierisch dankbar, dass du dich so aufopferst :D

    AntwortenLöschen
  7. Ich bin auch immer ziemlich flott beim Aderlass und mein Ausgangsblutdruckwert treibt der anwesenden Frau Doktor sowieso schon immer die Schweißperlen auf die Stirn. Ich soll VOR der Spende immer nochmal Cola trinken. Aber die ist erstens eklig, nützt zweitens so kurzfristig gar nichts - sollte sie eigentlich wissen - und drittens lebe ich von Anbeginn meiner Tage mit so einem extrem niedrigen Blutdruck und zwar ausgezeichnet. (Einen Schlaganfall dürfte ich eher nicht bekommen.)
    Also spende ich ohne Colagenuss. Ist bisher auch immer alles gut gegangen.

    Tja, dann lass es beim nächsten Mal lieber etwas langsamer angehen.

    Grüße! N.

    AntwortenLöschen
  8. Aber das läuft immer so schnell wie es selber will... Ich kann da gar nichts für. Und bin immer noch nicht sicher, ob es nicht vielleicht doch NUR Magen-Darm war...

    AntwortenLöschen