7. Juni 2012

5. Brief an Alma

Liebe Alma,

seit heute bist Du 5.

Das sagt aber irgendwie noch nicht alles, also schreib ich noch ein bisschen mehr, ok?

Diesen Monat ist wieder so viel passiert, dass ich erstmal überlegen muss, wo ich anfangen soll. Chronologisch vorzugehen ist da eine gute Strategie und auch eine, die zu Dir passt. Denn wie schon immer bist Du ein Kind mit einer gut funktionierenden inneren Uhr. Du hast einen klaren Rhythmus von wach und nicht wach, hungrig und satt, zufrieden und knatschig. Das macht Alltag mit Dir so unkompliziert und ich bin Dir so unendlich dankbar dafür. Andere Babies in unserem Umfeld scheinen mir da komplizierter zu sein.

Erinnerst Du Dich daran, wie die Regierung eine Maßnahme zur Regulierung der inneren Uhr durchgesetzt hat? Als Abend zu zweit und dieser frühe Vogel mit dem Wurm in die Waagschale geworfen und Du zeitiger ins Bett gehen solltest? Das hat funktioniert. Du gehst abends ins Bett und meldest Dich erst am nächsten Morgen wieder, mein liebstes Schlafmützchen. Zur Zeit bist Du zwar schon eine Stunde vor meinem Wecker wach, aber wer will sich da schon beschweren? Ich bleib dann noch liegen und höre Dir beim Glucksen, Krähen und Prusten zu, das ist schöner als jedes Hörspiel.

Ob das Durchschlafen von abends bis morgens so gut funktioniert, weil Du Deinen Daumen so lieb hast? Kann schon sein, ist aber auch egal. Hauptsache, Mutti muss nicht nachts raus. Und obwohl Dein Daumen seit ein paar Tagen ständig rot genuckelt, rauh und beinahe wund ist, vertraue ich einfach darauf, dass Du Dir nicht selbst weh tust und freue mich über Deinen besten Freund. Und gebe Dir weiterhin den Schnuller zum Spielen, vielleicht wird eines schönen Tages ja doch nicht mehr angeekelt das Gesicht verzogen, sobald das Mundstück im Mund landet. Alle anderen Bestandteile des Schnuller werden schließlich auch genüsslich abgelutscht und die Hoffnung stirbt zuletzt.


Diesen Monat war es endlich lange genug so warm, dass Du ausgiebig und andauernd beinahe nackig auf Deiner Krabbeldecke rumwuseln konntest. Wobei rumwuseln lediglich bedeutet, dass Du dort anwesend warst, denn noch müssen wir Dich auf den Bauch und zurück drehen, während Du ganz mit Gucken und Staunen beschäftigt bist. Und Daumenlutschen.

Gerne liegst Du auf der Decke auf dem Rücken und spielst mit Deinen Füßen. Erstaunlich, wie krumm man sich in Deinem Alter noch machen kann. Behalt das bei, sonst gibt's nur Rücken, wenn Du groß bist. Und spielst Du mal nicht mit Deinen Füßen, spielst Du Springbrunnen. Dabei wird die Zunge spitz zwischen den Lippen herausgestreckt und dann losgeprustet. Bei Wärme ist das ja ganz dufte, wenn so ein feiner Sprühregen niedergeht, aber musst Du Dich immer komplett durchnässen? Von Stirn bis Bauchnabel? Gut, dass wir schon neulich wegen der Bauarbeiterrülpser mit Füllung Lätzchen angeschafft hatten. Die werden auch mit dieser Feuchtigkeit fertig.

Du greifst und hälst fest wie ein Profi. Gerne beidarmig, aber ich tippe auf Rechtshänder, weil a) der rechte Daumen professionell im Mund landete, während der linke eher zufällig und zumeist in absurdem Winkel im Mund ankommt und b) weil Du nunmal auffallend öfter die rechte Hand benutzt. Wir werden sehen. Hauptsache, Du packst das Leben weiter so frisch an, wie Du das momentan tust. Fritzi, die Pekip-Leiterin, nannte Euch neulich Pack-an-Babies und das beschreibt Dich und Deine Kumpels zur Zeit ganz gut. Ihr seid nicht mehr die niedlichen kleinen Neugeborenen, die gestützt werden müssen und in tausend schillernde Kristalle zerbröseln, wenn man nicht aufpasst. Ihr seid ganz da, zu 100 %.


Pfingsten waren wir zum ersten Mal mit unserer großen Familiendecke im Park, aber da Du die meiste Zeit geschlafen hast, kannst Du Dich eventuell nicht daran erinnern. Da haben wir übrigens gelernt, dass die Wickelunterlage der Wickeltasche auch als Sonnensegel geeignet ist. Oder falls der Osterhase mal Kinder statt Eier verstecken möchte. Wir wären dann vorbereitet.


Ich hab Dir Dein erstes Stück Apfel zum Abschlecken gegeben. Du hättest mal Dein verwirrtes Gesicht sehen sollen, zum Schießen. Schien anders zu schmecken als Kunststoff. Leider flutschte es Dir nach einer paar Minuten immer schneller aus der Hand, als ich es Dir zurückgeben konnte, da erschloss das Interesse dann auch wieder. Nun sind wir auf den ersten Brei gespannt. Doch der kann ruhig noch ein bisschen warten. Bleib bitte so klein, wie Du jetzt bist, ich mag das.

Es gab übrigens eine kurzzeitige Flaschenverweigerung. Dein Papa gibt Dir ja schon lange einmal in der Woche die Flasche, damit ich zum Badewannenkampfsport gehen kann. Das klappte gleich vom ersten Abend an wunderbar: ansetzen und zack war die Flasche leer. Doch auf einmal wurde nur rumgebrüllt und geweint und Zeter und Mordio. Ob es an der aufgetauten Muttermilch lag? Oder dem Wetter? Oder Aktienindex? Keine Ahnung, aber die Regierung hat phänomenal so lange durchgehalten, bis die Opposition ermüdet und wieder kooperativ war. Jetzt wieder: zack und die Flasche ist leer. Beruhigend.

Außerdem hast Du Dein erstes großes Fest erlebt: Du bist getauft worden. Es war ein wunderschöner Tag mit wundervollen Freunden und Verwandten. Das Taufkleid passte, das Grillfleisch brutzelte, der Regen goß in Strömen, aber das war alles egal, weil es Dein Fest war und Du den ganzen Tag gestrahlt hast. Von einem Ohr zum anderen, so wie Du das immer machst. Ich glaube, dass alle ganz schön verzaubert waren.


Und ich muss zugeben: Du hast die perfektesten Füße vonne janze Welt.


In Liebe,

Mama

Kommentare:

  1. Huhu Ihr Lieben,
    ... genieße jeden einzelnen Tag mit Deiner kleinen Schnusemaus.... sie gehen unheimlich schnell vorbei und Du fragst Dich nächstes Jahr wohin bloß die Zeit an Euch vorbeigeflogen ist.
    Sonnige Wochenendgrüße
    Myriam

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