7. Mai 2012

4. Brief an Alma

Liebe Alma,

wir haben Dir mit Bedacht einen seltenen Namen ausgesucht, damit es DEIN Name ist und nicht der von allen anderen Mädchen auch. Deswegen benutzen wir ihn auch nur ganz spärlich, damit er sich nicht abnutzt. Meist bist Du weiterhin unser Mäuschen oder Spätzchen. Ich nenn Dich übrigens auch Clownemann, was Dir zwar gendertechnische Narben hinterlassen wird, aber die sind nichts im Vergleich zu Deinem deutlich eher blau-grünen als pink-rosanen Kleiderschrank.

Inzwischen kommt die Krabbeldecke regelmäßig zum Einsatz, die eine Deiner Omas Dir zur Geburt geschenkt hat. Denn wir wissen endlich darauf herumzuturnen, da wir einen Pekip-Kurs besuchen. Ja, ich gebe zu, ich habe die letzten 33 25 Jahre meines Lebens damit verbracht, Saunapinkeln für U1 für überflüssig zu halten, bin aber durch Fritzi, die lustige Leiterin des Kurses, bekehrt worden. Bodenständig ist die nämlich und kein bisschen esoterisch. Und sie bringt uns lustige Spiele bei, die wir zuhause äußerst gerne nachspielen. Wenn wir uns daran erinnern, bevor Du im Bett liegst.

Die Tage vergehen nämlich weiter wie im Flug und sind zu Ende, ehe man sich einmal um sich selbst gedreht hat, unglaublich!
Nachdem wir uns während Papas Urlaub total uneigennützig so lange schlafen ließen, wie Du es erlaubtest, war Deine Zubettgehzeit irgendwie viel zu weit nach hinten gerutscht und Du warst die letzte, die ins Bett ging. Da erinnerte ich mich flugs daran, wer hier die Regierung ist und hab Deine innere Uhr ausgetrickst. Seitdem gibt es um 20 Uhr das letzte Leckerchen wegen der Stille zur Tagesschau und dann gehst Du ins Bett. Das klappt hervorragend: Du weißt, wann tagsüber Zeit zum Schlafen und Zeit zum Wachsein ist und abends bist Du halt müde. Geht doch. Routine ist eine Tugend, liest man ja in jedem Babyratgeber. Nächsten Monat zieh ich Dich auf 19 Uhr vor, damit ich die Tagesschau auch mal in Ruhe gucken kann. Nur so als Vorwarnung.

Und was war übrigens die Belohnung für meine Standhaftigkeit in Sachen Schlaf- und Stillzeiten? Du hast vier Nächte in Folge 12 Stunden am Stück geschlafen. Das fand die Milchtankstelle zwar zunächst unglaublich anstrengend und platzte schier vor Ungeduld am Morgen, aber dann gelang es ihr recht flott, sich darauf einzustellen. Woraufhin Du den Schlafmarathon wieder eingestellt hast. Aber es ist passiert, wir waren entzückt! Und verwirrt!


Was ist noch neu?

Der Osterhase war da. Was Dir ziemlich egal war, mal davon abgesehen dass Du schön durch den Sonnenschein geschoben wurdest am Ostersonntag und mit vielen Omas und Opas schmusen konntest. Nächstes Jahr kannst Du sicher schon auf wackeligen Beinchen Ostereier suchen, da freuen wir uns drauf.

Du hast zum ersten Mal aus vollem Hals gelacht. Wir waren wandern und Du hattest ganz schön mit der Sonne zu kämpfen, die Dich immer blendete. Außerdem waren da noch die Bäume, die in schneller Abfolge helldunkelhelldunkelhelldunkel in den Wagen zauberten. Da soll nochmal einer lustig bleiben. Nach einer Weile hatten wir Erbarmen, nahmen Dich aus dem Wagen und zeigten Dir die grünen Übeltäter. Und was machst Du? Guckst Papa an und lachst. 5 Minuten am Stück. Ohne Grund, irgendwie. Ich liebe Dich, Mäuschen.

Wir gehen seit ein paar Wochen zum Babyschwimmen, was ein Riesenerfolg ist und Deine kleine Welt ganz schön bereichert. Schon in der ersten Stunde hast Du bis zum Schluss lachend durchgehalten, alle anderen Kinder und Mamas angestrahlt und Dich als erste getraut zu tauchen. Du bist ein Tausendsassa, das ist ja mal klar. Am Brückentag vor dem 1. Mai war Papa mit Dir im Becken, was habt Ihr beide für einen Spaß gehabt! Leider sind die meisten Fotos davon verwackelt und die Bilder der Unterwasserkamera aus der Stunde davor, als Mama die Spiegelreflex lieber nicht mutterseelenallein auf den Beckenrand stellen wollte, sind allesamt nix geworden. Schade, aber wir bleiben dran. Beim ersten Kind macht man ja so einiges.

