7. September 2012

8. Brief an Alma

Liebe Alma,

während ich Dir diesen Brief schreibe, liegst Du im Bett und schläfst. Das machst Du zum Glück immer noch recht gerne, denn die Zeiten zwischen dem Schlafen sind ganz schön anstrengend geworden. Du hast nämlich nicht nur großen Gefallen an Deiner eigenen Lautstärke, sondern auch an Fortbewegung gefunden.

Das mit dem Rumkugeln hatten wir ja schon letzten Monat, aber nun ist aus explorativer Rumkugelei mit Versehen und Überraschung ein äußerst zielgerichtetes Robben und Vorwärtsziehen über zum Glück rutschiges Parkett geworden. Und die schiere Menge an gar nicht für Dich geeignetem Wohnungsinventar überrascht uns jeden Tag. Besonders haben es Dir weiterhin die Unterseiten von Schränken, Kommoden und Betten angetan, neu hinzugekommen ist eine Passion für Kabel aller Art. Ja, das ist selbstredend das Erbe Deines Vaters, aber trotzdem. Manchmal ist weniger mehr.

Vor fast vier Wochen, als sich das auf dem Bauch liegen dann doch als ziemlich lustige Sache entpuppt hatte, hast Du festgestellt, dass man das ja auch im Kinderwagen machen kann. Auf dem Rücken liegen ist nur für Babies, ich weiß. Also drehst Du Dich - zack - auf den Bauch und schon ist Deine Welt um so viele Lächeln größer. Denn wenn Du so gerade mit der Nasenspitze über den Rand der Kinderwagenwanne guckst, dann lächelt Dich auch die noch so griesgrämige Oma an. Du bist Zucker!



Allerdings beunruhigt mich Deine Endeckerlust ein wenig, denn die macht ja nicht vor dem Rand der Wanne Halt. Und wenn Du nicht gerade Deine Zähne dort eingehakt hast um lässig abzuhängen, dann ziehst Du Dich gerne Richtung Außenwelt hoch. Noch ist das immer gut gegangen, aber so langsam erscheint mir eine Hundeleine ein schönes Accessoire. Diese Brustgeschirre gibt es sicher auch in Mädchenfarben und mit Glitzersteinchen. Oder ich kaufe weiterhin interessante Zeitschriften, dann geht es auch so.


Und was Du auch schon kannst: auf allen vieren, also Händen und Knien, vor und zurück wippen. Und auf dem Bauch mit in die Höhe gestrecktem Popo schlafen. Ob wir Dir wohl jemals beichten, dass wir abends vor dem Zubettgehen in Dein Zimmer schleichen und Dir Hand in Hand beim Schlafen zugucken? Also jeden Abend?

Da auf dem Bauch robben und auf den Knien wippen und mit den Armen ganz lang strecken sehr anstrengend ist, bekommst Du nun schon eine ganze Weile mittags und nachmittags Brei und den am Nachmittag mit lecker Obst findest Du auch echt dufte. Aber zu Mittag Gemüse? Mit Kartoffeln? Das gibt ab und an Streit. Und mengentechnisch sind wir da noch weit von langanhaltenden Völlegefühlen entfernt! Ich werde Dich wohl mit untergemischtem Obst hinters Licht führen müssen, denn diese ständigen Zwischenfläschchen sind auch keine dauerhafte Lösung.

Grillkotelettes sind übrigens sehr zum Leidwesen Deines Vaters noch lange Zukunftsmusik, denn obschon alle Mitglieder Deines Mofaclubs schon mehrere Zähne haben, bist Du da noch weit von entfernt. Gut, ich sehe ein dass Zähnekriegen stressig sein kann, aber probier es doch mal aus. Nur so zum Spaß.

Wir haben uns eine neue Eltern-Baby-Gruppe gesucht, in der auf einmal 8 Kinder nebst Müttern um Dich herum sind. Das bist Du gar nicht gewöhnt, da alle anderen Kinderaktivitäten eher beschauliche Gruppengrößen aufweisen. Aber freitags ist jetzt Action angesagt. Mit Lautstärke, denn wenn die Babies immer lauter werden, verstehen sich die Muttis gar nicht mehr und drehen auch ein wenig auf. Woraufhin sich die Babies nicht mehr so gut verstehen und und und. Du versteht schon, worauf ich hinaus will. Aber ich denke, dass Dir das gut tun wird, denn hier zuhause ist viel zu viel Stille mit nur uns zwei und wenn wir jemanden zum Spielen und Quatschen besuchen, dann geht es da auch eher ruihg zu. Du wirst Dich behaupten, da bin ich mir ganz sicher.

Du trägst Schuhe! Die hast Du zur Taufe bekommen und siehe da: sie passen plötzlich. Sehr schick und wieder eine Sache, bei der Du plötzlich wahnsinnig groß aussiehst. Dabei sind es doch nur Schuhe.

Ein viel größerer Schritt war aber der Einzug Deines neuen Throns. Du hast jetzt einen eigenen Stuhl! Das bedeutet übrigens, dass Du nun wirklich da bist, denn Du hast außerhalb des Kinderzimmers einen festen Platz. Der immer Deiner ist und nicht weggeräumt wird, wie es gerade passt. Die Wippe zum Beispiel hängt ja an der Wohnungstür, wenn Du nicht wippst. Und die Krabbeldecke liegt gefaltet unter dem Bett, wenn Du sie nicht brauchst. Aber der Stuhl, der ist da. Immer. So wie Du.

Inzwischen kannst Du auch ganz gut darin sitzen, wie eine Große. Am Anfang war es noch ein wenig wackelig und ungewohnt und Du hast ganz stolz hin und hergewackelt beim hin und her drehen und inspizieren und ablecken der einzelnen erreichbaren Teile, aber jetzt kannst Du schon richtig gut darin thronen und Dich voll und ganz auf das Trommeln auf dem Tisch konzentrieren. Dolle Wurst.

Ich bin gespannt auf Deine ganz bestimmt bald Entdeckung des Krabbelns. Dann hab ich zwar garantiert keine ruhige Sekunde mehr, aber das wird schon. Meine kleine Abenteurerin.

In Liebe,

Mama

Kommentare:

  1. So schön <3. Ich wette, sie wird die Briefe lieben!

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  2. Oh, so schön geschrieben!
    Das erinnert mich an die Briefe, die meine Eltern früher geschrieben haben, als ich ein Baby war (da noch analog). Ich lese heute noch gerne in diesem Büchlein, das ist so eine schöne Sache!

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  3. Hallo Cati Basmati! Unabhängig, dass ich mir Ihre Fotos auf instagram sowieso gern anschaue, lese ich Ihre Texte im Blog auch sehr gern!
    Und deswegen habe ich Ihnen einfach mal so einen Preis verliehen. Einfach mal so. :-) Wenn Sie mal gucken wollen? http://gythaswelt.wordpress.com/2012/09/07/ein-dickes-dankeschon/
    Beste Grüße, Frau Spätlese

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