30. März 2011

Ich habe fertig gezählt

Und nachdem ich mich gegen ein zweites Mal Zählen bis Unendlich entschieden hatte, erfand ich einen Cousin für den Stoffladenbesitzer von gestern.

Am Samstag hatte ich ein hehres Unterfangen. Ich wollte ein Päckchen verschicken. Das Päckchen befand sich allerdings noch in der Pubertät und war sich seiner Selbst nur bedingt sicher. Es hätte durchaus auch ein Großbrief sein können und war daher noch nicht frankiert. Spare in der Not...

Wer allerdings schon mal versucht hat, an einem Samstag bei der Post irgendeine Dienstleistung zu erhaschen, der wird festgestellt haben, dass sich die Postfilialen dieser Welt gerne verbrüdern im Kampf gegen die Langeweile. Und so schaffen sie herrlichste Warteschlangen, die von findigen Zeitgenossen entweder zum Seele baumeln lassen oder für anthropologische Studien genutzt werden können.

So auch in der Kaiserstadt. Die dortige Hauptpost ist nicht unbedingt der erste Ort, der mir für einen herrlichen Samstagvormittag einfällt. Der geek riet daher zur Großannahme gegenüber vom Vapiano und neben der Postfachabteilung, welche sich in einem separaten Gebäude befindet und somit versteckt vor Otto Normalkunde. Dort ist es immer leer und Post ist schließlich Post.

Aber kann man sich dessen sicher sein? Der geek schlug vor, wenigstens zu fragen, er hätte dort auch mal ein Rücksendepaket abgeben können. Da das aber schon frankiert und seines Selbst als Paket sicher war, blieb ich skeptisch.

Ich also hin, mit dem PäckchenSchrägstrichGroßbrief unter dem Arm. Aus gleißendem Frühlingssonnenschein betrete ich die gespenstisch leere Halle. Ein einzelner Postbeamter kämpft mit einem mannshohen Paket, in dem entweder eine sehr dicke und große Leiche oder eine Kühlgefrierkombination der Luxusklasse verpackt ist. Der plötzliche Temperaturabfall um 10°C beschehrt mir eine Gänsehaut. Ich trete nervös von einem Bein aufs andere, ready for Flucht mutig in Richtung Tresen.

Der Postbeamte hält inne und dreht sich zu mir um. Ich lächle tapfer und halte mein PäckchenSchrägstrichGroßbrief wie ein Schild vor mich. "Ich möchte gerne diese Postsendung aufgeben, kann ich das bei Ihnen machen?"

Ich erinnere nochmal an gestern: Seufzen, Arme hochheben und entkräftet auf die Theke fallen lassen. Nur dass er nicht 3 Sekunden später im Hinterzimmer verschwindet, sondern  stattdessen freundlich-entrüstet "Warum denn nicht? Wirkt das hier nicht wie die Post?" fragt. Wo er Recht hat...

Entwaffnet entgegne ich, dass draußen Großannahme steht und ich mein PäckchenSchrägstrichGroßbrief jetzt nicht unbedingt zu dieser Kategorie zähle. Glaube ich. "Ach was, solange ich Briefmarken und Paketband habe, können sie hier alles aufgeben."

Das ist doch mal ein Wort. Und ich erzähl jetzt jedem Kaiserstädter davon. Dann rennen die Samstags alle da hin und ich hab in der Hauptpost wieder meine Ruhe. Jetzt könnte ich doch einen DaWanda-Shop eröffnen.

Kommentare:

  1. lach.... Dinge gibts, die gibts gar nicht.. Besonders schön, wenn man ja eigentlich nicht damit rechnet.
    Wobei meine "Postfiliale" (die aus einem Schalter im örtlichen Supermarkt besteht) auch meist mit sehr freundlichen und hilfsbereiten Damen besetzt ist. Die allerdings glaube ich niemals bei der Post angestellt (oder sogar verbeamtet) waren... hm.

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  2. Täusch dich mal nicht. Bei uns ist die Postfiliale jetzt nämlich nicht mehr schnöde Post sondern PostBANK, ja ja. Seitdem machen die am Schalter immer noch das, was sie früher auch schon gemacht haben, nämlich Postsendungen entgegen nehmen, aber jetzt bekommst du nach dem Bezahlen noch ungefragt den Tipp, dass du jetzt sofort ein Konto eröffnen, den Stromanbieter wechseln oder einen Handytarifvertrag abschließen kannst. Das ist Service. Nur dass die Schlangen davor jetzt noch länger sind, weil die bei jedem Kunden erst ihren Spruch runterleiern müssen und sich das jede dritte Oma nochmal genau erklären lässt, bevor sie dann doch fest stellt, dass sie ja längst Sparkassenkundin ist und der Strom aus der Steckdose kommt - den Rest machen nun mal die Kinder ...

    Da hast du mit deiner Großannahmestelle richtig Glück und ich würde das ganz still für mich behalten.

    Grüße! N.

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