23. Oktober 2012

Elterngeld aufpeppen

Obwohl das SchwangerschaftshosenfürNichtschwangere-Imperium noch ein wenig in den Kinderschuhen steckt, habe ich bereits eine Tochterfirma in Planung. Das Mietbaby.

So ein Mietbaby kommt ja immer mal gelegen. Single-Männer dürfen das ruhig mal zum Spazierengehen ausleihen, denn je süßer das Kind, desto breiter das Lächeln der Nichtmütter und somit potentieller Dates. Allerdings ist das ein saisonales Angebot, denn im Winter gehen ja tendentiell weniger Menschen spazieren und somit sehen auch weniger Leute hinter die Vermummung des kleinen Schatzes. Da könnte ich im zweiten Schritt putzig im Schnee herumtollende Golden Retriever Welpen anbieten. Später.

Viel geschickteres Einsatzgebiet für Mietbabies ist der Urlaub. Das fängt ja schon bei der Sitzplatzreservierung an, denn wer möchte nicht gerne in der ersten Reihe sitzen? Richtig. Mit passendem Baby gar kein Problem. Da bekommt man nicht nur die Reservierung, sondern auch ein strahlendes Lächeln dazu. Perfekt für den gelungenen Start in die schönste Zeit des Jahres. Auch die Sicherheitskontrolle wird um einiges unterhaltsamer. Während andere Reisende noch anstehen, wird man an der Schlange vorbei in Richtung ganz vorne gelotst, wo man nicht nur Flüssigkeiten, sondern auch Pülverchen unbehelligt durch die Schleuse schieben kann. Das Taschenmesser erregt da schon deutlich mehr Aufmerksamkeit. Besonders gut funktioniert das übrigens in Düsseldorf, denn da wedelt sich die Sicherheitskontrolleurin ein wenig aufsteigenden Dampf aus der Thermoskanne in die Nase und kann dank der gemeinsam mit ihrem Schäferhund absolvierten Spürnasenausbildung direkt die Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen. Also keine unnötigen Wartezeiten. Das weitere Handgepäck braucht man auch nicht tragen, denn der Kinderwagen darf ja überall hin mit. Das ist wie ein Golfcaddy, nur ohne Käppi.

Und jetzt frage ich: welcher Terrorist würde da nicht sofort buchen? Je süßer das Kind, desto abgelenkter übrigens die Stewardessen, was natürlich den Preis in die Höhe schnellen lässt. Das ist ja mal klar. Aber Qualität kostet nun mal.

Im Urlaub, falls man gar kein Terrorist ist und tatsächlich im Urlaubsort ankommen möchte, leistet das Mietbaby weiter gute Dienste. Am Empfang, wenn sich mehrere Reisende vorgedrängelt haben, wird man wiederum bis nach vorne gerufen, wobei man die Wartezeit aber durch geschickten Einsatz des Lautstärkereglers selber timen kann. Vielleicht möchte man ja erstmal ein wenig vor der Tür im warmen Sonnenlicht verharren? Kein Problem, nur das Baby kitzeln und alles ist gut.

Beim Frühstück erweist sich das Mietbaby ebenfalls als eine sinnvolle Investition. Zum einen wissen die Kellner bereits am zweiten Tag ganz genau, was an Heißgetränken gewünscht ist, zum anderen ist das Nachbestellen ein Kinderspiel - Wortwitz HA! - da der Tisch mit Mietbaby wesentlicher öfter angesteuert wird als ganz egal welcher andere Tisch. Um eventuelle schlechte Laune des Mietbabies muss man sich daher auch keine Sorgen machen, denn die Kellner und Kellnerinnen unterhalten es ohne Mehrkosten.

Zugegeben, so ein Mietbaby erhöht natürlich die Kosten eines Urlaubs um einen nicht unerheblichen Betrag. Man muss jedoch die Einnahmen gegenrechnen. Ja, die Einnahmen. Denn nichts ist einfacher, als im Urlaub eine schnelle Mark mit dem Mietbaby zu machen. Denken Sie nur mal an all die Seniorinnen, deren Enkelchen weit weg zuhause bei Mama und Papa sind. Diese sind sofort bereit, sich rührend um das Mietbaby zu kümmern, so dass man zunächst einmal in Ruhe das eigene Frühstück genießen kann. Nach dem Frühstück kann das Mietbaby dann ruhig bei den neuen Frühstücksfreundinnen abgegeben werden - natürlich nach Unterschrift der Untervermietunterlagen - da die Ehemänner der Seniorinnen gerne ein paar Schekel ins Hütchen werfen, um in Ruhe am Pool ihre Zeitung zu lesen. Gut, wenn man da die Ehefrau beschäftigt weiß.

Je nach Qualifikation des Mietbabies kann man einige der Vorortkosten dem Hotel selbst in Rechnung stellen, da einige Punkte des täglichen Unterhaltungsprogramms vom Mietbaby übernommen werden können. Zugegebenermaßen funktioniert das nur an Orten mit Urlaubern jenseits der jüngeren Vernügungszeitalter, aber wer die Ruhe zu schätzen weiß, der passt sich eben an.

Ich muss aber vorwarnen. Nicht jedes Urlaubsziel kommt für Mietbabies in Frage. Als Terrorist zum Beispiel eignet sich Madeira nicht als Ziel, da man bei Verlassen der Insel am unerbittlichen Sicherheitscheck nicht vorbeikommt. Und die Herren am Röntgengerät lassen den Reisenden mit Kind von allem probieren, was man dabei hat. Obwohl. Der Terrorist an sich plant eine Rückreise ja nicht unbedingt ein...

So. Wehe ich lese in den nächsten Monaten von einem ähnlichen Angebot. Die Idee ist patentiert, das wird teuer.

Kommentare:

  1. Ich muss sagen eine sehr gute Idee und das Konzept ist ja schon perfekt durchdacht.
    Mir stellt sich nur die Frage, ob das du zu vermietende Baby schon gefunden hast...das muss ja sehr starke Nerven haben.
    Toller Artikel.
    Herzliche Grüße
    Sabine

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    1. Die Babies bewerben sich im Viertelstundentakt, schließlich haben dann die Eltern auch die Gelegenheit, einer Arbeit nachzugehen, deren Rentenpunkte sich irgendwie lohnen. Und wenn das Baby wieder da ist, werden die während der Reise angehäuften Überstunden abgebaut und die Familie hat 24/7 Zeit für einander. Alle profitieren :-)

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  2. Vermietest du auch Kleinkinder?
    Ich hätte da ein besonders süßes Exemplar. Das kann schon reden und gibt gerne die Bestellung auf, sollten die Kellner nicht die gebotene Aufmerksamkeit erbringen, gerne auch direkt am Thresen.
    Die Miete für dieses Exemplar ist natürlich nicht ganz günstig, einen mindestens 6 wöchigen Urlaub in Neuseeland sollte die Miete schon abwerfen...

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    1. Gebucht! Und natürlich steigt pro Lebensalter die Miete an, das ist ja klar. Schließlich sind die Kosten für Inspektion, Treibstoff und ab und an eine Unterbodenwäsche gar nicht so unerheblich ;-)

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  3. Es geht doch nichts über eine gute Geschäftsidee!!! Da kann wirklich ein Imperium draus werden, ich könnte meine jüngere Tochter auch ausleihen - als weltbester Schutzschild vor Mückenstichen. Wenn das Kind neben einem sitzt, wird man garantiert nicht gestochen, die Mücken lieben sie!!!

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    1. Genau solche Mitarbeiter brauchen wir, perfekt!

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