8. Juli 2011

Neulich im Fettnäpfchen

Es gibt ja so Kollegen, die plötzlich feststellen, dass sich Vollzeitberuf und Vollzeitstudium nur schwer vereinbaren lassen, solange der Tag weiterhin nur 36 Stunden bietet. Woraufhin diese Kollegen dann irgendwann ihren letzten Tag im Büro haben, gefolgt von einem letzten Feierabend. Und somit einer letzten Gelegenheit für Cati Basmati, ins Fettnäpfchen zu springen.

Ach da schau mal einer guck: gestern war so ein Tag.

Frau Basmati wandelte bereits physisch auf dem Nachhauseweg und psychisch lag sie schon im Feierabendkoma, als sich von hinten beinahe lautlos ein Fahrradfahrer anschlich. Beinahe lautlos, weil die Ortsausfallstraße eine gerine Menge Eigenlärm absondert. Das erschwert die genaue Lautlosigkeitsbestimmung.

Aus ihren Tagträumen wird Frau Basmati durch ein männlich-fröhliches "Hallo Cati" gerissen, so dass sie verschreckt einen 7m-Satz zur Seite macht. Der Fahrradfahrer ist mit einer verspiegelten Sonnenbrille maskiert, so dass Frau Basmati lediglich die Zuordnung zum Kollegenkreis - weil noch so nah an den heiligen Hallen und im Ort weit weg jeder Freizeitbekanntschaft - gelingt.

Und noch während die feierabendlethargische Frau Basmati ihre embryonal verzogenen Kopf-länger-Rumpf-Proportionen im Glas der verspiegelten Sonnenbrille bewundert, sieht sie sich unwillentlich in folgenden Dialog involviert:

vespiegelte Sonnenbrille: "Ja dann mal alles Gute!"
verunsicherte Cati: "Ja, schönen Feierabend!" Verunsicherung wächst ob der Formulierung zum Feierabend... aber gut... ist auch nicht die Kaiserstadt hier...
verspiegelte Sonnenbrille: "Ja, ist der auch der letzte....." Zaunpfahlschwingende Einladung zur Fortführung des Gesprächs
verunsicherte Cati ist noch nicht so weit: Stille
verspiegelte Sonnenbrille: "Ja, ich muss dann mal los zum Zug...." und entschwindet

Synaptischer Hochleistungssport im oberen Inneren der Frau Basmati bringen Licht ins Dunkel der Nichterkenntnis und der scheidende Kollege wird als solcher identifiziert. Was sie ihm dann an guten Wünschen und Abschiedsworten hinterher ruft, bleibt unter dem Mantel der Ortsausfallstraße absorbiert.

Leute nicht zu erkennen ist eine meiner herausragenden Fähigkeiten direkt nach Spezialität Nr. 1: Massenblindheit, wobei Masse = Menschengruppe > 5. Die Peinlichkeit dieser Situation wird allerdings deutlich gemildert durch die Tatsache, dass die Träger verspiegelter Sonnenbrillen ruhig mal zur Strafe ihre Züge verpassen dürfen. Womit ich definitiv nichts zu tun habe, das Gespräch war ja eher kurzangebunden.

Nächstes Mal tu ich wieder so, als wäre ich meine Zwillingsschwester, die niemanden aus meinem Leben kennt, weil wir direkt nach der Geburt getrennt wurden und sie in Temple Terrace, Florida, aufwuchs. Ja, da war sie auch Cheerleaderin. Und Captain des Wrestlingteams, wir sind vielseitig begabt.

Kommentare:

  1. Ich lach´mich schlapp!

    Frau Basmati, ich sehe Dich nach Deiner Schilderung so deutlich vor mir, als wäre ich selbst dabei gewesen!

    Mein Gott, wie gut ich diese peinlichen Momente kenne!

    Perfekt beschrieben!
    Danke!


    Gruß,
    Papagena

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  2. Ach Cati, du schreibst so schö-höön. Und manchmal denke ich sogar du schreibst über mich. Dabei kennen wir uns doch garnicht. Oder? Also auch nicht ohne Spiegel-Sonnenbrille...

    Einen schönen Feierabend wünscht
    Frau B.

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