18. Mai 2012

Sie mich auch

An und für sich gehe ich ja gerne einkaufen. Im Sinne von Kühlschrank auffüllen, nicht Kleiderschrank. Naja, das auch, aber jetzt mal gerade geht's um Essen. So.

Der geek und ich gehen seit Jahren Freitags einkaufen, weil wir dann wissen, dass wir am Wochenende nicht verhungern werden. Ein äußerst beruhigender Gedanke, wenn Ihr mich fragt. Wir gehen auch immer in die gleichen zwei Läden, weil wir dann a) alles haben, b) das Auto nicht umparken müssen und c) der Bäcker im Eingang von Laden2 unser Lieblingsbrot backt. Nur Vorteile also.

Das änderte sich mit Wulfhild. Nicht, dass die a), b) oder c) durcheinander gebracht hätte, aber die Anzahl der Einkaufswagen mit Babyschalenaufsatz lässt doch sehr zu wünschen übrig. Selbst unser Vorschlag, Freitags einen solchen für uns zu reservieren, wurde nicht ernst genommen und löste das Problem nicht. Nimmt man halt zwei normale. Passt in der Summe dann auch mehr rein.

Heute Glück. Beide Läden hatten Kinderwagen für uns und das Kindelein roch auch nur dann nach Milchkotze, wenn man ganz nah ranging. Was sich zum Glück selten jemand traut. Was an dem Warnschild in Leuchtschrift, meinem Flammenschwert oder dem bösen Blick liegen könnte, mit dem jeglicher Annäherungsversuch patschiger Passantenhände im Keim erstickt wird. Nette Menschen ohne Patschhände und mit einem Lächeln im Gesicht sind hingegen immer willkommen.

Der Pfandgutrücknahmeautomat funktionierte trotz Brückentag und so befand sich zwischen mir und dem Goldregen lediglich ein graumelierter Sprudelkastenträger und eine Frau mit prallen Tüten. Pfandflaschentüten, versteht sich. Und sonst auch, aber zurück zur Geschichte.

Überraschenderweise kam der Graumelierte gut zurecht mit dem Konzept "Flasche rein, warten, nächste", so dass sich alsbald nur noch pralle Tüten zwischen mir und dem Goldregen befanden. Doch dann. Dann nahm der Automat ihre wild zerknüllten Flaschen nicht an. Nicht die erste und auch nicht die zweite und - wer hätte es ahnen können - auch nicht die aus dem benachbarten Ausland. Meine freundlichen Hilfsangebote - Flasche wieder aufpusten, Etikett lesbar piddeln, nur deutsche Flaschen einlegen - wurden mit der neonpink manikürten Hand abgewunken, ich solle mich nicht so anstellen. Und die fünf Menschen in der Schlange hinter mir auch nicht. Gut, ich bin ja die Ruhe selbst, wippe ich halt weiter vor und zurück, während der geek und Wulfhild im Geschäft schon mal den Wagen mit Leckerli füllen.

Flaschen, die nicht zum Sortiment gehören, ändern diesen Umstand ja bekanntlich plötzlich. Man muss sie nur oft genug und mit Nachdruck in den Rückgabeschacht zwängen. Ungefähr so wie die eigenen Ausmaße in die Leggins der Marke Pelle de Wurst. Ich wippe. Vor und zurück.

Irgendwann kam ich dann dran, denn wenn man die Flaschen in ihre ursprüngliche Form bringt, die Etiketten lesbar macht und nur inländische Flaschen verwendet, ist der doofe Automat anscheinend durch Auflegen der neonpink manikürten Hand spontan geheilt und zur Kooperation bereit. Ähnlich viel Freude bereiten mir übrigens Eltern, die irgendwo auf der Lauer liegen und besonders lange Warteschlangen abwarten, um dann motorisch schon sehr gut auf große PET-Flaschen vorbereitete Trotzkinder mit der Bestückung des Automaten zu betrauen. Bis er es kann. Der Nachwuchs, nicht der Automat.

Da ich die geduldige und verständnisvolle Hälfte des geek-Teams bin, kann mir das ja immer gar nichts anhaben, aber ich muss zu meiner Schande gestehen, dass es mir äußerste Freude bereitet hat, dass die Madame mir später noch mehrfach i Laden über den Weg lief. Einmal an der Milchbar, als sie einen Joghurtbecher auf ihrem besandalten Fuß zum Plätzen brachte und dann an der Kasse, als ich - das Flammenschwert im Anschlag zur Verteidigung des Nachwuchses bereit - teilhaben durfte an ihrem Gesichtsausdruck, als ihr gekreischtes "Oh wie süüüüüß" bei Wulfhild nur einen gut gefüllten Milchrülpser samt Urknalluntermalung hervorbrachte.

Wenn ich die nochmal am Automaten treffe, halte ich Wulfhild hoch. Dann darf ich eventuell vor.

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