9. Dezember 2012

Ärmel sind die Geißel der Menschheit

Weihnachtskleid-Sew-Along Teil 3: Ich nähe, also bin ich.
Es wird, Geduld, es wird... / Ich bin fast fertig, nur noch die Knöpfe. / Hilfe, da stimmt was nicht!

Ich sitze jetzt schon eine ganze Weile so rum und starre das Weihnachtskleid an. Und versuche mich damit zu beruhigen, dass die rote Farbe schon immer da war und nicht erst durch das Einsetzen der Ärmel inklusive stundenlangen Absteckmarathi (Plural von Marathon. Marathonse kann das ja nicht sein.) hervorgerufen wurde. Stecknadelpiercings sind die neuen Tribaltattoos, ich sag es ja.

Ärmel.

Eigentlich hab ich letzte Woche schon genug gejammert, das wollte ich diese Woche vermeiden, aber das geht jetzt nicht. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich hatte diese schöne Vision vor Augen, wie ich freudestrahlend bei jedem ausgepackten Geschenk die Arme in die Luft reiße und jauchzend "JUCHHE, das habe ich mir ja schon immer gewünscht!!!" jubel. Daraus wird jetzt nichts. Ich werde sittsam die Hände auf dem Schoss verschrecken, mich artig bedanken und mit einer angelamerkelesken Geste den nächsten bitten, ein Geschenk zu öffnen. Reihum geht das bei uns nämlich.
  1. Man hätte mir sagen können, dass Ärmel fiese hinterfotzige Dinger sind, die eine völlig andere Seitennahtendführung benötigen, als keine Ärmel. Und hinterfotzig sind.
  2. Man hätte mir noch vor 1. sagen können, dass es ungünstig ist, eine niederländische Nähanleitung für das erste unbeaufsichtigte Nähen einer ernstzunehmenden Oberbekleidung zum Singen unter dem Baum auszuwählen.
  3. Man hätte mir sagen können, dass...
Gut, zu 3. fällt mir schon nix ein, also kann es gar nicht so schlimm gewesen sein. Aber man stelle sich vor, wie Cati Basmati frohlockend die Mittagspause des Kindeleins ausnutzend am Küchentisch das Nähutensil  auspackt und naiv beginnt, die Ärmel an das Kleid zu stecken. Seht selbst:


Der Zipfel, den ich da in der Hand halte, ist ja wohl mehr als nur ein bisschen viel zu lang für das Armloch. Den gleichen Überschuss gibt es auf der anderen Seite. Auch der zweite Ärmel ist viel zu lang. Also das Schnittmuster nochmal ausgepackt und nachgemessen. Alles richtig ausgeschnitten. Ich wundere mich nur noch, schließlich sind die Zipfel je eines Ärmelteils auch unterschiedlich breit. Muss das so sein? Wenn ja, warum?

Mit großen Stichen wird also nun Ärmel Nr. 1 an das Kleid geheftet. Ärmel Nr. 2 bringt mich direkt danach zur Weißglut, weil ich die Seitennaht ja schon geschlossen hatte, um halbwegs die Abnäher korrigieren zu können. Nun gut, ich hätte ja wenigstens versuchen können, die niederländische Anleitung vorher zu lesen. Oder mir denken können, dass die Kurzanleitung des Kirschenkinds keine Ärmel vorsieht und somit auch keine große Hilfe sein würde beim Nähen eines Kleides mit Ärmeln. Wer denken kann ist klar im Vorteil, ich sag es ja immer wieder.

Dem Nahttrenner kurz einen Heiratsantrag machen und dann vergnügen wir uns eine ganze Weile. Denn die Anprobe des Kleids zeigt: Armlöcher (den Terminus Technikus lerne ich wann anders) für Kleider ohne Ärmel sind anders als Armlöcher für Kleider mit Ärmeln. Und Ärmel an sich sollten keine einschneidenden Erlebnisse für Oberarme der un-Hulkschen Art sein. So an sich.

Also erstmal einen Kaffee kochen und darüber nachdenken. Schnaps wäre auch eine Alternative, aber den hebe ich mir für nächste Woche auf, wenn der nahtverdeckte Reißverschluss eingebaut wird und an Tageslicht kommt, dass ich das Kleid niemals wieder ausziehen kann, wenn ich mich einmal reingeschossen habe.

Nachdenken, hinfrickeln, friemeln, ausprobieren, stechen, fluchen, lachen, Dominosteine essen. Dann klappt es. So mehr oder weniger. Das Ergebnis zeige ich Euch jetzt nicht, aber ich sag mal so: Ärmel hat das Kleid jetzt. Und die werfen nicht mal sehr viele Falten.

Freiwillige vor, die mir an Weihnachten zur Seite stehen, wenn ich etwas aus dem Schrank holen muss, dass sich höher als in Brusthöhe befindet. Das ist dann nämlich schlecht.

