26. April 2012

Ich hab gar nichts gemacht, das passierte von ganz alleine

Weil Wulfhild immer noch nicht laufen kann, musste ich sie neulich zum Shoppen fahren. Tu ich ja gerne, gute Mutti ich.

Nachdem wir uns müde geshoppt hatten, verwundert darüber, dass die Stadt denkt, man bräuchte diese Arkaden, wo doch offensichtlich gar nicht genügend Kunden existieren, mussten wir uns in einem Café stärken. Und es geschah folgendes:

Da die ungenügende Kundenzahl schon nicht ausreichte, um pro Geschäft einen Kunden zu stellen, kann man sich vorstellen, dass das Café im Kellergeschoss sehr leer war. Genauer gesagt war ich die einzige Kundin, Wulfhild zählen wir mal nicht, da sie keinen eigenen Stuhl braucht. Da Wulfhild aber Hunger hatte, setzten wir uns in die hinterletzte Ecke, Mutti packte aus, Kindchen trank. So weit, so gut.

Enter: PP, the Peinlichberührte Passant. Er bestellte einen Kaffee. Und eine Mandeltatze. Beides bekam er. Er suchte sich einen Platz. Er nahm nicht einen der vielen freien Plätze an einem der zehn Tische vorne oder in der Mitte. Nein. Er nahm einen freien Platz in der hinterletzten Ecke.

Und stellte dann fest, dass ich nebenan stille. Das war ihm äußerst peinlich. Er überlegte kurz, kam aber wohl zu dem Schluss, dass es ihm noch peinlicher sein würde, aufzustehen und sich umzusetzen. Sie stillt ja nur, das ist ja nicht ansteckend. Also blieb er. Und trank tapfer seinen Kaffee.

Der schlimmste Kaffee seines Lebens.

Ich hätte ihm gerne etwas aufmunterndes zugerufen, aber dann wäre er sicher überfordert vom Stuhl gekippt, die Augen starr geradeaus. So hab ich nur still in mich hineingelächelt. Und Stille und Stillen genossen.

Kommentare:

  1. Unglaublich, dass es wirklich heutzutage noch solche Menschen gibt! Nein, nicht die die Stillen, sondern die, die etwas dagegen haben oder peinlich berührt sind.

    Er hätte sich ja woanders hinsetzen können. Waren ja scheinbar noch genügend Plätze frei!

    *kopfschüttel*

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    1. Ich glaub ihm war es peinlich, dass er mir so nah auf die Pelle gerückt ist, anstatt uns beiden "Platz" zu lassen. Er machte nicht den Eindruck, dass er etwas dagegen hatte oder dass ihn stillende Frauen an sich peinlich berühren. Niedlich ;-)

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    2. Achso, das lässt ihn jetzt in nem anderen Licht erscheinen!
      Ja du hast Recht, dann wirkt es wirklich "niedlich" :D *hihi*

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  2. vielleicht könnte man so Schilder am Eingang von Cafés und Restaurants aufstellen "VORSICHT, Stillende Mutter"
    kicher!
    der ARME Mann, aber Respekt, "nicht umgesetzt"
    lg
    Claudi

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    1. Ach, lieber nicht, ich bin schließlich auch so ein Kandidat für "Tomaten auf den Augen haben" ;-)

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  3. Na ja, bei uns hier wird das von 'Fall zu Fall' unterschiedlich erachtet!

    Eines ist zumindest faktisch durchgesetzt: stillende Muetter in Parliaments-Sitzungen sind 'auf Raeumlichkeiten' ausserhalb von moeglichen TV-Augen hingewiesen - 'staerkstens' - worden!
    Auch wenn 'diese Taetigkeit' nicht unter die selbe Notwendigkeit wie 'Tinea oder STD's regelmaessig eincremen' faellt, so ist es - mM (trotz 'Nessel-setz-Gefahr) - schon immer von Fall zu Fall abzuwaegen!
    In Deinem Fall bei deeeer 'Riesen-Menge' Kunden-Anfall: i.O., denke ich!

