7. Januar 2013

12. Brief an Alma

Liebe Alma,

da ist er nun, Dein erster Geburtstag. Kaum zu glauben. Vor genau einem Jahr wachte ich nach einem sehr lustigen und langen Spieleabend viel zu früh auf und hatte zunächst das chinesische Essen im Verdacht. Aber Du warst es, die mich aus dem Bett geschmissen hat. So kann man sich irren! Und um 13.30 Uhr warst Du da.

Ein Jahr. Ein Jahr voller wunderbarer Momente, voller anstrengender Momente, voller Lachen und Weinen, voller Schmunzeln und Schimpfen. Für uns bist Du natürlich das schönste, süßeste und tollste Baby auf der ganzen Welt, aber das sind alle anderen Kinder ja auch. Also bilde Dir mal nicht ein, dass wir für den Rest unseres Lebens auf Dein süßes und schelmisches Lächeln reinfallen, meine freche Göre.

Aber lass mich von vorne anfangen. Dein Papa hatte wieder einen Monat Elternzeit und ihr habt das beide sehr genossen. Er ist immer noch ganz erstaunt darüber, dass Du Dich nun ganz anders an ihn drängst und viel öfter auch auf seinen Arm willst. Ich hab Euch ganz oft alleine gelassen und bin arbeiten gegangen, was mir aber anscheinend viel mehr ausgemacht hat als Dir. Ein Tränchen hier und da wäre schon ok gewesen, aber so habe ich Hoffnung für einen guten Start in Deine Tageskindkarriere außer Haus ab nächster Woche.

Du stehst schon recht sicher und rennst hinter dem Lauflernwagen und dem Puppenwagen her wie nix. Wenn da nur das Lenken nicht wäre... Aber irgendwer wird schon alles in die richtigen Bahnen lenken, kein Grund sich aufzuregen. Auch an zwei Fingern watschelst Du recht gekonnt durch die Wohnung. Bitte fang mit dem Laufen an, bevor das Rücken gibt. Eigentich hatten wir auch den Plan, Onkel von Clausewitz zu schlagen, der laut LaMama fünf Tage vor seinem ersten Geburtstag die ersten Schritte machte. Der Zug ist abgefahren, aber vielleicht schenkst Du uns ein paar Schrittchen zu Deinem Geburtstag? Ich würde mich wahnsinnig freuen.



An Weihnachten haben wir ja noch darüber gesprochen, dass Du noch nie krank warst. Naja, bis auf ein Schnüpfchen hier und da und der eine Tag mit Essensrecycling, aber das hat Dich nie wirklich aus der Bahn geworfen. Hätten wir das mal nicht gemacht. Die Rückfahrt vom Silvesterurlaub in Timmendorfer Strand war dann nur noch halb so angenehm wie gewünscht, da es zwar die Baustellen auf der A1 nicht mehr gibt, dafür aber ein fiebriges Kind mit Schnoddernase und zwei neuen Zähnen mitfuhr. Nach drei Tagen Fieber inklusive Leiden und Hungerstreik ist das aber nun auch passé. Hörst Du? Es ist alles wieder gut, Du kannst wieder was essen.

Essen interessiert Dich übrigens nicht. Das ist ein lästiges Übel, das Dich dabei unterbricht, alles auszuprobieren, neues zu entdecken und herumzuflitzen. Könntest Du nicht ein wenig von Deiner Neugier auf Lebensmittel richten? Danke.

Aber ein Gutes hatte das Kranksein. Du hast plötzlich gekuschelt wie eine Weltmeisterin und fandest sogar Zeit in Deinem Tagesablauf, um für mehr als drei Sekunden auf meinem Schoß zu sitzen und ein Buch zu gucken. Der Trick dabei war natürlich das Buch von der Aktion Lesestart, denn da gibt es Klappen. Fühlbücher oder "nur" Bilderbücher langweilen Dich weiterhin, denn auch das lustigste Hin- und Herblättern ist schnell langweilig. Aber die Klappen? Der Renner. Und Papa hat noch einen anderen Trick gefunden. Du suchst ja immer einige Spielsachen aus der großen Kiste raus, welche vehement dem jeweiligen Mitspieler hingehalten werden. Eine klar Aufforderung. Ist darunter ein Buch, dann hat man das zu nehmen und sich parat zu setzen, Du kommst mit einem zweiten Buch direkt hinterher. Und das ist dann kein Zeichen für ein weiblich-wankelmütiges Lesebedürfnis, sondern Gerechtigkeit. Denn wenn Du ein Buch lesen möchtest, dann darf der Erwachsene auch was lesen. Sein eigenes Buch. Gut, dass wir das nun wissen.


