7. Dezember 2012

11. Brief an Alma

Liebe Alma,

könnte ich lügen ohne rot zu werden, würde ich Dir schreiben wie schön es immer ist, dass Du so neugierig auf Deine Umwelt bist, alles auseinander nehmen willst und versuchst zu verstehen, was für einen Zweck die Dinge haben und wie sie funktionieren. Da ich das nicht kann muss ich zugeben, dass Du ganz schön anstregend sein kannst. Aber so ist das wohl.

Dinge ein- und ausräumen? Super. Manchmal hapert noch das mit dem wieder einräumen, aber das wird schon noch werden.


Stillsitzen? Für die anderen. Ein Buch lesen? Pffff.

Außer. Ja, außer Du bist krank. Dann kannst Du Dich doch dazu herablassen, für 5 Minuten still auf meinem Schoß zu sitzen und mit mir Seiten zu blättern.


Zum Glück bist Du aber selten krank. Diesen Monat raffte Dich die erste größere Sache hin, als Du das von mir liebevoll gekochte Mittagessen quer durch den Flur geschossen hast. Thank God für Parkett, sag ich da nur. Danach hast Du den restlichen Tag zitternd auf meinem Schoss gesessen und am Daumen genuckelt und bist nur so kurz eingeschlafen, dass Du aufschrecken und brüllen konntest. Ich hab so mit Dir gelitten, Du armer kranker Wurm! Am nächsten Tag hat sich dann ein Traum erfüllt und es gab Milchflaschen anstatt des albernen Breis. Schon ging es Dir besser! Drauf den Tag dann aus der Traum, ich hab Dich mit Brei gefoltert. Nicht mit mir, dachtest Du wohl und es wurden umgehend Grenzen getestet. Siehe da: ich habe den längeren Atem und Du den größeren Hunger. Jetzt stehen zum Glück wieder alle Zeichen auf Staubsauger. Denn so kommst Du mir bei jedem Essen vor.

Kein Wunder: Du krabbelst mit vor kurzem noch unvorstellbarer Geschwindigkeit durch die Wohnung, ohne jegliche Scheu vor dunklen Fluren und staubigen Höhlen unter dem Bett. Naja, bis Du Dir darüber im Klaren bist, wo Du gerade steckst. Dann brichst Du schon mal in Panik aus, brüllst und leidest bis Dich jemand wieder ans Tageslicht zieht.

Das Hangeln vom Couchtisch zum Sessel zum Sofa und wieder zum Tisch klappt schon ganz gut, selbst der Phantomimengang an Wänden und Schränken entlang funktioniert. Es würde mich nicht wundern, wenn um den Jahreswechsel herum die ersten Schritte gestolpert werden! Ich persönlich wünsche mir das für Heiligabend (bei der einen Oma), den zweiten Weihnachtstag (bei LaMama und Vati Basmati) oder richtig zum Jahreswechsel (mit der Lieblingsblondine und dem Hawaiipulli in Timmendorf). Aber kein Stress, Du machst ja eh was Du willst.

Du hast nämlich Deinen ganz eigenen Kopf. Alle spielen im Wohnzimmer? Vielleicht ist es aber im Kinderzimmer viel besser. Dann krabbelst Du halt da hin. Mama kocht und Du bist damit fertig, den Tupperschrank auszuräumen? Schaust Du halt mal, was Papa so am Computer macht. Du gehst jetzt schon Deinen Weg, da mach ich mir um Deine Zukunft mal gar keine Sorgen.

Immer mehr Sorgen macht mir allerdings Dein Dickkopf. Der ist jetzt schon so ausgeprägt, dass ich Dich manchmal an die Wand klatschen könnte. Tut man aber ja nicht. Ich befürchte, dass der mit zunehmender Körpermasse proportional dicker werden wird, der Schädel. Das kann ja heiter werden. Mama und Papa müssen nur noch ausdiskutieren, von wem Du den hat. Ausgang ungewiss.

Wie dem auch sei, ich bleibe dabei. The best things in life aren't things.


Ich wünsch Dir eine tolle Adventszeit!

In Liebe,
Mama

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