12. Mai 2011

Ein Wort und die Welt steht still

Manchmal braucht ein Mann nur ein Wort zu sagen und die Welt um einen herum steht still.

Gestern zum Beispiel. Ich stehe pünktlich an der Bushaltestelle und warte auf den Bus, der mich heute mal nicht zum Bahnhof, sondern in die Nähe der Autowerkstatt fahren soll, in der Mr. Goldfinger zu einem Checkup-Termin abgestellt wurde.

Pünktlich fährt der Bus um die Kurve und hält vor mir an. Ich steige ein. Bisher ist das eine sehr langweilige Geschichte, aber jetzt gleich geht es los. Versprochen.

Cati: "Guten Tag, ich bräuchte bitte eine Fahrkarte bis Niederheidweg."

Busfahrer: "Warum?"

Ja, da hört die Langeweile doch direkt auf, gell? Warum? Ich bin ein wenig perplex und dies ist genau der Moment, in dem die Welt still steht und verharrt. Alle Vögel hören auf zu singen, der Wind hält die Luft an und selbst die Sonne strahlt nicht mehr sondern harrt meiner Antwort.

Vielleicht hab ich ihn ja falsch verstanden. Oder er mich. Das Radio plärrt schließlich recht laut.

Cati: "Eine Fahrkarte brauche ich, bis Niederheidweg."

Busfahrer: "Ja aber sie haben doch eine."

Inzwischen bewegt die Welt sich wieder, ich denke sogar, ein leises Lachen hören zu können. Das muss die Sonne sein oder der Wind, die sich grinsend den Bauch halten. Irritation macht sich breit.

Cati: "Nein, ich brauche eine. Bis Niederheidweg."

Busfahrer: "Aber gestern und vorgestern hatten sie doch eine Abokarte."

AHA, da hängt der Hammer. Er erinnert sich an mich. AN MICH. Und das, obwohl ich Montag und Dienstag die einzige Mitfahrerin war. Für jeweils ganze 15 Minuten.

Kann ja kein Mensch ahnen, dass man sich hier auf dem Dorf noch umeinander kümmert und sich nicht hinter der Anonymität versteckt. Ich muss lachen und er auch, weil wir schließlich beide nicht wussten, wovon wir reden. Meine Erklärung, dass der geek heute die Abokarte hat, da ich ja mit dem Auto in die Werkstatt musste, findet er äußerst einleuchtend und verkauft mir die UNGLAUBLICH TEURE Fahrkarte bis kurz hinters Nichts.

Heute geh ich lieber wieder zu Fuß. Obwohl ich die Abokarte wieder dabei habe.

Kommentare:

  1. Gute Geschichte! Warum? :)
    Die besten (und leider auch die miestesten) schreibt wirklich das Leben ... Liebe Grüße!

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  2. Hach, manchmal gibt es sie noch, die Kundenfreundlichkeit.
    Macht das Leben doch netter (und die Öffis *g*).

    Muß auch immer kichern, wenn ich 2 Wochen im Zug bei der gleichen Station vom gleichen Menschen kontrolliert werd.
    Zumindest die Dame von der Post kennt mich schon sehr gut *g* (jo, weil da ja nie nicht so ankommt, wie sollt).

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  3. Herrje -

    das Faultier schrieb oben und hörte "lena" im Tv und aus Panik ward der eigene Name vergessen *g*

    Sid

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