7. Oktober 2012

9. Brief an Alma

Liebe Alma,

stell Dir vor, es ist jetzt genau 9 Monate her, dass ein anderer Urlaub 9 Monate her ist! Das Leben verläuft ein wenig symmetrisch mit Dir.

Ein unglaublicher Monat liegt hinter uns. Am Anfang war ich etwas skeptisch, ob ich überhaupt positive Worte finden würde, denn wir begannen mit einem hübschen Entwicklungsschub. Dann bist Du wirklich knatschig, müde und zu neugierig, ruhebedürftig und hyperaktiv, kuschelig und hibbelig und überhaupt einfach falsch. Doch zum Glück hat sich das recht schnell gelegt.

Im großen und ganzen war dann alles ganz gut. Ach was sage ich, es war hervorragend. Denn zunächst hast Du angefangen, Dich an allem hochzuziehen. Gut, einmal im Kniestand angekommen wusstest Du dann meist nicht, wie es von dort wieder auf sicheren Boden zurückgeht, aber so langsam hast Du auch da den Bogen raus. Da Du jedoch auch gerne in einen sehr unsicheren Stand kommst, ist mein ruhiges Mutterdasein aber definiv vorbei und ich verbringe meine Tage sehr nah bei Dir. Und fische Dich bei Bedarf aus der Kiste mit Wäsche, aus dem Autositz, der offenen Waschmaschine oder dem Karton mit Bilderrahmen, der unter dem Schreibtisch auf seine weitere Verwendung wartet.

Bei der Gelegenheit hast Du auch schon die unfaire Seite des Lebens kennengelernt: kramt man enthusiastisch über Kopf im Schrankfach mit den Tupperdosen, fallen einem diese auch gerne auf den Kopf. Das geht so nicht, ich weiß.

Und dann ist da noch die Sache mit der gequetschten Banane. Wer hat den Quatsch bitte erfunden? Warum Du das essen sollst? Keine Ahnung, ich dachte es könnte Dir schmecken. Mein Fehler.

Zum Glück gibt es all das andere Obst. Und Griesbrei mit Milch. Wenn Du wüsstest, wie gut das erst alles mit Zucker schmeckt. Aber wie heißt es doch so schön: keine Zähne, keine Kekse.

Im Gegensatz zu den anderen Mädels im Mofaclub hast Du immer noch keine Zähne. Dafür weigerst Du Dich aber schon länger als die anderen und mit störrischer Beharrlichkeit, im Kinderwagen weiterhin zu liegen und suchst stattdessen umgehend die Bauchlage gefolgt von Vierfüßlerknien gefolgt von Knien am Abgrund gefolgt von hektischem Zurückreißen am Hosenbund durch die Mutter. Das ging so lange gut, bis wir klein beigaben und einen Jogger gekauft haben. Jetzt kannst Du sitzend Deine Neugier befriedigen und ich muss nicht mehr permanent eine Hand am Kind haben, perfekt. Was kostet die Welt?

Du hast die erste Flugreise ohne Weinen hinter Dich gebracht, trotz übernervöser Mutter und Weckerklingeln um 2:30 Uhr. Du hast den höchsten Berg Madeiras bestiegen, trotz Powernapping auf dem Weg. Du hast die gesamte Belegschaft sowie die Gästeschar des Hotels um Deinen kleinen Finger gewickelt, trotz des anderen anwesenden Babys. Du hast festgestellt, dass es total einfach ist, selber in eine sitzende Position zu kommen. Und wenn man schon mal da ist, kann man auch krabbeln.

Du krabbelst! Es ist unglaublich, was für einen Unterschied sitzen und krabbeln machen. Auf einmal ist aus dem kleinen hilflosen Baby ein kleines Kind geworden, das die Welt im Sturm erobert. Das Gipfel erstürmt und jeden Tag unsere Welt auf den Kopf stellt. Das inniglich geliebt wird und das Zentrum unserer Welt ist. Das dabei ist und mitkommt. Das am Daumen lutscht und ohne Schnuffeltuch nicht einschlafen kann.

Ich bin so stolz auf Dich, Mäuschen.

In Liebe,
Mama


1 Kommentar:

  1. Sooo schön ! Deine 9 Monatsbriefe erinnern mich an das , was ich die 9 Monate Schwangerschaft an meine Tochter schrieb ( handschriftlich in einem Notiz Büchlein , vor 25 Jahren ! )Das hab ich ihr zum 18. Geburtstag gegeben . Auch wenn das Netz nichts vergisst - druck es aus und gib es irgendwann zum richtigen Zeitpunkt Deiner süssen Alma . So eine Mutter / Tochter Geschichte ist etwas sehr wertvolles , wichtiges !
    Liebe Grüsse Dodo

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