Allerdings gab es das Lesestart-Buch beim Kinderarzt als Bestechung. Bei der letzten Untersuchung stand nämlich wieder Impfen auf dem Plan und da Du schon vorher aus einer unglücklichen Kombination aus müde-hungrig-nackig-wiegen-messen heraus ein wenig aufgeregt warst, gaben Dir die zwei Spritzen in die dünnen Oberärmchen den Rest. Ich denke, jeder auf der Welt hat das Gebrüll gehört. Immerhin lenkte das den Arzt davon ab, weiter danach zu fragen ob Du auch mal stillsitzt, etwas ruhiges machst oder nichts auseinander nimmst. Fragen, die ich nur schwer mit JA beantworten konnte.


Neulich hat Papa die Badewanne geputzt und Du hast davor gestanden und versucht, Dich hochzuziehen und mitzumachen. Du liebst Baden über alles, was ja nichts neues ist, und kennst nun auch Badeschaum. Ein zunächst etwas irritierendes Erlebnis, da das Zeug so substanzlos ist, aber doch die Sicht versperrt und an den Fingern kleben bleibt. Inzwischen läuft es aber ganz gut mit Euch beiden.


Die Weihnachtsfeiern waren alle schön. Alle Großeltern kamen gerecht zum Zug, Du hattest ausreichend Zeit zur Ruhe und wir konnten wirklich nette Weihnachtstage genießen. Außer an Heiligabend, als Du unsere das-erste-Weihnachten-mit-Kind Aufregung und Oma Inges ganz normale Hypernervosität gespürt und Dich nicht wirklich entspannt hast. Und am Samstag vor Weihnachten, als Du Dir die Murmelbahn von Onkel Klitzi an die Stirn gerammt hast. Aber sonst: alles dufte.


Das Christkind fand übrigens, dass Du mal ruhig einen neuen Thron für Mr. Goldfinger haben könntest. Denn mit den dicken Winterjacken und langweiligem Ausblick auf die Rücklehne der Rückbank war die Babyschale dann doch so langsam ein Auslaufmodell geworden. Jetzt thronst Du mit Ausblick auf die Welt und freust Dich wieder wie Bolle über Autofahrten.


Von LaOma, formerly known as LaMama, und Vati Basmati hatte das Christkind den Tipp bekommen, dass Deine erste Puppe ein gutes Zuhause bei Dir finden könnte. Und ja, hat sie. Oma und Opa hatten dem Christkind beim Aussuchen geholfen, Oma hat sich durchgesetzt und da ist sie nun, Deine neue beste Freundin. Noch teilt sie sich dieses Amt mit vielen anderen Spielsachen, aber sie muss sich ja auch erstmal beweisen. Süß ist es aber schon jetzt, wenn Du am Daumen nuckelnd auf meinem Schoß sitzt und dann vehement dafür eintrittst, dass auch sie an ihrem Daumen nuckelt. Wie Du sie wohl mal nennen wirst?


Und jetzt backe ich Dir einen Schokoladenkuchen, damit Du nachher mit den Omas und Opas auch ordentlich was futtern kannst.


Danke für dieses tolle Jahr, meine kleine Maus.
Ich kann mir ein Leben ohne Dich gar nicht mehr vorstellen und freue mich auf unsere nächsten Abenteuer.

In Liebe,
Mama

Kommentare:

  1. Ich lese diese Briefe so schrecklich gerne! Alles Gute zum Geburtstag für die kleine Maus <3.

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  2. Happy Birthday, Alma! Lass Dich verwöhnen!
    (Unsere Untermieterinnen scheinen vom selben Schlag zu sein :))

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  3. Herzlichen Glückwunsch liebe Alma! Hab einen wunderschönen Geburtstag mit deiner Mama, dem Papa und den Omas und Opas.

    LG

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  4. Alles Gute zum 1. Geburtstag Alma <3

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  5. Deine Briefe an Alma sind wirklich immer toll und ich erwische mich manches Mal, dass ich die aufsteigenden Rührungs-Tränen mit aller Kraft wieder runterdrücken muss. Wer auch bei der Merci-Werbung weinen muss, wird verstehen, was ich meine...

    Alles Gute zum 1. Geburtstag, liebe Alma!
    Lass es krachen und Dich feiern und Dich von allen (noch mehr) verwöhnen heute! Und morgen. Und übermorgen. Und...

    Viele Grüße
    Britta

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  6. Glückwünsche an Eure kleine Große :)

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  7. Herzlichen Glückwunsch zum 1. Jahr mit Alma!
    Viel Gesundheit, Neugier und Erfolgsmomente ans Fräulein Tochter!

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  8. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, große kleine Alma! Schon verrückt, wie schnell so ein Jahr vergeht...
    Liebe Grüße,
    Jane

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  9. Liebe Cati,
    herzlichen Glückwunsch zum ersten Jahr Mama sein.
    Ich wünsche Dir und Deiner Familie ein wunderschönes, glückliches, erfülltes 2013!
    Herzliche Grüsse nach Aachen.
    Love
    Julia

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