Du warst zum ersten Mal bei Ikea. Das gefiel Dir nicht soooo gut, weil es zu laut und zu hektisch war und wir aufgrund der zu tätigenden Einkäufe auf den kofferraumfüllenden Kinderwagen verzichtet und die Manduca mitgenommen hatten. Da klappte das Einschlafen nicht und völlig übermüdet hast Du Dich lauthals Richtung Himmel gesungen. Übrigens eine sehr feine Angewohnheit, dass Du weiterhin nur selten brüllst oder weinst, sondern andere Geräusche von Dir gibst. Das ist trotz der erstaunlichen Lautstärke für alle Beteiligten einfacher.

Deine Haare werden wieder mehr und heller. Direkt nach der Geburt hattest Du ganz schön viele Haare und die waren so dunkel wie unsere heute. Jetzt bin ich gespannt, ob Du so blond wirst wie Dein Papa als kleiner Junge. Ich selbst hatte ja früher auch hellere Haare als heute, genetisch ist das also gut möglich. An Ostern mussten wir aber erstmal alle herzlich lachen, weil Du und Deine Cousine die Frisur Eures Opas kopiert habt. Eure Liege-Schubber-Glatze am Hinterkopf steht Euch aber besser als ihm seine oben drauf.

Du hast gelernt am Daumen zu nuckeln. Das ist praktisch, schließlich fällt der nicht raus wenn Du einschläfst und wenn doch, kannst Du ihn selber wieder in den Mund stecken. Es sieht auch unendlich süß aus, wenn Du seelig schlummernd mit Zeigefinger an der Nase da liegst, aber musst Du deswegen den Schnuller ablehnen? Nein! Aber was interessiert Dich schon unsere Meinung, gell? Das fängt ja früh an, das mit der Rebellion im Kinderzimmer. Von heute auf morgen also kein Schnuller mehr, obwohl Du den manchmal so nötig hättest. Bei Ikea zum Beispiel, zur Beruhigung. Oder gestern, als Du nach dem Brunch mit Oma und Opa Königsdorf zu müde warst, um einzuschlafen. Den ganzen restlichen Tag lang. Da wäre es doch nett gewesen, einfach zu nuckeln, bis der Schlaf sich von ganz alleine einstellt, anstatt den ganzen Tag lauthals zu tirilieren und zu möppern. Nun gut, das bekomme ich Dir schon noch wieder beigebracht, wer ist hier die Regierung?

Wir haben alle, die Dich gerne haben, zur Taufe eingeladen und ich freue mich so auf diesen Tag, dass ich jetzt schon jeden Tag Pläne mache. Welcher Taufspruch soll Dich begleiten, wer möchte Fürbitten sprechen, wieviel Sekt brauchen all die netten Menschen, was gibt es zum Essen, welche Farben soll die Deko haben und und und. Es wird sicher ein schönes Fest, Du hast es Dir verdient! Ich erzähl Dir im nächsten Brief davon, versprochen.

Aber was ist mit mir? Ich kann mir ein Leben ohne Dich gar nicht mehr vorstellen und kann mich auch nur schwer daran erinnern, wie das Leben mit Büro und verschachtelten Sätzen war. Das ist ok, ich möchte gar nicht tauschen, aber manchmal muss ich doch aufpassen, dass ich nicht zur kurz komme. Ich muss mir mehr Auszeiten einplanen. Das heißt nicht "Zeiten ohne Dich", denn da reicht auch schon eine besinnliche Tasse Kaffee in der Sonne im Café, mit Leutegucken und Stillsein und Du im Kinderwagen nebenan. Du kannst ruhig dabei schlafen oder die Vögel am Himmel beobachten, das klappt schon. Hauptsache, ich verwende nicht all meine Zeit nur für Dich, sondern lasse ein bisschen was für mich übrig.

Wir sind ein gutes Team, meine kleine Maus.
In Liebe,

Mama

Kommentare:

  1. Alma ist wirklich ein sooo schöner Name. Und zum Glück (noch?) selten. Die Mutter von Michel aus Lönneberga heißt so, oder? Ich meine, Michels Vater "AAAALMAAA" schreien zu hören.

    Der langjährige Rummikub-Krieg klingt witzig. Und ein bisschen verrückt, aber das macht ja auch sympathisch. :)

    Viele Grüße

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  2. Hach...Tränchen-Kuller-Alarm!!!!

    "Und was machst Du? Guckst Papa an und lachst. 5 Minuten am Stück. Ohne Grund, irgendwie. Ich liebe Dich, Mäuschen."

    <3

    Kennst Du das hier:

    http://okkarohd.blogspot.de/2012/03/spaziergangerin.html

    ?!

    Liebe Grüße!
    Juli

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    1. Das ist ja Zucker, da wein ich gleich sentimental mit um die Wette!

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  3. Also ich, als neue und eher stille Leserin muss das mal loswerden:
    Es ließt sich ja alles toll, was du schreibst, aber die Briefe an dein Sonnenscheinchen... Da bin ich immer sehr gerührt und hab nen ganz warmen Schauer auf dem Rücken, wenn ich die lese! Das ist so eine tolle Idee und deine Alma wird sich, wenn sie mal eine große Lady ist sicherlich genauso fühlen, wenn sie die lesen darf...
    Liebe Grüße

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    1. Danke :-) Und dass die dann große Lady sich dann genauso geliebt fühlt, dass hoffe ich!

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