22. November 2012

Servicewüstenoase Deutsche Post

Neugeborene werden außerordentlich gerne beschenkt. Wohnen besagte Neugeborene in weit entfernten Ländern mit Präsidenten, die den lustigen Vornamen Barack haben, dann kann es schon mal länger dauern, bis das Geschenk ankommt. Das liegt aber an mir, nicht Barack.

Zunächst mal gilt es, einen passenden Karton zu finden. Ich weiß um die Existenz der fast fertig gefalteten Exemplare, welche die Post feilbietet. Aber das wäre ja eine einfache Lösung. Und wohin sonst mit all den Kartons, die Amazon uns so hübsch frei Haus liefert. Richtig.

Also Elefant genäht, eingepackt, Karte geschrieben, Karton zugeklebt und ab zur Postfiliale. Stofftiere sind übrigens eine äußerst gern gesehene Lösugn für Geschenke ins ferne Florida, weil die ja bekanntlich nicht so viel wiegen wie zum Beispiel eine selbstgegossene Betonskulptur.

In der Post die erste Verwirrung: Niemand steht an. Merke: kurz nach 11 ist die perfekte Zeit, um nicht dumm rumstehen zu müssen. Ich muss aber erstmal einen Paketschein für nicht die EU suchen. Und ausfüllen. Und unterschreiben. Was wiegt wohl so ein Stofftier? Ich hab ja das Gefühl, eingepackte Luft zu verschicken, aber wer weiß ob es nicht doch drülfzehn Kilo sind.

Dann direkt durch zum Schalter, damit da keine Langeweile aufkommt.
Cati: "Guten Tag, das hier bitte in die USA kartonaufthekewuchtend."
Postfrau: "Okidoki kartonvonthekeaufwaagewuchtend."

Postfrau: "Das macht dann 32 Schekel und ein bisschen Rotgeld."

Meine Augen können doch tatsächlich größer werden als mein Kopf. Erstaunlich. Ich frage dreimal nach. Es bleibt bei einem Betrag mit zwei Stellen vor dem Komma, größer als dreißig. In Worten: dreißig.
Postfrau: "Hm, da muss doch noch was gehen." Misst ein bisschen hier, misst ein bisschen da, klimpert auf ihrer Tastatur rum.

Postfrau: "Also wenn der Karton hier um Haaresbreite kürzer wäre, dann könnten wir das als Paket schicken. Für die Hälfte von Dreimilliarden Schekeln."

Cati rafft ihren Karton, den Schal, das Portemonaie, die Wulfhild und den Paketschein und schiebt den Buggy rückwärts durch den Warteschlangenbereich. Der immer noch leer ist. Merke: auch nach kurz nach 11 ist die perfekte Zeit, um nicht dumm rumstehen zu müssen.

Ein Postpaket M wird gekonnt gefaltet, das so niedlich in türkisem Papier mit weißen Punkten und passender Schleife versehene Geschenk wird vandalistisch zusammengestaucht, denn was nicht passt wird passend gemacht.

Zurück zum Schalter. Fast. Merke: kurz nach kurz nach 11 ist es zu spät, dann ist man eine Schlange, wenn auch eine langweilige 1-Personen-Schlange. Immerhin mit Buggy und Baby.

Am Schalter dann wieder:
Cati: "Guten Tag, sie erinnern sich: das hier bitte in die USA kartonaufthekewuchtend."
Postfrau: "Okidoki kartonvonthekeaufwaagewuchtend. Das machen wir aber noch billiger, das ist ja nicht mal ein halbes Kilo. Das wäre doch lachhaft, das als Päckchen zu schicken. Pffffft."

Und siehe da, aus Paket und dreimillionentrilliarden Schekeln wurde ein Brief in Kartonverkleidung der nur noch 3,43 € kostet. So lob ich mir das, Frau Post. Merke: Wenn keine Schlange ist, finden wir immer eine Lösung, die mir gefällt.

Kleine Emily, Dein Willkommensgeschenk ist auf dem Weg. Sogar mit Glückwunschkarte, die zwischendurch mal neben den Karton und unter den Einpacktisch gefallen war. Aber ich pass ja auf wie ein Schießhund.

Kommentare:

  1. Faszinierend, dass Frau Basmati es bei nicht vorhandener Schlange mit ein paar gekonnten Knicken schafft Kommas in Preisen zu verschieben ... Respekt!
    Liebe Grüße
    Fredda

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  2. Huhu!
    3,45 Euro kostet auch eine amerikanische Thanksgivingkarte, die 3 mm breiter ist als eine Deutsche! :O)
    Hoffe der Herr Elefant kommt gut an!
    LG
    Claudi

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  3. Wieder einmal alles richtig gemacht, Frau Basmati!

    Papagena

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  4. Da ist jemand aber wirklich an einen serviceorientierten Postler geraten!

    Respekt!

    Gut gemacht!

    Der Elefant ist super!

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