23. Juli 2012

Muss das mit dem Urlaub so sein?

Früher dachte ich ja, Urlaub wäre erholsam. Ich hatte unglaublich naiv-überzogene Vorstellungen von mir im Sommerkleid. Mit Flipflops an den Füßen und Sonnenbrille auf der Nase.

Ein Eis in der Hand und ein gutes Buch in der Strandtasche. Wolkenschiffchen segeln über den Horizont und die Entscheidung ob Cola oder Fanta ist die größte intellektuelle Herausforderung, die mir im Weg steht.

Postkarten und bunte Briefmarken, gebändigt mit Hilfe meines Moleskin Adressbuchs. Sonnenmilch und After Sun in der Nase, Mücken im Ohr.

Früher.

Aber heute ist heute und so machte sich Familie Basmati auf den Weg in den ersten Urlaub der holden Wulfhild, den ich fortan aus meinem Gedächtnis tilgen werde, bis nur noch eine Wochenendfahrt zur Lieblingsblondine und dem Hawaiipulli übrig ist. Das war nämlich der gute Teil der Reise.

In zwei Wochen gab es genau 3 Tage ohne Regen. 2 davon verbrachten wir auf der Autobahn, den 3. auch auf der Autobahn, aber die führte nach Timmendorfer Strand, wo Wulfhild im Sonnenschein das erste mal mit Meer und Sandstrand konfrontiert wurde. Ungläubiges Staunen ihrerseits, unbändiges Freuen unsererseits.

Es gab 2 Tage mit nur Regen, einen davon verbrachten wir am Möhnesee, einen an der Nordsee. Die war übrigens nie da, eventuell gab es da auch nur Watt. Also Schleim. Und Sturm hatten die auch.

Dazwischen hat es scheinbar immer dann geregnet, wenn wir nicht drinnen waren. Und auch wenn wir drinnen waren, nur zur Sicherheit.

Aber was jammer ich? Erstens ging es allen so und zweitens gab es auch gute Momente.

Wulfhild hat nach 10 Tagen irritiert fragender Blicke verstanden, was das mit dem Löffel soll und inhaliert nun Birnenbrei. Möhrchen kamen entweder nicht an, weil sie die Tochter des geeks ist und der Apfel nicht weit vom Stamm fällt oder weil sie uns vor die Herausforderung stellen wollte, im kulinarischen Hinterland Gläschen mit einem anderen Gemüse aufzutreiben. Vielfalt gab es da erst ab alles mit allem drin. Daher nun Obst und Nachmittag und alles dufte.

Internet war mehr nur für die anderen. Erinnert Ihr Euch an das aggressive Füßescharren und Fingertrommeln, als man zum ersten Mal nach der Entdeckung des DSL wieder per Modem seine Mails abrufen wollte? So, nur schlimmer fühlt es sich an, wenn man das Internet zwar in der Hand hat, die Edge-Datenverbindung ihm aber keine Lebenszeichen entlocken kann. So gab es dann aber Ferien für den Kopf, auch nicht schlecht.

Ich hab an 12 von 12 gedacht. Rest siehe oben plus verhunzte Reihenfolge durch die Blogger-App.

Wir hatten daran gedacht, Ferienwohnungen mit Schlafzimmer zu buchen, damit Wulfhild abends heimlich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke lesen konnte, während wir im Wohnzimmer jodeln übten. Aber dass friedliches Fummeln unter der Bettdecke dann absolut geräuschlos sein musste, genau so wie morgendliches Atmen ab 5:30 Uhr, daran hatten wir nicht gedacht. Wulfhild hört alles und nimmt es als Einladung zum Spielen, Singen, Jodeln und Pupsen.

Ich hatte den Reiseweg nach Hamburg ganz geschickt in mehrere Etappen aufgeteilt und eine Deutschlandreise Deluxe aus dem Hut gezaubert. Man muss sich doch mal umschauen in der Republik. Bei Regen. Und Sturm. Mit nur Watt und ohne Meer.

Ich hör sofort auf zu jammern. Echt jetzt.

Nur eins noch: Fotos gibt es fast keine. Das graue Wasser des Möhnesees mit grauen Regenschleierbäumen vor grauen Gewitterwolken lud ebenso wenig zum Knippsen ein wie der graue Schleim des Wattenmeers mit grauen sturmgepeitschten Schilfgrasfeldern unter grauen Sturmwolken an der Nordsee. Nur von Wulfhild gibt es jetzt drülfzehn Daumenkinos mehr.

Und der geek war immer da. Das kann ruhig so weiter gehen. Zur Feier der Tatsache, dass auch die Sonne wieder aus dem Urlaub da ist, gab es heute eins seiner Lieblingsgerichte. Curry-Hühnchen mit Ananas-Rosinen-Mandel-Sauce. Und Apfel-Haferflockenschleim für Wulfhild. Aber wie soll man das appetitlich aussehen lassen auf einem Foto?


Kommentare:

  1. Ich bin auch nicht gut darin, mein Essen auf Fotos zu Schönheiten mutieren zu lassen. Und im Urlauben bin ich auch nicht gut. Und ich Regen aushalten auch nicht. Aber moppern...DAS kann ich toll :)

    Da haste ja echt Glück, dass Du nach Hause kommst und wenigstens da noch n bisskn Sonne tanken kannst!

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  2. Fang - hier fliegt Dir gerade eine Tafel Schokolade als Trost entgegen!

    Was die Optik des Geek'schen Abendessen betrifft: mit Moehren waer' das nicht passiert!!!
    :-D ;-D
    (und duck und renn weg!)

    Liebe Gruesse noch, Kopf hoch und gut Erholung vom Urlaub,
    Gerlinde

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  3. Du musst das so sehen: Ihr hattet wenigstens landschaftliche Abwechslung in unterschiedlichen Grautönen. Wir hatten hier Aachen in unterschiedlichen Grautönen ... also zusätzlich zum Grau auch noch langweilig.
    Na? Besser jetzt?
    (War doch einen Versuch wert ... finde ich)
    Liebe Grüße
    Fredda

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