13. Dezember 2012

Auch mal an später denken

Gestern wollte ich mir die Freundschaft des Weihnachtskleides erkaufen und hatte meinen ganzen Stadtmarathon durch die Tempel des Konsums um den Besuch des Nähmaschinenladen herumgeplant, wo ich ein Füßchen zu kaufen gedachte, damit der nahtverdeckte Reißverschluss auch tatsächlich irgendwie dem Adjektiv Ehre bereiten würde. Es kam anders als gedacht.

Ich komme genau 20 Minuten nach Beginn einer sehr langen Mittagspause am Nähmaschinenladen an. Entschuldigung, dass sich Wulfhilds Mittagsschlaf nicht ihren Geschäftszeiten anpasst. Ein paar Tränen und wütendes mit den Füßen stampfen später entscheide ich mich dazu, den Rest des Stadtmarathons wie geplant zu durchlaufen um dann am Ende dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen und nach Ende der Mittagspause pünktlich wieder am Füßchenstand aufzutauchen. Ha. Take that, Schicksal.

Doch merke: das Schicksal ist nicht dumm.

Die Weihnachtszeit kann unheimlich entspannt verlaufen, wenn das Schicksal gegen einen ist. Das hört sich zwar komisch und auch ein klitzekleines Weniglein widersinnig an, aber alles lief wie am Schnürchen. Ich bekam alles, was auf der Liste stand. Also bis auf das Füßchen. Musste ich einmal warten, dann nur dort wo ich mich sowieso noch zwischen Varianten entscheiden musste und just 4 Sekunden nach Entscheidungsfindungsprozessende war dann auch ich an der Reihe. Ich fühlte mich gut.

Und stand 1 Stunde vor Ende der Mittagspause wieder vor dem Nähmaschinenladen.

Wäre ich schlau gewesen, hätte ich mich einfach bei der Post angestellt, um ein nicht existentes Paket abzuholen. Das hätte mich beschäftigt. Aber ich war nicht schlau. Ich wägte das Nachhausegehenundspäterkaufen gegen nocheinpaarGeschäftchenbesuchen gegeneinander ab und entschied mich für letzteres. Fehler.

Alle Passanten waren entweder zu stark parfümiert oder noch nicht mal deodoriert. Und blieben immer genau im Eingang stehen. Und traten dann einen hektischen Schritt zurück. Und nahmen das letzte unversehrte Ding, bevor ich danach greifen konnte. Und stohlen meine Geschenkideen. Und Kinderkleidung in passenden Größen. Und Atemluft.

Weniger gut gelaunt als 1 Stunde vor Ende der Mittagspause stand ich 5 Minuten vor Ende der Mittagspause wieder im Eingang des Nähmaschinenladens. Denn das Schicksal hatte sich mit der Welt gegen mich verbündet, um Rache zu nehmen für den Schnippchenplan. Perfide Zicke, dieses Schicksal.

Denn während ich da so stehe, mit schmerzenden Armen ob der erfolgreich gefüllten Tüten, wird mir bewusst, dass es vollkommen schwachsinnig ist, sich im Dezember ein Weihnachtskleid zu nähen. Nicht nur, weil man dann in der Kälte auf den Nähmaschinenladenbesitzer warten muss, sondern weil die Gewichtskurve im Dezember doch niemals horizontal verläuft. Alles, was ich am Anfang des Monats abstecke, um dem Kleid ein wenig Sitz und Wonne abzuzwacken, wird in genüsslicher Disziplinlosigkeit in Dominosteine investiert und großzügig auf den Hüften verteilt. Denn im Hause Basmati backt ja nicht mal jemand schlankmachende Kekse. Stattdessen verhelfen wir dem örtlichen Printenbäckerfachhandel und kaufen gleich meterweise das ein, was sonst womöglich wer anders kaufen würde. Holländer oder Belgier helfen da ja gerne aus.

Unsinn also. Niemals im Jahr ist meine Figur schneller anders als vorher als im Dezember. Bis 1 Minute vor Ende der Mittagspause des Nähmaschinenladens steht die Entscheidung felsenfest. Das nächste Weihmachtskleid nähe ich im Januar. Dann kann höchstens eine Schwangerschaft dem bewegungsfreundlichen Kartoffelsack mit Glitzerbrosche und peppigem Gürtel im Wege stehen. Was aber niemand übel nehmen würde, denn Schwangere spielen kleidungssitztechnisch ja in einer ganz anderen Liga.

Also im Januar. Mit echtem nahtverdecktem Reißverschluss. Jawohl. Ich fühle mich gut. Unbesiegbar. Königin der Nähmaschine und Bezwingerin des Karostoffes.

Die Tatsache, dass der Nähmaschinenladenbesitzer dann aber genau diese Füßchen gerade nicht vorrätig, aber bestellt hat, und ich somit völlig umsonst eine Stunde in der Stadt vertrödelt habe, anstatt zuhause die Füße hochzulegen und drei Dominosteine zu verputzen, ließ mich in eine ungeahnte Depression verfallen.

Zum Glück lagen ganz unten am Boden der Depression noch ein paar schokoladenüberzogene Weichprinten.

Weswegen ich mich am Ende doch als Siegerin fühle. Take that, Schicksal.

Kommentare:

  1. Ist eben voll Weihnachten und so. Zum Glück gibts Kekse!

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  2. Mich kann so etwas auch total aus der Bahn werfen und kurzzeitig für eine tiefe Weltschmerz-Phase sorgen. Für meinen Mann ist das völlig unverständlich, aber bei mir ist das halt so, basta. Geht ja aber zum Glück meist schnell vorbei und Kekse beschleunigen das Gute-Laune-Gefühl zusätzlich :-)
    LG Christina

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  3. Genau das, worauf man in der Vorweihnachtszeit locker verzichten kann, oder? Nicht, dass man den Rest des Jahres jubilierend im Nähmaschinenladen stehen würde, wenn das ersehnte Füßchen erst noch bestellt werden muss... :-/

    Liebe Grüße
    Betty, die sich dank deiner Anregung an diesem Wochenende einen Karorock näht :-D

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