Und zu guter letzt gebe ich zu: ich habe Angst davor, aufzugeben. Nicht, weil ich Angst vor der darauf folgenden Rebellion des Kleiderschranks habe (wer einmal Schwäche zeigt, wird niedergetrampelt), sondern weil ich die Reaktion der Sew-Along-Teilnehmer und -Leser fürchte. Hervorragend so eine Aktion. Da wird nichts in die Ecke gepfeffert, sondern motiviert weiter getüftelt, bis es halbwegs passt. Danke, Ihr Damen, für aufmunternde Worte und Drohgebärden der netten Art.

Und jetzt mal sehen, ob die anderen mehr Erfolg haben als ich.

Kommentare:

  1. Hallo Cati, ich kenne dieses Problem aus meinen Nähanfängen: bei Ärmeln gibt es fast immer eine "Einhalteweite", die im Schnitt markiert ist, mit Punkten oder Kerben. Du nähst mit großer Stichlänge auf der Nahtzugabe zwischen diesen Punkten, am besten zwei parallele Reihen mit ca. 0,7 cm Abstand. Dann ziehst Du an den Fäden und verteilst den Stoff. Dann passt es, meistens zumindest. Da findest bestimmt im Net gute Anleitungen dafür. Zumindest brauchst Du diese Mehrweite, um den Arm heben zu können... Liebe Grüße, Bettina.

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  2. Ärmel sind auch furchtbar. Einer der Gründe, warum ich Jerseykleider mag. Da geht es auf jeden Fall einfacher.

    Das Wichtigste in Bezug auf Ärmel sind die Passzeichen, damit links und rechts nicht vertauscht wird - und das bitte dreimal kontrollieren. Und dann die Einhalteweite berücksichtigen ohne sich davon in den Wahnsinn treiben zu lassen. Einfach stur die Mehrweite einnähen und sagen "das bügelt sich schon".

    Schalte doch mal die beknackte Roboterabfrage in den Kommentaren aus. Ich bin ein Roboter, aber eine nette Roboterin. Aber immerhin kann ich jetzt, bevor ich ungefähr 5 x versuche diese Buchstaben und Zahlen zu entziffern, noch mal kurz sagen, dass heute kein Tatort, weil Kind mit Mittelohrentzündung.

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    1. Auf vielfachen Wunsch der craftelerin ist die Roboterabfrage jetzt abgestellt :-) Mal sehen, wie lange es sauber bleibt... Vielleicht sollte ich einfach weniger viel vom Nacktsingen unterm Weihnachtsbaum schreiben, dann wäre ich für crawler weniger interessant...
      Lieben Gruß,
      Cati

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  3. Oh ja, das kommt mir bekannt vor! Ich habe bei meiner ersten Bluse nach drei Versuchen, den Ärmel ins eben nicht passende Loch zu bekommen, entnervt zur Schere gegriffen und das Armloch passend gemacht. Keine Glanzleistung, aber wenigstens hat's funktioniert. Die Schwiegermutter hat mir nach einem weiteren Fehlschlag dann den Tipp gegeben, bei bewegungsfeindlichen Ärmeln ein trapezförmiges "Unterachselstück" einzufügen, das gibt den nötigen Spielraum für mehr Armfreiheit. Auch keine Patentlösung für die Zukunft, aber bei bestehenden Problemstücken ganz hilfreich... Ansonsten warte ich auch noch auf den ultimativen Schneidermeistertrick!

    LG, Julia

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  4. Ärmel aus Webstoffen sind einfach doof. Selbst wenn du die Mehrweite einhältst, sind sie nicht wirklich bewegungsfreundlich. Bei meinen besten kneift nur noch die Naht an der sie eingesetzt sind.
    LG, Claudia

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  5. Nicht aufgeben, das wird was! Du wirst sehen, all die Mühen lohnen sich und bei den nächsten Kleidern wird es dann immer einfacher (obwohl da natürlich auch immer wieder Rückschläge kommen, räusper, und die bestimmt auch nicht zu knapp, aber lass Dich da nicht entmutigen, ist ganz normaaal und muss so).
    Liebe Grüße
    Tina

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  6. ach ja, ärmel einnähen...das steht mir auch noch bevor.
    die sache mit dem rv hab ich schon hinter mir und bin total begeistert. das geht mit diesem füßchen viel einfacher, wirklich!!!!

    lg katrin

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  7. Ich sag mal so: es läuft. Und LaMama hat sich schon als Freiwillige gemeldet für Jubel und Anreichen von Dingen, die in Schränken höher als Hüfthöhe lagern

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  8. Ich habe sehr gelacht während des Lesens, auch wenn du mein volles Mitgefühl hast. Glaub mir, ich versteh dich vollkommen. Aber deswegen auch von hier: Du schaffst das. Gib nicht auf. Am Ende wird alles gut!

    Es grüßt ganz lieb
    Anci

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