7. Juli 2011

Lousberglauf 2011

Eigentlich sollte dieser Post ganz anders heißen, nämlich "Lousberglauf - und der Himmel verdunkelt sich". Man ist schließlich ein Freund von Traditionen und weiß, was kommt. Anscheinend kommt es aber erstens anders, und zweitens als man denkt und so sicher wie das Amen in der Kirche ist der Regen dann wohl doch nicht. Ich denke an einen subversiven Täuschungsplan des Wetters, angelegt auf einen Mehrjahreszeitraum, denn letztes Jahr war ja auch schon Sonne.

Wie dem auch sei.

Bei Verlassen des Castle Grayskull fielen die ersten Tropfen, wir so "Siehste!" und dann Abfahrt und Ankunft am Ziel. Rest fast wie immer, weil ohne Catis Laufschuhe und somit ein anderes Fazit:
  1. Die Zeit des geeks ist ähnlich wie sonst, was ihn ärgert und mich freut, beides aus gleichem Grund: ich bin nicht die Bremse und kann nicht als Entschuldigung herhalten.
  2. Sonne ist schon schöner.
  3. Man sollte die kopfrechnenbegabte Studenten an die Bon-Kasse setzen oder die Ausgabe von Taschenrechnern erwägen.
  4. Die Ausgabe einer Startnummer nebst Sponsorenshirt und Trinkflasche steigert das schlechte Gewissen ungemein.
  5. Wer nicht mitläuft, muss Bons besorgen und steht sich vor den kopfrecheneherunbegabten Mitmischern die Beine in den Bauch bis Würstchen alle und nur noch sehnige Kotelettes zu haben sind.
  6. Wer nicht mitläuft, muss den Rucksack tragen. Die ganze Zeit.
  7. Wer nicht mitläuft, muss Fotos machen. Auch von den plötzlich zu Bejubelnden, die dann auch noch zu bejubeln sind.
  8. Kauft mehr Wurst ein und dafür weniger sehnige Kotelettes. Übrigens meinte ich gestern Kotelette im Brötchen und nicht Bratwurst, meine Erinnerung wurde von dem Brötchen getäuscht.
  9. Mitlaufen ist deutlich weniger anstrengend:
    1. Beim Start ist der Adrenalinspiegel auf der falschen Seite des Streckenabsperrgitters genau so hoch wie auf der Läuferseite, nur dass der Körper nicht weiß, was er damit anfangen soll.
    2. Kurz vor dem Start begibt man sich hektich auf die andere Seite der Startlinie, damit man die Gestarteten auch gebührend anfeuern kann.
    3. Wenn man trotz der schlechten Sicht, man steht ja hinten, das Startfeld Nr. 1, formerly known as die Schnellen, fertig angestaunt hat, ertönt der Startschuss für das Feld der Normalsterblichen und man man begibt sich hektisch noch ein weniger weiter bergauf entlang der Strecke bis man eine Stelle findet, an der man selber in der ersten Reihe stehen kann.
    4. Von Massenblindheit kalt erwischt sucht man hektisch die Menge ab nach den zu Bejubelnden, die dann natürlich auf einem Haufen an einem vorbei sausen, was beinahe zum Verpassen des geeks geführt hätte. Da der nicht an Massenblindheit leidet, ging es gottseidank gut aus.
    5. Nach dem Vorbeilauf der zu Bejubelnden muss man sich dann bereits hektisch in Richtung Ziel bewegen, welches - Rundkurs sei Dank - nur wenige Meter hinter einem liegt, jedoch bereits von den schlau am Start = schlau nahe Ziel postierten Zuschauerprofis belegt ist, so dass nur noch eher hinten in der Auslaufzone mit erschwerter Sicht ein Platz am Gatter zu finden ist.
    6. Dort ist jedoch kurz Zeit für ein wenig Meinungsbildung über die Mitwirkenden Helferlein bevor man sich Gedanken darum machen muss, warum Zieleinläufer 1 und 2 den Eindruck machen, sich gleich prügeln zu wollen.
    7. Alsbald läuft das Gros der Läufer durchs Ziel und staut sich schwitzend in der Auslaufzone, da niemand auf die Idee kommt, die abzugebenden Startnummern einfach vom Shirt abzureißen, anstatt mit zitternden Fingern die Sicherheitsnadeln zu öffnen. Richtig, neuer Schweiß stinkt nicht, aber alter schon. Will ich nur mal sagen.
    8. Hektisch und auch ein wenig verzweifelt sucht man beständig in der Menge nach dem geek, bis eine neben einem zusammenbrechende Läuferin ihr schlechtes Ergebnis kommentiert und man sich sicher sein kann, ihn verpasst zu haben. So lange braucht er sicher nicht und wenn doch, kommt er mit einem Sanitäter und wird sowieso woanders abgeladen.
    9. Da man nicht die Auslaufzone queren darf - kleinlich - kämpft man sich außen rum durch die Wogen schwitzender und jubelnder Menschen und macht sich auf die Suche nach dem Sponsorzelt, an dem man den geek vermutet. Dort ist er auch schon und es wird gratuliert.
Und die Moral von der Geschicht': Nicht mitzulaufen lohnt sich nicht.

Sag ich ja jedes Jahr, hört doch mal auf mich. An dieser Stelle: Gratulation, Frau Romi! Fotos kommen noch, ich musste ja erst noch zu Burger King und dann ins Bett, ausruhen von dem hektischen Abend.

Kommentare:

  1. Herrlich!

    Danke für diese aufschlußreiche Argumentskette gegen "laufschuhezuhausevergessen". Sollte das nochmal vorkommen, einfach mit Straßenschuhen laufen - alles besser, als NICHT mitzulaufen ;)

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  2. Schöner Bericht! Zu Punkt 7 kann ich nur sagen das meinereiner vor 2 Jahren ebenfalls auf die glorreiche Idee gekommen ist die widerspenstige Laufnummer einfach abzureißen... Leider hat sich beim Zweikampf faserverstärkte Papierlaufnummer gegen Adidas T-Shirt zu meiner großen Verwunderung die Laufnummer durchgesetzt... Interessanter war da noch das Komentar des direkt hinter dem Ziel stehenden Aufpassers: Nicht stehen bleiben... Weiterlaufen... Nur um 3!!! Meter hinter ihm von seinem Kollegen gezwungen zu werden anzuhalten um die Laufnummern abzugeben :-)

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  3. :-) eine ganze Seite lang!!!

    Hatte oefter als oft selbst auch die gleichen Eindruecke wie Du da gerade beschreibtst. Dein Vorteil ist allerdings, dass Du wirklich beide Seiten kennst - zumindest jetzt.
    Meinen A . . . h JE in auf die 'bessere' Seite zu bewegen sehe ich allerdings sehr chancenlos. Ich werde also doch wieder zaehnefletschender (aus div's Gruenden) Support-Manager bleiben ;-) .

    Andere Frage: hast Du ca. eine Ahnung, wie lange die gesteigerte Adrenalin-Ausschuettung bzw. Wirkung 'wissenschaftlich' (die 'andere'/psychische kenn' ich ;-)!) anhaelt?

    Und bevor ich's vergesse: Gratulationen an alle die Dir bekannt und lieb sind; was da hoffentlich auch ein wenig Dich selbst beinhaltet in Deinem diesmaligen 'falschen Job' bei der Sache.

    Liebe Gruesse,
    Gerlinde

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  4. Danke, liebe Cati!
    Ich hatte noch den Falafelteller und ein DelNegro Eis - mmmhm!

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