29. März 2011

Was soll das denn jetzt schon wieder?

Falls Ihr denkt, dass ich den ganzen Tag entweder Löcher in die Luft starre oder bis Unendlich zähle, nur um mir dann irrsinnige Geschichten für diesen Blog auszudenken, dann soll Euch gesagt sein, dass dem nicht so ist.

Und wenn, dann nur manchmal.

Heute ein Tatsachenbericht:

Wenn ich nach 48 Stunden Schuften in der Mine einem durchschnittlichen Bürotag in die Bahn steige, um dann nach 27 Minuten am Hauptbahnhof der Kaiserstadt wieder aus dem Buch aufzutauchen, dann liegt ein Stoffladen fast auf meinem Weg. Wege sind ja zum Glück flexibel.

Freitag brauchte ich Reissverschlüsse. Dringend. Man könnte ja denken, dass die Atomkatastrophe in Japan das eigene Denken einlullt und man nur noch innerlich panisch durch das Leben stolpert, aber manchmal lebt man sein eigenes profanes Leben mit all seinen lächerlich unwichtigen Problemen halt doch einfach weiter. Ich also reissverschlussbedürftig. Dringend.

Der Laden gehört einem zusammen sicherlich 483 Jahre alten Ehepaar. Beide ganz unglaubliche Zeitgenossen, die zwar nicht den großartigsten Stoffgeschmack haben, aber meistens alle Basisbedürfnisse decken können. So auch Freitag. Frau Basmati sucht aus: 3 Reißverschlüsse. 18 cm, 20 cm, 22 cm. Da Frau Basmati ja nur weiß, dass sie Reißverschlüsse braucht, ohne zu ahnen wofür, nimmt sie mal von allen Größen ein bisschen. Wird schon irgendwozu passen.

Ich lege sie ordentlich aufgereiht auf die Ladentheke und harre der Dinge, die da kommen. Sie kommen immer.

Er kommt hinter die Theke, lächelt mich an und inspiziert dann meine Kaufabsicht. Er atmet tief ein und hebt kraftlos die Arme bis auf Ellbogenhöhe. Und lässt sie aufseufzend wieder auf die Theke fallen. Er hebt den Blick und fragt: "Was soll denn das jetzt werden?"

Ich bin ein wenig angsterfüllt irritiert, reagiere aber blitzschnell und denke mir Nähprojekte aus, zu denen diese drei Reißverschlüsse passen könnten. "Drei Taschen, alle verschieden groß." Ok, nicht sehr phantasievoll, aber ich stehe auch äußerst unter Druck.

Er geht. Weg.

Ich bin ein wenig perplex und bleibe abwartend stehen, schon alleine um nicht dem vollen Laden meine verwundete Seele zu präsentieren. Nach einigen Sekunden taucht er aus dem Hinterzimmer wieder auf, mit einer DIN A2 großen Plastiktüte voller Reißverschlüsse in der Hand. Er kramt und kramt und fördert schließlich 3 weiße Reißverschlüsse der Länge Hunderttausendzentimeter ans Tageslicht. Er wirft sie schwungvoll auf die Ladentheke, auf meine liebevoll selektierten 18, 20 und 22 Zentimeter. Triumphierend blickt er mich an:

"Nehmen Sie doch die, da nähen Sie am Ende zweimal drüber und schneiden den Rest ab. Ist viel billiger."

Guter Mann, glückliche Frau. Formerly known as "Ende gut, alles gut".

Kommentare:

  1. Der Mann denkt mit !! So einen Laden brauche ich auch :-) da kann man hingehen, wenn man ein Aufmunterung braucht und man weiß nie, was man hinterher nach Hause trägt ...

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  2. Endlosreißverschlüsse? Waren denn da zu jedem Teil mehrere Schieber dabei, damit man wirklich aus einem viele machen kann?

    Unglaublich, aber ich liebe solche "schrulligen" Ladenbesitzer vom alten Schlag auch sehr.

    Wir haben hier einen Lederladen (also für Taschen, Koffer und solchen Kram). Die führen auch Reparaturen durch. ... und sind unglaublich in ihrer Beratung. Als würden die besser wissen als ich, was ich wirklich brauche und will. Ich gehe da sehr gerne hin. Allerdings brauche ich nicht so viele Taschen, wie ich gerne dort kaufen würde.

    Grüße! N.

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