3. Mai 2011

Ihr denkt sicher

"Ach, die Basmati, die hat auch ein laues Leben, sitzt den ganzen Tag im Büro und starrt Löcher in die Luft, surft hektisch von halb eins bis eins im Internet, kommt abends nach Hause und geht wahlweise joggen, nähen oder dem geek auf die Nerven."

Nun, dem ist auch so.

ABER.

Manchmal führt das Leben mich ja auch in den Dom. Nicht so häufig in diesem Jahr, bzw. seit letztem Jahr gar nicht mehr, denn man weiß ja, dass das ISG nicht so gerne rumsteht, aber irgendwann muss auch mal Schluss sein und dem ISG gezeigt werden, wer hier die Chefin ist. Das bin ich, falls da jetzt gerade Fragen aufkamen.

Neulich also folgender Telefonanruf:
"Frau Basmati, das mag recht kurzfristig sein, aber könnten sie übermorgen mal kurz eine Gruppe durch Dom und Schatzkammer führen auf Englisch? Ich sag noch Bescheid, ob es wirklich klappt, da insgesamt 3 englischsprachige Leibeigene gesucht werden, das ist auf die Schnelle ja nicht so einfach. Man munkelt, dass auch englischsprachige Leibeigene ein eigenes Leben, ab und an sogar mit Terminen haben. Tststs."
Schön dass es Leute gibt, die denken dass wir Domführer nur so am Dom rumlungern bis man uns aus lauter Mitleid 70 kulturinteressierte aber leider nur englischsprachige Menschen schickt. Organisieren wir gerne, auch kurzfristig. Jaja.

Pünktlich sitzt Frau Basmati also im Domführerkabuff und harrt der Dinge Menschen die da kommen. Pünktlich erscheint nicht: die Gruppe. Nach 10 Minuten erscheint aber der hoffnungsfrohe und kurzentschlossen Führungen buchende Betreuer der 70 kulturinteressierten aber leider nur englischsprachigen Menschen, der vollkommen davon irritiert scheint, dass die Führung etwas kosten wird und man die Gruppe dann ja auch noch in die Nähe des Domes bugsieren müsste, um die Führung durch den Dom zu starten. Nun gut, kann ja jedem mal passieren.

Es sind übrigens auch weniger als 70 kulturinteressierte aber leider nur englischsprachige Menschen, nämlich nur so viele, dass man nur zwei Gruppen bräuchte. Da freut sich eine der spontan flexiblen Leibeigenen, hat ihr Nachmittag doch auf einmal 90 Minuten mehr Zeit. Die Kassenkraft rechnet derweil fachmännisch aus: total oft Eintritt plus Führung plus Fremdsprachenzuschlag = total viel Geld.

Die Summe löst scheinbar Irritation aus, denn er fragt "Und das macht dann wieviel?" was wiederum bei mir Irritation auslöst. Nun gut. Die Antwort könnt Ihr Euch denken: "Das macht total viel Geld." Er werde dann mal das Geld einsammeln gehen.

Ich lache mich innerlich scheckig über diese Lebensuntauglichkeit, denn wer eine Dienstleistung bestellt, der sollte doch wenigstens vorher schon mal darüber nachgedacht haben, dass die Dienstleistung etwas kostet und irgendjemand dafür zahlen muss. Meist der Bestellende. Aber gut, Unwissenheit schützt, auch vor dem Leben.

Nach einiger Zeit (10 von 90 Minuten Führungszeit sind nun um) kommt er wieder. Es wäre ihm nicht möglich, von den Einzelpersonen den Beitrag einzusammeln, weil er nicht so viel Kleingeld habe. Die Leute würden nun einzeln bei uns zahlen. Die Kassenkraft stimmt in mein innerliches Lachen ein und gibt zu bedenken, dass wir auch nicht so viel Kleingeld in der Kasse hätten. Aber gut, wir schauen mal wie weit wir kommen.

Was denn übrigens passieren würde, wenn man die Führung ausfallen ließe? Nun, dann müsse man Ausfallgebühr zahlen. Wieviel das denn wäre? Nun, das wäre dann viel weniger als total viel Geld. Aha.

Nach einiger Zeit (20 der 90 Minuten Führungszeit sind inzwischen um) kommt er wieder. Es würde sich herausstellen, dass die kulturinteressierten aber leider nur englischsprachigen Austauschstudenten (die ja bekannt für ihr Kulturinteresse sind) nun doch keine Lust haben, bei dem schönen Sonnenschein durch Dom und Schatzkammer geführt zu werden.

Scheckiges Lachen. Innerlich.

Was denn passieren wird, wenn man die Führung nun wirklich ausfallen lässt? Nun, dann müsse man Ausfallgebühr zahlen (siehe oben). Wieviel das denn nochmal genau wäre? Und ob man das auf Rechnung machen könnten, man habe nun nicht so viel Geld dabei.

Das nicht jeder mit den Abläufen eines Museumbetriebs vertraut ist leuchtet mir ja ein. Aber wenn ich eine Führung buche, muss ich diese Führung wohl bezahlen. Und wenn ich diese Führung für ein bestimmtes Zeitfenster buche, muss ich wohl auch innerhalb dieses Zeitfensters anwesend sein. Schwieriges Land, dieses Deutschland.

Kommentare:

  1. Ihr seid da aber auch vielleicht ein bisschen kleinlich in Eurem Dom....

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  2. tja, ich bin mal wieder baff und staune, wie die menschen so sind ... erwarten, dass andere alles freiwillig ehrenamtlich und aus lauter liebe tun :) hättse doch ma machen können, cati. ich find auch, fee hat recht, ihr seid aber auch kleinlich. und dann hattese doch jetzt eh langeweile, was macht man schon mit 90 minunten frei! wer will das schon, einfach zeit haben ... so, so, wenn ich dann mal in deine richtung komm - kann ich dann auch eine domführung auf nicht-englisch für 70minus69 personen buchen? und was kostet DANN die ausfallgebühr, wenn doch die sonne scheint! das würde mich jetzt mal interessieren ...

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  3. Unser Dom, genau. Deswegen können wir da so kleinlich sein wie wir wollen!

    Und Katrin, wenn Du mal in die Kaiserstadt kommst, dann kostet die Ausfallgebühr für eine Führung für 70minus69 Personen bei Sonnenschein genau 1 Eis für die Domführerin!

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  4. Hihi ... ohje ... ich kringel mich schon, wenn ich mir die hektische Kleingeld-Sammelaktion nur vorstelle ... um Eure verlorene Zeit tut es mir natürlich leid, aber die Situation ist schon selten dämlich *kicher*
    Liebe Grüße, Fredda

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  5. oh, das ist drin in der reisekasse - in jedem fall :) überlege mal, wann ich die reise denn plane ... sollte ja möglich sein, soweit is ja ga'nich

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  6. (ps du erkennst mich dann an dem tropfenden eis in der hand, vorm dom ...)

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  7. Oh ja, lass uns mal was ausmachen!

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