17. November 2011

Red Bull mag Flügel verleihen, aber Flügel verheißen nicht immer Gutes

Die naive Hoffnung dass das Austeilen von Schwimmnudeln etwas Gutes ist, habe ich bereits vor langer Zeit verloren. Noch nie entwickelte sich eine Badewannenkampfsporteinheit zu meiner faulen Zufriedenheit, nachdem ich eine ausgeteilt bekommen habe.

Neulich gelernt: Das Austeilen von Schwimmflügelchen ist noch viel schlimmer. Die kindliche Konditionierung des Kindes, dass Schwimmflügelchen alles leichter machen, ließen mein Herz zunächst vor lauter Vorfreude schneller schlagen, ein gleichmäßiger Rhythmus der dann jedoch abrupt durch Herzrhythmusstörungen ersetzt wurde, als man mir besagte Schwimmflügelchen wieder abnahm mit dem Kommentar "Du bekommst größere."

Richtig, das hieß nichts Gutes.

Größere Schwimmflügel haben unglaublich viel mehr Auftrieb. Der Größenzuwachs potenziert sich da sozusagen. Und viel mehr Auftrieb schützt zwar vor plötzlichem Tod durch Ertrinken, bedeutet aber auch wesentlich mehr Kraftaufwand, wenn die Flügelchen nicht engelsgleich am Ärmchen arretiert, sondern in der Hand gehalten werden und unter Wasser damit gefuchtelt werden soll. Koordination und Körperspannung werden häufig überbewertet.

Ein Blick auf die Uhr verriet allerdings, dass direkt nach dieser Tortur die Entspannungsphase folgen würde, was ein letztes Aufbäumen sportlichen Ehrgeizes zur Folge hatte, so dass den Schwimmflügelchen gezeigt werden konnte, wer hier die Herrin im Schwangerschaftsbadeanzug ist.

Die Entspannungsphase gestaltet sich aber dank der Flügelchen um einiges unterhaltsamer als sonst. Zumindest redet man sich das ein. Zu zweit ein Team bildend bekommt einer beide Paar Flügelchen, um sich diese über Hand- und Fußgelenke zu streifen. Die zweite Teamhälfte wird dann die erste Teamhälfte durchs Wasser schieben, an sich sehr zu empfehlen. Man darf nur nicht einschlafen, oder an Rosenfelder denken.

Man stelle sich folgendes vor: Am Rand des Beckens befinden sich breite Stufen, auf denen sitzend man ca. ab Brusthöhe aus dem Wasser ragt. Soll nun ein Paar der Flügelchen an den Sprunggelenken festgemacht werden, setzt sich Otto Normalwassergymnastler auf diese Stufe, denn Schuhe zieht man auch lieber im Sitzen an. Deswegen der samstägliche Kampf um die wenigen Sitzgelegenheiten in Schuhgeschäften. Außerdem erinnert man sich an früher, als man kinderdünne Ärmchen hatte. Schon damals war das Anziehen aufgeblasener Flügelchen eine spannende Angelegenheit, die nun sicher nicht einfacher wird, nur weil man nicht mehr ganz so kinderdünne Ärmchen hat. Ein Otto Normalwassergymnastler der Kategorie Cati Basmati setzt sich also hin und nimmt erst mal die Fußflügel in Angriff.

Merke: Große Schwimmflügelchen an Sprunggelenken sorgen dafür, dass der Fuß Oberwasser behält. Erinnert man sich nun daran, dass man bis zur Brust im Wasser sitzt, dann ahnt man was passiert, wenn der Fuß nun ebenso hoch angebracht ist. Und nun versucht mal, das zweite Flügelchen über das zweite Sprunggelenk zu ziehen während der andere Fuß über Wasser gehalten wird, rechts und links nichts ist zum Anlehnen und um einen herum alle lachen. Verzweifelt lachen, denn die Hälfte der Teilnehmer versucht gerade ähnlich galant, Flügelchen an Füßen und Händen zu positionieren.

Aber: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Und vergnüglich ist es schon, vom Entspannungspartner durchs Wasser geschoben zu werden, während man flügelchengestützt dahin schwebt wie eine Elfe durch Wattewolken.

Aber auch: nach dem eigenen Vergnügen kommt das Vergnügen der Entspannungspartnerin und die möchte nun ihrerseits die Flügelchen überstreifen. Und schwitzt schon vor lauter Anstrengung ob des Kommenden Balanceakts. Nun gut, stellt Euch folgendes vor: Füße und Hände bleiben an der Wasseroberfläche, während man engelsgleich zurück in Richtung Sitzstufe am Beckenrand schwebt. Dort angekommen versucht man, trotz der nicht mehr ganz so aktiven Bauchmuskulatur den Po nach unten zu drücken, denn das ist eine Grundvoraussetzung für das galante Sitzen auf der Stufe. Und das strebt man ja an, ist man doch angehalten die Flügelchen zu übergeben. Klappt nicht. Übrigens.

An dieser Stelle endet die Erzählung abrupt, da mein Unterbewusstsein beschlossen hat, mich durch schieres Vergessen zu schützen.

Also bis zum nächsten Mal wenn es wieder heißt: "Ballet? Nein, das ist nur was für grazile Mädchen."

Kommentare:

  1. Ach-Gott-ist-das-köstlich!!!

    Super geschrieben - ich sehe alles ganz bildlich vor mir und lache mich schlapp!

    Gruß,
    Papagena

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  2. und warum bist du nur immer so furchtbar lustig? ich beömmel mich gerade ... wunderschöne bilder, die du da heraufbeschwörst ... ich stell mir das gerade noch mit orangefarbenden wenig körperbetonten schwangerschaftssäcken, äh badenanzügen vor ... und weiß wieder, warum ich irgendwann nicht mehr schwimmen gegangen bin ... auch wenn ich nun natürlich hier die vorzüge lese ... toll!

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