    Liebe Gruesse,
    Gerlinde

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    1. Ach, er tat mir ja auch nur so leid, weil er nicht unhöflich sein wollte (im Sinne von "mir das Gefühl geben, dass er das jetzt komisch oder fies findet")...

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  4. Caaatiii,

    grinsende Gesichter hier meinten doch glatt kess zu Deiner Geschichte wie folgt:

    "... hat sich vielleicht gefreut, endlich 'was Huebsches zu sehen!!!"

    Trotz 'Pink-Neid' auf dieser 'Ebene' (oder 'Hoehe' ;-) ?!): liebe Gruesse,

    Gerlinde (= ausser Konkurrenz - seufz!)

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    1. Ne, da hätte er ja gucken müssen, das hat er sich aber ja nicht mehr getraut. Herrlich :-)
      Ich bewerbe mich übrigens jetzt mal für's australische Parlament. Das scheint mir ein lustiger Ort zu sein!

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  5. Ja, ist es, d.h. leider so, aeh, 'schwung- und temperamentvoll', dass der Laden leider absolut mit seinen Manieren nicht als Vorbild fuer die Jugend zu erachten ist - sorry!!!
    Manchmal habe ich den Eindruck, die machen das mit Absicht und als 'abgekartetes Spiel' um uns zu verwirren mit ihrem schlechten Benehmen dorten und damit wir uns damit nicht zu sehr in 'deren' Politik einmischen = Trick 17, oder so! ;-)

    Wenn man daaaa mitunter im TV deren Sessions mitguckt/-hoert, hebt's sogar einem verbal wirklich arg 'kampferprobten Bayern' wie mir mitunter die Hutschnur!
    (aber zumindest aeusserst billiges Entertainment ;-) !)

    Mach' ruhig mal einen Antrag - voll dafuer (ich warte, wie lange es dauert, bis sie Dich -auch - 'ver-australischt' haben; irgendwie schafft dieser verflixte Mix das hier doch glatt mit allen, obwohl keiner genau definieren kann, WAS 'australisch' ist! ;-) :-D und dann sind sie mitunter glatt schlimmer/besser als die 'Musketiere' (trotz Sprach-Problemen!) ;-)

    Was Deinen 'Mit-Kunden' in prekaerer Sit. anbetrifft: Versuch's doch naechstens tatsaechlich von Deiner Seite aus mit dem jovialen, freundlichen Satz von ca. "kann verstehen, wenn ihnen das vielleicht in unserer Naehe jetzt etwas peinlich wird*; wenn Sie woanders hinwechseln wollen, so nehme ich das nicht als Beleidigung, aber bitte verstehen Sie, ich selbst wuerde gerne zu 'dem Zweck hier' etwas im Hintergrund hier sitzen bleiben."

    oder
    ... wenn ihnen unser Tun hier unangenehm ist ...


    In diesem Sinne und mit lieben Gruessen,
    Gerlinde
    (wetten, dass Du ab dem zweiten Kind diese 'neue Schuechternheit' anders handhabst?!)

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  6. Ein Schmunzeln am Abend, danke für die schöne Geschichte! Als alte Frankenbergerin shoppe ich auch schon mal in den Arkaden (so auch heute, beim Drogeriemarkt meines Vertrauens - und siehe da, um 12 Uhr Mittag lockte der Chinese gegenüber, an den hatte ich mich bisher auch noch nicht ran getraut!). Ich stille auch in der Öffentlichkeit und mein Baby ist schon 9 Monate alt - da ernte ich schon mal fragende Blicke. Lustig wird´s dann, wenn die kleine Kröte sich die neugierig guckenden oder nicht-guckenden Menschen genauer ansehen möchte und gleichzeitig versucht, dabei nicht abzudocken. Autsch...

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